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Ablenkungsmanöver

Manche Muslime sind dermaßen gut geschult für ideologische Debatten, dass man versucht ist, sich zu fragen, wo sie ihre Tricks und Kniffe gelernt haben. In der Moschee vielleicht? Das setzte voraus, dass der aus der Türkei (als Staatsbeamter!) geschickte Imam ebenfalls hervorragend für diese Belange ausgebildet wurde, was durchaus nicht ausgeschlossen werden kann.

(Davide S. zur PI-Serie “Mit Muslimen diskutieren – aber wie?”)

Da aber auch Gutmenschen wie Sozialdemokraten und andere Linke die gleichen Tricks anwenden, liegt die Annahme einer Verbindung zwischen beiden nahe. Geht also der hoffnungsvolle Muslim nebenbei auf die Sozen-Kaderschmiede? Das kann nicht ausgeschlossen werden.

Einer der beliebten Tricks ist das Ablenkungsmanöver. Das funktioniert so: Der Muslim oder Gutmensch serviert eine überraschende Einlage, deren Wahrheitsgehalt nicht ohne weiteres überprüft werden kann. Das bringt uns zum Staunen, Zögern, weil wir nachdenken. Und der Einwender hat den Vorteil. Ein Beispiel (aus dem Start-Eintrag dieser Aktion). Es ging um die Todesstrafe für Islam-Verlasser.

Leser „Sevenday“ behauptet:

„Was ist mit dem Schwiegersohn des Propheten passiert als er aus dem Islam ausgetreten ist und wieder zum Christ wurde? Richtig, GAR NICHTS! Die Tochter hat sich von ihm geschieden. Er wurde weder gehängt noch blutrünstig getötet.“

Das ist offenkundiger Unsinn (dazu gleich mehr), obwohl es zunächst nicht überprüft werden kann (es sei, man hat Islamkunde studiert). Man verstummt, und der Gegner kann weiterreden. Ganz falsch. Die einzig korrekte Reaktion in diesem Fall wäre gewesen: „Mag sein. Ist aber irrelevant. Denn das war, falls es überhaupt stimmt, vor ca. 1.400 Jahren. Und was damals war, interessiert uns heute nicht. Hier zählen Fakten. Und nach denen sind in etlichen islamischen Ländern aktuell Abtrünnige von der Todesstrafe bedroht.“

Falls es überhaupt stimmt. Was nicht der Fall ist. „Sevenday“ hat das vermutlich gerade erfunden. Der „Prophet des Islam“ hatte nur einen Schwiegersohn, den Ali, Gatte seiner Tochter Fatima (Muhammads einziges Kind, das überhaupt das Erwachsenenalter erreichte), gleichzeitig Cousin des Propheten. Der trat im Alter von zehn Jahren zum Islam über (zuvor war er keineswegs Christ, sondern Anhänger der arabischen Vielgötter-Religion wie die ganze Familie) und gilt daher als einer der ersten Muslime überhaupt. Später wurde er Kalif (656-661) – zu dieser Zeit war Fatima (606-632) schon lange tot; also hätten die frühen Muslime einen Abtrünnigen zum Kalifen gemacht – Unfug! Nach seinem Tod entzweiten sich der sunnitische und schiitische Islam. Den Schiiten und Aleviten gilt er als erster Imam und als großes Vorbild.

Wäre Ali tatsächlich als Christ gestorben, dann würden Schiiten und Aleviten einen Christen verehren!

Bisher erschienen folgende Beiträge zur PI-Serie:

» Nicht stur und dogmatisch sein wie die Gegenseite
» “Ich argumentiere immer mit dem Grundgesetz”
» Vergleiche mit Juden entbehren jeder Grundlage