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Hannover: „O Gott, eine Moschee!“

Mit der Ankündigung „Hier entsteht eine Moschee“ auf einem Baustellen-Plakat mitten im Zentrum der niedersächsichen Hauptstadt hat das Schauspiel Hannover für ein Bühnenstück über den Moscheestreit in etlichen deutschen Städten werben. Passanten wurden am Donnerstag Zettel mit einem Foto der angeblich geplanten Moschee und Argumenten für und gegen das Projekt in die Hand gedrückt. „Wir wollen gucken, wie die Bürger dazu stehen und ob ein Diskussionsbedarf besteht“, sagte Schauspiel-Sprecherin Claudia Pahl.

Die Hannoversche Allgemeine berichtet:

Es ist noch früh am Morgen, und doch gibt sich die Welt an diesem Donnerstag für einige Passanten in der Innenstadt befremdlich: An dem hohen Bauzaun, der das klaffende Loch der Kröpcke-Baustelle umschließt, hängt plötzlich ein großes Schild mit der Aufschrift „Hier entsteht eine Moschee“, und auch zwei Bürgerinitiativen sind bereits zur Stelle. Sie verteilen Flugblätter und füttern die Passanten mit Argumenten. Ein Mann mit Hut aber möchte gar nicht reden. Er ruft nur: „O Gott, eine Moschee“, und schon ist er wieder weg.

Ähnlich geht es vielen, die im Vorbeigehen einen Blick auf die Bautafel werfen und stutzen, andere lachen und glauben an einen Witz. Und wer den Buchstabensalat auf der Hinweistafel sortiert, kann entdecken, dass hinter der „Leipsuasch Moschee“ nicht etwa eine islamische Bewegung, sondern das Schauspiel Hannover steckt. Schließlich hat der Bauherr als Adresse die Neznirpstraße angegeben – rückwärts gelesen ist das die Prinzenstraße. Mit der ungewöhnlichen Aktion will das Ensemble auf die Premiere der Inszenierung „Moschee DE“ am 27. Februar in der Cumberlandschen Galerie aufmerksam machen, die Hannoveraner aber auch zum Nachdenken anregen, wie Dramaturg Aljoscha Begrich sagt. Szenen des jüngsten Moscheenstreits in Berlin-Heinersdorf sind der Ausgangspunkt für das Stück aus der Feder von Robert Thalheim und Kolja Mensing. Es soll aber auch um die Frage gehen, welche Biografie zu welcher Meinungsbildung führt. „So ein Moscheenstreit kann jederzeit in jeder Stadt entstehen“, sagt Begrich und verweist auf ähnliche Diskussionen in Stöcken.

Sehr vielsagend sind übrigens auch die Leserkommentare unter dem Artikel!

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