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Die Ghetto-Lüge

Keupstraße in Köln-Mülheim„Tatsächlich ist es so, dass sogenannte Parallelgesellschaften wie zum Beispiel in Duisburg-Marxloh oder Köln-Mülheim vor allem durch die Wohnungspolitik der deutschen Behörden geschaffen wurden, die es lange Zeit für sinnvoller hielt, Türken in eigene Ghettos zu verfrachten, statt sie zusammen mit Deutschen wohnen zu lassen. Wenn es wirklich Parallelgesellschaften auf dieser Welt gibt, dann schon eher auf Mallorca.“ (Serdar Somuncu, „Der Antitürke“, S. 31-32)

„Als die Zahl der türkischen Familien im Block auf vier stieg, setzten sich die deutschen Familien haufenweise ab und zogen in andere Stadtteile. Die Unsrigen wiederum kamen in die leergewordenen Wohnungen. So waren wir endgültig von den Deutschen isoliert. Wir waren ständig zum Türkischsprechen verdammt.“ (Dursun Akcam, „Deutsches Heim – Glück allein“, S. 38)

So oder ähnlich lauten sie, die Vorwürfe der Türken an die Deutschen. Wir Deutschen sind daran schuld, dass die Türken hierzulande in Ghettos leben! Wir Deutsche haben sie ausgegrenzt, damit wir nicht von ihnen belästigt werden!

Ist das wirklich so? Die Autorin Hanne Straube hat Turkologie studiert, war längere Zeit in der Türkei, arbeitete auch als Sozialarbeiterin für türkische Familien in Deutschland. Viele ihrer Bücher sind der „Türkei-Versteher-Literatur“ zuzuordnen. Sie versuchen, Verständnis für die Türken und ihre Gewohnheiten zu erwecken. Und wer aufmerksam liest, kann die Geschichte von den Türken, die zusammengepfercht wurden, als Lüge entlarven. Sich in regelrechten Ghettos zusammenzufinden, war die volle Absicht der türkischen Zuwanderer, unter anderem deshalb, um wie im anatolischen Heimatdorf effektiv soziale Kontrolle auszuüben!

„Man versucht, die eigenen Verwandten nachzuziehen, möglichst gemeinsam in den gleichen Städten und Stadtvierteln zu siedeln und an denselben Arbeitsplätzen zu arbeiten. (…) Häufig und eng zusammenzusein ist die Devise.“ (Hanne Straube, „Türkisches Leben in der Bundesrepublik“, S. 189)

„In einer fremdethnischen Umwelt ist man noch stärker auf die traditionelle Nachbarschaftsgruppe angewiesen und ist bemüht, sie in voller Funktionsfähigkeit hier zu installieren. Dazu gehört, daß möglichst ähnliche Zustände wie im Dorf oder der mahalle aufgebaut werden. Zunächst versucht man eine räumliche Sicherung durch Besiedeln der Nachbarschaft mit Personen aus der Verwandtschaft, aus demselben Dorf oder aus derselben Region zu erreichen. Durch die Errichtung einer türkischen Binnenstruktur mit Läden, Vereinen, Cafés, Gebetsräumen oder gar einer Moschee ermöglicht sich beinahe ein traditionelles soziales und kulturelles Leben.“ (Hanne Straube, „Türkisches Leben in der Bundesrepublik“, S. 82)

„Je dichter die räumliche Nähe, um so geschlossener ist die Gruppe, aber auch die Kontrolle über die Einhaltung der Normen. In Häusern, in denen mehrere türkische Familien wohnen, geschieht nichts unbeobachtet. Man spricht über die Länge des neuen Rocks, die erhaltenen Briefe oder den Besuch, den man empfängt. (…) Vergleichbar streng verläuft die Kontrolle in der größeren Einheit des gemeinsamen Wohnviertels. Man kennt sich untereinander, wenn auch nur vom Hörensagen. (…) Jedes Fehlverhalten wird registriert und unweigerlich an eigene Verwandte, auch in der Türkei, weitergeleitet. Junge Frauen haben Angst, alleine durch ihr Wohnviertel zu laufen, da sie damit einen Vorwand für Klatsch bieten. Die Dörfler im Viertel würden diese Nachricht ins Heimatdorf vermitteln.“ (Hanne Straube, „Türkisches Leben in der Bundesrepublik“, S. 83)

(Foto: Keupstraße in Köln-Mülheim)