1

„Gibt es Prüfung nicht auf türkisch?“

KulturbereichererIch habe in der Seminarverwaltung einer norddeutschen Erwachsenenbildungs- Einrichtung gearbeitet. Berufsspektrum waren unter anderem Staplerfahrer, Lagerlogistiker und Hafenarbeiter für die Containerhäfen. Die Teilnehmer waren bunt gemischt, von arbeitswilligen Mittdreißigern über Schulabbrecher bis hin zu kaum deutschsprachigen Migranten. Unsere Ausbilder, als erfahrene Praktiker, hatten auch mit dem raueren Klientel wenig Probleme.

(Gastbeitrag von Petra R. zur PI-Serie “So erlebe ich die Kulturbereicherer!”)

Es gab am Kursbeginn klare Ansagen und die wurden auch durchgezogen, obwohl uns die Ausbilder auch von einigen Knallern berichteten…

Wir in der Verwaltung, da reine Frauenbesetzung, hatten mehr Probleme. Das fing schon bei der telefonischen Auskunft an. Ich melde mich mit Firma und Namen und höre dann: „Ja, ey, Kollege hat mir gesagt, isch kann bei euch Staplerschein machen. Komm ich morgen vorbei, ok.“ „Der nächste Staplerkurs findet am … statt, es sind noch Plätze frei, da müssen Sie sich vorher anmelden und Ihre Unterlagen vorbeibringen oder herschicken. Die Kursgebühr beträgt … €, wenn Sie den Kurs selbst zahlen, bekommen Sie eine Rechnung – oder läuft das übers Arbeitsamt? Dann brauchen wir auch noch die Kostenübernahme.“ „… Äh … isch will Staplerschein machen, nix Kurs.“

Ein paar Minuten später hatte der Mann endlich verstanden, wie ein Staplerkurs abläuft und was es mit der Anmeldung auf sich hat, wollte den Preis wissen und als ich ihn nannte, fing er auf einmal an, auf die blöden deutschen Blutsauger zu schimpfen, bevor er auflegte …

Ein anderes Telefonat mit Vorgeschichte. Ein ca. 40jähriger Türke hatte bei uns einen (vom Arbeitsamt geförderten) Staplerkurs mitgemacht und war durchgefallen. Der verantwortliche Ausbilder war nach der Prüfung kopfschüttelnd ins Büro gekommen und hatte uns erzählt: Von fünf Kurstagen war der Mann zwei Tage da gewesen – die anderen drei Tage war sein Kind krank, muss man ja verstehen, dass er dann nicht weg kann. Dem theoretischen Unterricht konnte er aufgrund von Sprachdefiziten kaum folgen und in der Praxis brachten sich alle anderen in Sicherheit, wenn er auf dem Platz fuhr, weil er den Stapler offensichtlich kaum unter Kontrolle hatte. Nun war er also durchgefallen, hatte gleich auf dem Platz laut protestiert und war empört verschwunden.

Ein paar Tage später hatte ich diesen Herrn am Telefon: „Ja, ich habe Staplerschein gemacht bei euch.“ „Ja, und wie kann ich Ihnen weiterhelfen? Brauchen Sie eine Bescheinigung?“ „Krieg ich keine Bescheinigung, weil der Macker hat mich durchfallen lassen!“ Da klingelte es bei mir und ich wusste nun, wen ich in der Leitung habe. „Sie können die Prüfung einmal ohne Mehrkosten wiederholen, soll ich Ihnen den nächsten Termin dazu durchgeben?“ „Ja, weißt du, ist schwer für mich wegen das Unterricht alles auf deutsch – und Prüfung auch. Kann ich nix so verstehen! Gibt es Prüfung nicht auf türkisch?“

Ich musste erstmal tief durchatmen und antwortete dann folgendermaßen: „Herr …, der Unterricht ist auf deutsch, die Prüfung ist auf deutsch und die Arbeit ist auch in Deutschland – wieso sollte da was auf türkisch sein?“ „Ja, ich kann nix so gut deutsch. Aber nur wegen Sprache nix Schein kriegen ist Diskriminierung!“ „Wissen Sie was? Wenn im Hafen der Vorarbeiter eine Anweisung gibt, macht er das auf deutsch! Wenn der „Stop!“ ruft oder was anderes, müssen Sie sofort reagieren – und wenn Sie kein Deutsch verstehen, ist das gefährlich!“ Er legte dann recht schnell auf und hat sich nicht wieder gemeldet.

Das Highlight war ein Moslem, der mit arabischer Kleidung (weiße Schlabberhose, langer Kaftan und Käppi), Gummischlappen und rotgefärbtem Wallebart auftauchte. Ich hatte ihn vom Anschauen auf ca. 60/65 Jahre geschätzt und angenommen, er wolle einen jüngeren Verwandten abholen. Unser Ausbilder klärte mich dann hinterher auf. Der Mann war 31 Jahre alt und vom Arbeitsamt geschickt worden. Er weigerte sich, sich mit Ungläubigen an einen Tisch zu setzen, stand also während der Theorie die ganze Zeit in einer Ecke und sah demonstrativ zum Fenster hinaus. Er sagte kein Wort, füllte die Unterlagen auf Arabisch aus und weigerte sich, für den praktischen Unterricht auf dem Stapler seine islamische Kleidung gegen Arbeitshose, -jacke und -schuhe auszutauschen. Ebenso verweigerte er den obligatorischen Schutzhelm, den jeder auf dem Hof tragen muss und konnte somit auch nicht beim praktischen Ausbildungsteil mitmachen. Natürlich bekam er so auch kein Teilnahmezertifikat. Wir warteten einige Zeit auf eine Nachfrage des zuständigen Arbeitsamtes, wieso da nichts ausgestellt wurde (eine Nachfrage des zuständigen Arbeitsberaters nach den Gründen war eigentlich normal, wenn jemand durchfiel u.ä.), aber in diesem Fall kam nichts …

So könnte ich noch einiges erzählen. Was aber immer wieder aufgefallen ist, war einerseits das Anspruchsdenken „Das Amt muss mir … bezahlen, da hab ich ja ein Recht drauf!“ und andererseits das völlige Fehlen von Eigeninitiative und Mithilfe „Wieso soll ich … hab ich nicht nötig, könnt ihr Deutschen ja machen, wenn ihr wollt.“

Alle auf PI veröffentlichten Gastbeiträge zur laufenden PI-Serie “So erlebe ich die Kulturbereicherer!”, küren wir mit dem neuen Buch von Udo Ulfkotte „Vorsicht Bürgerkrieg“. Wir bitten daher alle, deren Beitrag bei uns erschienen ist, uns ihre Anschrift mitzuteilen, damit wir ihnen ihr Buch zustellen können.

Bisher erschienene Beiträge zur PI-Serie:

» Eine unterschwellige Bedrohung
» Früher war alles einfacher
» “Ey, hast Du Praktikum für uns?”
» Eine wahre Bereicherung
» Als Deutscher in diesem Land nichts zu melden
» Einmal Toleranz und zurück
» Auch im Fußball kulturell bereichert
» Soldaten sind Mörder – oder Schlampen
» Kulturbereicherung von Kleinauf
» Beschimpfungen, Aggressionen und vieles mehr…
» Gefühl, im eigenen Land auf der Flucht zu sein
» Erfahrungen eines Hauptschullehrers
» “Ruhe, ihr deutschen Drecks-Schlampen”
» Kulturbereicherung im Krankenhaus
» Von bereicherten Löwen und grünen Antilopen