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JVA Tegel: Moslems fühlen sich diskriminiert

Gefängnis-InsasseWeil sie während des Ramadan abends kein warmes Extra-Essen bekommen, fühlen sich moslemische Häftlinge der JVA Tegel in Berlin (von 1.600 Knastis sind 400 Moslems!) diskriminiert und unsensibel behandelt. Laut taz kriegen sie nach Sonnenuntergang nur trockenes Brot und kaltes Essen – uns kommen die Tränen.

Aus organisatorischen Gründen könne an zwei Tagen in der Woche in Tegel das Aufwärmen von Speisen nicht ermöglicht werden. An anderen Tagen hätten die meisten Häftlinge aber die Möglichkeit, sich ihr Mittagessen abends zu erwärmen. Dass Tegeler Häftlinge nicht wie in Moabit abends statt mittags mit warmem Essen versorgt würden, liege an den „örtlichen Gegebenheiten“.

Eine Glaubensdiskriminierung kann der Sprecher darin nicht sehen: „Wenn wir auf irgendwas achten, dann auf die Freiheit der Religionsausübung. Was in der Anstalt möglich ist, das tun wir auch.“ Bei der Erstellung muslimischer Kost würden die speziellen Anforderungen berücksichtigt, selbst beim Transport des Essens würde auf die Trennung von nichtmuslimischem und anderem Essen geachtet. Die Senatsverwaltung will deshalb an der Praxis festhalten und hält die Situation für „eine Einschränkung, die vertretbar ist“.

Widerspruch erhält sie von Chalid Durmosch, der muslimische Seelsorgearbeit in der JVA Tegel betreibt: „Selbst wenn die Praxis keine bewusste Diskriminierung ist – für viele Insassen ist es eine gefühlte Diskriminierung.“ Auch Ender Cetin, Sprecher des türkisch-islamischen Dachverbands Ditib, sagt: „Wir würden uns wünschen, dass auch muslimisch Gläubige ein anerkannter Teil der Gesellschaft werden und solche Glaubensfragen sensibler behandelt werden.“

Für „sehr unsensibel“ hält der rechtspolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Dirk Behrendt, die derzeitige Praxis in Tegel. Ein Gefängnis könne zwar nicht auf alles Rücksicht nehmen, „aber diese grundlegenden Dinge sollten in der multikulturellen Gesellschaft doch eine Selbstverständlichkeit sein.“

Wie wäre es, wenn alle abends warm essen und so wenigstens zum Teil den Ramadan mitmachen. Wäre das sensibel genug?

(Spürnase: Ur-Einwohnerin, René S.)