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„Fördern und Fordern“

Multikulti in DeutschlandDiese Floskel taucht meistens auf, wenn es darum geht, Leute, die sich dauerhaft in unseren sozialen Sicherungssystemen eingerichtet haben, auf die eigenen Füße zu stellen. Man hört sie aber auch immer öfter, wenn es um Integration geht. Was noch vor einigen Jahren einen drohenden Griff zur argumentativen Nazi-Keule ausgelöst hätte, scheint heute sogar beim leidenschaftlichsten Verfechter der Multikultur für Deutschland ein anstrebenswertes Ziel geworden zu sein – der Erwerb der deutschen Sprache als Basisvoraussetzung für eine Teilhabe an der Mehrheitsgesellschaft in diesem Land.

Wer nicht in der Lage ist, sich wenigstens den Alltagswortschatz anzueignen, wie es jeder Reisende oder Langzeiturlauber selbstverständlich tut, wenn er ein fremdes Land besuchen möchte, der wird zwangsläufig und völlig selbstverschuldet im Ausland Probleme bekommen.

Noch selbstverständlicher ist die Erlernung – zumindest des Basiswortschatzes der Landessprache, wenn man vor hat, sich länger in diesem anderen Land aufzuhalten. „Auf Malle ist doch auch schon alles auf deutsch“, wird man vielleicht einwenden. Ja, in den Touristengebieten, die zahlungskräftige Urlauber anziehen wollen. Das ist es Teil des Marketings, von dem die Einheimischen profitieren. Wer längere Zeit Deutschland den Rücken kehren will, lernt auch dort irgendwann die Landessprache. Er lernt sie auch deshalb irgendwann automatisch, weil ihm nichts anderes übrig bleibt, wenn er vernünftig durch den Alltag kommen will.

Anders ist das mit der wachsenden türkischen Diaspora in Deutschland. Man hat jahrzehntelang die Augen und Ohren davor zugehalten, dass sie eine abgeschottete Parallelgesellschaft ausgebaut hat, in der man als Türke in Deutschland leben kann, ohne mit der deutschsprachigen Mehrheitsgesellschaft in Berührung zu kommen. Das ist lange bekannt.

Den automatischen, natürlichen Spracherwerb hat das nicht nur bei den Älteren verhindert, sondern – was noch viel bedeutsamer und folgenschwerer ist – bei den Kindern. Kinder lernen schon ab der frühen Kindheit intuitiv die Sprache, die sie umgibt und die sie im Alltag immer wieder benötigen.

Das Falscheste, das man tun kann, ist die Notwendigkeit zu nehmen, eine Sprache zu lernen. Besonders Menschen aus bildungsfernen Schichten fehlt zumeist die Eigeninitiative, wirklich eine Sprache zu lernen. Diese Leute werden sie nur lernen, wenn sie im Alltag dazu gezwungen sind.

Diese Einsicht scheint bei zahlreichen deutschen Entscheidungseliten noch nicht durchgedrungen zu sein. Da wird über den Antrag nachgedacht, in Deutschland türkisch/islamische Kindergärten einzurichten, da dürfen islamische Mädchen Schulveranstaltungen, Klassenfahrten und anderen sozial zusammenschmelzenden Ereignissen fernbleiben, weil man ja so wahnsinnig „tolerant“ ist, da lässt sich DITIB dafür feiern, dass sie Deutschkurse für die von ihr stark mit zu verantwortende türkisch/islamische Parallelgesellschaft anbietet, was dazu führt, dass wieder nur Türken unter Türken sind – und in letzter Zeit werden sogar die Mülltonnen in türkischer und russischer Sprache beschriftet.

Kann das der richtige Weg sein? Sollte man nicht besser alles dafür tun, dass die Leute sich in die Gesellschaft einfügen, in die sie eingewandert sind und nicht immer wieder für die gleichen Migrantengruppen kontraproduktive Extrawürste braten? Hier fördert man die Leute am sinnvollsten, indem man sie fordert, unsere Sprache zu lernen und sich im Alltag mit der deutschen Lebensumwelt auseinander zu setzen.

(Gastbeitrag von Selberdenker)