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Als Deutscher in diesem Land nichts zu melden

KulturbereichererIch bin ein 22-jähriger Student und wuchs als Sohn einer Deutschen und eines Asylbewerbers in Süddeutschland auf. Mein Vater stammt ursprünglich aus einem mehrheitlich muslimischen Land und auch er selbst war Moslem, zumindest auf dem Papier. Nachdem er in Deutschland angekommen war, lernte er recht bald meine Mutter kennen und konvertierte zum Christentum. Meine Eltern heirateten auch kirchlich und ich selbst wurde getauft.

(Gastbeitrag von Karlsruher1986 zur PI-Serie “So erlebe ich die Kulturbereicherer!”)

Unsere kleine Familie zog dann mangels Geld in einen eher nicht so tollen Stadtteil, da bezahlbarer Wohnraum in unserer Stadt einem Lottogewinn gleich kommt. Die ersten Jahre vergingen ohne große Vorkommnisse, obwohl ich auf einer für ihren hohen Ausländeranteil berüchtigten Grundschule gelandet war. Selbst auf dem großen Spielplatz um die Ecke gab es nichts, was einem hätte Sorgen bereiten sollen. Das alles endete allerdings schlagartig in der Zeit, als ich auf das Gymnasium wechselte. Ich kann mich noch sehr gut an diese Zeit (kurz vor der Pubertät) erinnern. Plötzlich spielte die Nationalität eine wichtige Rolle, und ich als Deutscher hatte in den Augen der anderen wohl die falsche. Damals wurde mir relativ unmissverständlich klargemacht, dass man als Deutscher in diesem Land nichts zu melden hat. Täglich hatte ich Probleme mit Migranten, meist türkischer Herkunft. Es spielte keine Rolle, ob ich gerade auf der Schaukel saß, und somit einem Türken sein naturgegebenes Recht auf eine frei verfügbare Schaukel nahm, ob ich versehentlich jemanden eine Sekunde zu lange angeschaut hatte oder selbst wenn ich gar nichts machte, sondern nur existierte, kamen sie zu dritt auf mich zu und behaupteten, dass sie von einem Freund gehört hätten, dass ich die Mutter eines Cousins beleidigt hätte.

„Auf die Fresse“ bekam ich nie etwas. Vielleicht war es mein diplomatisches Geschick oder einfach nur Glück, aber ich kam mit Beschimpfungen wie „Scheiß Kartoffel“ oder „Deutscher Pisser“ davon. Dafür musste ich aber natürlich mit Einschränkungen leben, wie zum Beispiel das ständige zum Automaten rennen, wenn einer der jungen Herrenmenschen gerne qualmen wollte oder das obligatorische Fußball „ausleihen“. Die Chancen standen meist gut, dass man ihn wiederbekommt, aber auch nur, wenn man, um es wortwörtlich zu sagen, am Ball blieb. Die deutschen Kinder brachten bald gar keinen Fußball mehr mit nach draußen, außer er war schon bis zum geht nicht mehr abgenutzt. Was passieren konnte, wenn man sich nicht unterwürfig verhielt, konnte ich bei einem Freund sehen, der es doch tatsächlich wagte, seinen eigenen Ball nicht für ein paar „Minuten“ auszuleihen. Die ganze Bande hat den armen Jungen über den gesamten Spielplatz gejagt und erst von ihm abgelassen, als er nur noch wie ein Häufchen Elend auf dem Boden lag und weinte. Zu Hause schwieg ich über solche Vorfälle, da ich mich für meine Schwäche schämte.

Es wäre wohl ewig so weiter gegangen, wenn diese feige Bande nicht irgendwann meinen kleinen Bruder geschlagen hätte. Als mein Vater von dem Treiben dort erfuhr, schnappte er sich den Anführer und regelte es mit der einzigen Sprache, die diese Kerle kannten, nämlich Gewalt. Ich muss auch ehrlich dazu sagen, dass ich damals nicht glücklich über die Art war, wie mein Vater das geregelt hat, aber im Nachhinein denke ich mir, dass diese Bande einen durchschnittsdeutschen Vater, der ihnen bißchen mit dem Zeigefinger droht, nur ausgelacht hätten. Danach hatte ich erstaunlicherweise Ruhe. Sie griffen mich nicht mehr an, da sie jetzt wussten, dass ich kein „echter“ Deutscher war, sondern ein Mischling, der zusätzlich noch einen Vater hat, der keine Angst hat, sich zu wehren. Viel gebracht hat mir das trotzdem nichts, da meine „rein“ deutschen Freunde weiter das Ziel von Pöbeleien jeglicher Art waren und sich nach und nach von diesem Spielplatz und Fußballplatz verabschiedeten. Am Ende lief es darauf hinaus, dass wir meist kilometerweit mit dem Fahrrad fuhren, um auf einem Fußballplatz zu landen, der noch nicht „multikulti“ war.

Auf dem Gymanasium selbst gab es keine Probleme. Ich landete zwar auch dort in einer „Ausländerklasse“, aber alle verstanden sich gut. Ob es daran lag, dass wir nur einen muslimischen Schüler, der sich auch noch als „Papiermoslem“ herausstellte, hatten? Man weiß es nicht, aber die Erfahrung sagt mir eindeutig: JA!

Alle auf PI veröffentlichten Gastbeiträge zur laufenden PI-Serie “So erlebe ich die Kulturbereicherer!”, küren wir mit dem neuen Buch von Udo Ulfkotte „Vorsicht Bürgerkrieg“. Wir bitten daher alle, deren Beitrag bei uns erschienen ist, uns ihre Anschrift mitzuteilen, damit wir ihnen ihr Buch zustellen können.

Bisher erschienene Beiträge zur PI-Serie:

» Einmal Toleranz und zurück
» Auch im Fußball kulturell bereichert
» Soldaten sind Mörder – oder Schlampen
» Kulturbereicherung von Kleinauf
» Beschimpfungen, Aggressionen und vieles mehr…
» Gefühl, im eigenen Land auf der Flucht zu sein
» Erfahrungen eines Hauptschullehrers
» “Ruhe, ihr deutschen Drecks-Schlampen”
» Kulturbereicherung im Krankenhaus
» Von bereicherten Löwen und grünen Antilopen