‚Kein Mangel an überangepassten Opportunisten‘

Thilo SarrazinDer frühere Finanzsenator von Berlin und heutige Bundesbankvorstand Dr. Thilo Sarrazin hat sich in einem Artikel für das BILD-Jahrbuch 2009 zum Thema Meinungsfreiheit geäußert, mit der es hierzulande nicht gut aussieht (siehe auch „Pressefreiheit: Deutschland nur auf Rang 18“). Sarrazin bemängelt: „Hätten wir je wieder eine Diktatur in Deutschland – an überangepassten Opportunisten würde es sicherlich nicht mangeln.“

Hier ein Auszug seines Textes:

„Dass es Tabus gibt, ist in Ordnung: Man entblößt sich nicht in der Öffentlichkeit, man spottet nicht über Behinderte, man treibt keine Scherze mit dem Holocaust. Ohne Tabus – und dazu gehört auch, was man sagt und was nicht – kann eine menschliche Gesellschaft nicht leben. (…)

Aber in anderen Dingen hat sich der Comment verengt. Wer dem nicht folgt, wird leicht dämonisiert, verspottet oder in die Ecke des Ewiggestrigen gestellt.

Es traut sich ja kaum noch jemand zu sagen, dass es bei aller Liberalität vorzugswürdig ist, wenn Kinder in einer stabilen Partnerschaft aufwachsen, das hat den Muff der Fünfzigerjahre und einen Hauch von Spießertum.

Es traut sich kaum noch jemand zu sagen, dass die Ungleichheit der Menschen eine natürliche Grenze ihrer Bildungsfähigkeit ist.

Viele Menschen haben den Wunsch, als Deutsche unter Deutschen zu leben, und fühlen sich bedrängt vom Wandel unserer Städte und den Zuständen an vielen Schulen. Wer holt sie bei diesen Bedrängnissen ab?

Die meisten Politiker passen sich dem an und trauen sich gar nicht mehr, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. (…)

Ich habe den Eindruck, dass die Zivilcourage des nicht angepassten Urteils in Deutschland ein immer knapperes Gut wird. Hätten wir je wieder eine Diktatur in Deutschland – an überangepassten Opportunisten würde es sicherlich nicht mangeln.“

Sollte einer unserer Leser den kompletten Text vorliegen haben, bitte an uns schicken: pi-team@blue-wonder.org

(Spürnase: MilitesChristi)