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ZEIT um das Image des Islam besorgt

Tief besorgt angesichts des Volksentscheides in der Schweiz zeigt sich die ZEIT und hat daher den ägyptischen Schriftsteller Alaa Al-Aswani zum Gespräch gebeten. Der erklärt uns sodann, dass der Islam nichts mit dem Islam zu tun hat und in Wirklichkeit tolerant und moderat sei. Auch habe die Verschleierung von Frauen nichts mit dem wirklichen Islam zu tun.

Die um den Ruf des Islam besorgten Europäern weist Al-Aswani mit den Worten „wir können nicht erwarten, dass irgendwelche wohlmeinenden Europäer sich um das Image des Islams kümmern,“ in ihre Schranken.

Es ist falsch, zu denken, die Hälfte der dortigen Bürger seien Rassisten. Sie haben vielmehr Angst vor einer Religion, von der sie praktisch nichts wissen, und die in den Medien nur noch in Verbindung gebracht wird mit Terrorismus und Bomben. Zudem wird das Bild des Islams in Europa sehr geprägt von der wahhabitischen Strömung aus Saudi-Arabien, die extrem engstirnig und aggressiv ist. Wir übrigen Muslime haben bei der Aufgabe versagt, das wirkliche Gesicht des Islams zu vermitteln, seine Toleranz und seine Offenheit.

Nun ist es leider nicht so, dass Aufklärung über den Islam dazu beiträgt, diesen eher zu akzeptieren. Im Gegenteil: Je mehr man über den Islam weiß, desto mehr fürchtet man ihn, wobei es auch dort natürlich moderate Strömungen gibt. Aber wo gibt es ein moderates islamisches Land, wo es Demokratie und Gleichberechtigung gibt und die Menschenrechte gelten? Uns fällt keins ein.

Wir müssen diese Abstimmung sehr ernst nehmen. Die Schweiz ist ein multikulturelles Land im Herzen von Europa. Hier leben Menschen in vier Sprachen zusammen. Die Schweiz ist eine vorbildliche Demokratie. Insofern zeigt das Votum klar, wie die Menschen in Europa inzwischen denken. Was in der Schweiz geschehen ist, kann in jedem anderen Land passieren. Ich habe keinen Zweifel, in Deutschland hätten noch mehr Leute gegen Minarette gestimmt.

Deshalb entscheiden in Deutschland auch kluge politische Eliten, sogenannte Volksvertreter, und nicht der Stammtisch über unsere Zukunft und auch in der übrigen EU hat man Volksentscheide möglichst unterbunden, ignoriert sie oder wiederholt sie, bis das Ergebnis passt.

Man kann von niemandem in Europa erwarten, dass er sich in seinem Leben genaue Kenntnisse über den Islam aneignet. Wie der Islam in der Welt wahrgenommen wird, das ist primär unsere Verantwortung. (…) Der moderate Islam aber ist der wirkliche Islam. Wir haben viel Arbeit vor uns. Wir können nicht erwarten, dass irgendwelche wohlmeinenden Europäer sich um das Image des Islams kümmern. Das müssen wir selbst tun, die Intellektuellen, die Nichtregierungsorganisationen und Einrichtungen wie die Al-Azhar-Universität in Kairo.

Richtig. Wie der Islam wahrgenommen wird, liegt nicht am Betrachter oder am Boten, sondern einzig am Handeln der Moslems selbst. Wäre schön, wenn man die Botschaft des ägyptischen Schriftstellers auch in den Redaktions- und Politikstuben verstanden hätte. Aber darauf zu hoffen, wäre wohl vergebliche Müh.