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Mördermutti: „Er ging doch zur Moschee!“

berhan

Haben Sie heute schon geweint? Dann wird´s Zeit. BILD gibt der Mutter von einem der beiden 20-Cent-Mörder aus Hamburg (PI berichtete) ausführlich Gelegenheit, uns zu erklären, dass ihr Kleiner doch ein guter Junge ist, der sogar regelmäßig zur Moschee geht. In der Schule zwar ein Versager, aber sehr musikalisch (Foto: Mit anderen Talenten). Nur die Texte seiner Werke wollte er der Mama nicht zeigen. Sowas sagt man seiner Mutter nicht.

BILD berichtet:

Als ihr Sohn abgeholt wird, drängelt sich die 37-jährige Reyhan I. (Name geändert) an den Polizisten vorbei in das Zimmer ihres Sohnes. „Ich wecke ihn selbst“, kreischt sie. Die Beamten führen den 16-Jährigen in Handschellen ab. Seine Mutter bleibt zurück mit dem Gefühl, ihren Sohn nicht zu kennen.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft Berhan I. Totschlag vor. Vor drei Monaten soll er zusammen mit seinem Freund Onur K. (17) einen Mann am S-Bahnhof Harburg niedergeschlagen haben – wegen 20 Cent. Als Thomas M. (44) am Boden liegt, treten sie auf den Dachdecker ein.

20 Tage nach der Tat erliegt er seinen Verletzungen. Erst jetzt wurden Onur und Berhan festgenommen, Ermittler haben sie auf Videoaufnahmen von Überwachungskameras identifiziert.

Von dem Berhan, der einen Mann grausam zu Tode getreten haben soll, erfährt seine Mutter aus den Zeitungen.

Sie trifft sich mit uns, den BamS-Reportern, weil sie uns von dem anderen Berhan erzählen will. Der den Traum hat, Erzieher zu werden. Der gläubig ist, regelmäßig in der Moschee betet. Der seinen Tibetterrier Sultan liebt, jeden Tag mit ihm spazieren geht. Reyhan I. klammert sich daran, dass ihr Sohn doch unschuldig sein könnte. „Ein Junge, der jemanden umbringt, hat doch einen Pitbull und keinen Schoßhund.“

Berhan wurde in München geboren, er ist die dritte Generation der Familie, die in Deutschland lebt. „Er war ein süßes Kind.“ 2002 zieht die Familie nach Hamburg. „Berhan ist geschickt, kennt sich mit Computern aus. Seinem Bruder hat er mal einen aus gebrauchten Teilen gebastelt“, sagt Reyhan I.

In der Schule ist er wenig erfolgreich, schließt die Gesamtschule mit dem Notendurchschnitt 3,5 ab. Seit er 11 ist, macht er Musik. Darauf ist seine Mutter sehr stolz. Er rappt, aber die Texte, die er schreibt, kennt sie nicht. „Das war ihm peinlich, weil da auch obszöne Wörter benutzt werden. Er sagte: ,So etwas sagt man seiner Mutter nicht.‘“

Die Texte ihres Sohnes lassen den anderen Berhan erahnen. „Ich leb in einer Welt, die mich kaputt macht, ich nehm mir dein Geld, weil ich keine Flucht hab“, rappt er, „das ist mein Leben, es ist grausam und dreckig.“

Der Berhan, der das Leben so sieht, verbringt seine Freizeit am S-Bahnhof Harburg. Wo die Trinker schnorren, die Jugendlichen dealen. Dass sich Berhan in dieser Welt durchsetzt, erfährt seine Mutter nur selten. „Er hat sich mal mit einem anderen türkischen Jungen geprügelt“, sagt Reyhan I. Auch Mittäter Onur K. – von dem seine Mutter sagt, dass er manchmal sogar noch bei ihr im Bett geschlafen hat – ist bei der Polizei bereits aufgefallen.

„Aber Berhan bekommt 75 Euro Taschengeld im Monat. Wieso sollte er jemanden wegen 20 Cent töten?“, fragt Reyhan I.

„Drei Familien sind zerstört. Die des Opfers, Onurs Familie und meine.“ Das Gesicht von Reyhan I. wird hart: „Falls er das wirklich getan hat, soll Berhan seine Strafe kriegen. So denken wir als Familie.“

Heute kann sie ihren Sohn das erste Mal im Gefängnis besuchen. Ihn fragen, was von den Vorwürfen wahr ist. Herausfinden, ob sie ihren eigenen Sohn nicht gekannt hat.

(Spürnase: Op-Berlin)