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Es geht darum zu wissen, wie Muslime ticken

In die Debatte, ob man diskutieren oder nicht diskutieren soll, möchte ich mich nicht mischen. Mir geht es um etwas anderes. Wer diskutieren möchte, der sollte vorbereitet sein. Das bedeutet nicht, eine Menge von Koranzitaten zu kennen. Es geht vielmehr darum zu wissen, wie die Muslime ticken. Wie ihr Verstand arbeitet, wie sie denken und ihre Argumentationsketten konstruieren. Darum geht es.

(Gerd zur PI-Serie “Mit Muslimen diskutieren – aber wie?”)

Das wird dargestellt mit Hilfe von Fatawas, weil diese das islamische Denken und Argumentieren besonders gut wiedergeben. „Frauen sind wie Tiere“ – das jedenfalls versichert uns der Freund und Glaubensbruder Muhammad al-Arifi*, ein „prominenter muslimischer Gelehrter, Rechtsgutachter und Verkünder des Islam“. In einer Fatwa äußert er sich zu der Art und Weise, wie eine Frau geschlagen werden darf.

Frage: „In welcher Art und Weise darf oder muss eine Frau nach dem islamischen Gesetz gezüchtigt werden?“ Diese Frage bezieht sich auf die sattsam gekannten „Prügelverse“ Sure 4,34: ‚Und jene [die Ehefrauen], von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, ermahnt sie, meidet sie ihm Ehebett und schlagt sie.’

Muhammad al-Arifi antwortet:

„Ein Ehemann kann bisweilen seine Ehefrau mit Schlägen züchtigen, während sie ihn mit ihrem Weinen züchtigt. Und während er durch Anschreien das bekommt, wonach er verlangt, bekommt sie, was sie möchte, durch Weinen und Gefühle. Manchmal empfinden die Männer vielleicht das Weinen einer Frau härter als das Schlagen mit Schwertern.“

Das ist, allen Ernstes, die islamische Gleichberechtigung. „Sie“ hat Waffen, „er“ hat Waffen. Und ihre können sogar stärker sein. Wir sind beeindruckt. Kugeltränen gleich Schwertern. Beide können töten. Oder?

Muhammad al-Arifi weiter:

„Die erste Stufe ist: ermahnt sie einmal, zweimal, dreimal usw. Falls das nichts bringt, meidet sie im Ehebett, d. h., dass der Ehemann nicht mehr mit seiner Ehefrau verkehren soll. Er ignoriert sie. Er achtet nicht auf ihre Worte, z. B., wenn er nach Hause kommt und isst. Wenn sie ihn fragt: ‚Wie geht’s dir?‘, antwortet er nicht. Wenn sie ihn fragt: ‚Möchtest du einen Tee?‘, antwortet er ihr nicht. Er meidet sie im Ehebett, bei Gesprächen, er verkehrt nicht mit ihr, er schläft in einem anderen Zimmer. Damit zeigt er ihr: ‚Ich bin sauer auf dich.'“

Der Koran, hier Sure 4, 34, kann also wortwörtlich genommen werden. Aber die Argumentationskette wird weitergeführt, wenn auch nur auf der männlichen Seite. (Der Gegner merkt’s ja nicht.) Wir erfahren: Nach der Gleichstellung der Beiden hat „er“ noch einige Stufen, die er zünden kann. Wenn das Anschreien nix hilft, dann darf er ermahnen, meiden, hauen. Was darf sie, wenn ihr Weinen nix hilft. Sich ermahnen lassen, gemieden werden, sich schlagen lassen. Ist ja auch recht nett.

Muhammad al-Arifi weiter:

„Vielleicht sagt sie sich: ‚Allah sei Dank. Jetzt habe ich das ganze Bett für mich allein. Nun kann ich mich im Bett hin- und herdrehen, wie ich möchte‘. Also, falls diese zwei Schritte mit ihr nicht helfen, was muss er [gemäß Sure 4,34] tun? Jetzt kommt der letzte Schritt: ‚und schlagt sie.'“

Er beginnt mit dem Koran, legt die Verse zu seinem Vorteil aus (was hier nicht schwer ist), erläutert das bildlich mit Szenen aus dem Ehealltag und kehrt wieder zum Koran zurück. Die Frau ist vergessen, Thema erledigt, denn er hat am Anfang klar gemacht, dass sie schließlich auch Waffen hat.

Muhammad al-Arifi weiter:

„… Schläge ins Gesicht sind verboten, selbst wenn es um ein Tier geht. Wenn z.B. ein Kamel oder ein Esel das Laufen verweigert, darfst du ihn nicht ins Gesicht schlagen. Wenn man ein Tier nicht ins Gesicht schlagen darf, wie verhält es sich dann mit einem Menschen?“

Die berühmten islamischen Analogieziehungen. „Schläge in das Gesicht sind verboten.“ Wir erfahren nicht, wer das wo so festgelegt hat. Aber es klingt sehr islamisch, wegen „verboten“; es ist eine Regel, und Regeln muss man befolgen. Der Zuhörer ist beeindruckt.

Muhammad al-Arifi führt aus:

„Leichtes Schlagen bedeutet, dass man nicht ins Gesicht schlagen darf. Einige muslimische Gelehrten raten, dass er [der Ehemann] sie [die Ehefrau] mit einem dünnen Zweig schlagen soll [arab. miswak: Teile dieses Zweiges werden auf der Arabischen Halbinsel noch heute zum Zähneputzen benutzt. Oft hat dieser Zweig einen Durchmesser zwischen 5 mm und 2 cm]. Ein Mann könnte z. B. zu seiner Frau sagen: ‚Das Kind ist neben den Ofen gefallen. Hol es weg davon‘, oder ‚Das Kind spielt mit dem Strom [der Steckdose], hol es weg davon!‘ Die Frau würde antworten: ‚Ich habe jetzt keine Zeit. ‚ Er entgegnet ihr: ‚Ich sage dir, hol es dort weg!‘ Dann schlägt er sie mit einem dünnen Zweig [arab. miswak], nicht mit einer Wasserflasche, einem Teller oder einem Messer. Nein, das darf er nicht tun. Die muslimischen Gelehrten sagen, dass er sie mit einem dünnen Zweig schlagen soll. … Das zeigt, dass das Ziel nicht ist, ihr weh zu tun.“

Das sind detaillierte, sehr ausführliche, sehr konkrete Anweisungen, mit vielen Beispielen. Muslime lieben solche umständlich-ausführlichen Ergüsse, denn sie ermüden den Gegner, lullen den Geist ein.

Muhammad al-Arifi weiter:

„Wenn du ein Tier schlägt, tust du das, damit es ihm weh tut, so dass es dir gehorcht. Du kannst ein Tier nicht ansprechen: ‚Oh, bitte Kamel, bitte Esel, bitte Schaf, ich möchte diesen Gefallen von Dir. ‚ Das Tier versteht das nicht. Es versteht nur durch Schläge. Ein Esel versteht nur durch Schläge. Aber die Frau, der Mann oder das Kind verstehen durch Gefühle. Du schlägst sie [deine Ehefrau] daher mit einem dünnen Zweig, leicht mit deiner Hand usw. Damit sagst du ihr: ‚Frau, ich kann es nicht mehr ertragen. Es reicht mir. Es ist genug!‘ Also, so ist das Schlagen [der Ehefrauen] gemeint. Er schlägt sie leicht. Das leichte Schlagen bedeutet, dass er ihr Gesicht nicht verletzen darf. Er schlägt sie an Körperstellen, wo keine Spuren zurückbleiben, er schlägt sie nicht auf die Hand, sondern an Körperstellen, an denen kein Schaden entstehen kann, so dass sein Handeln nicht als Angriff auf sie betrachtet werden kann. Er [der Ehemann] darf sie [die Ehefrau] nicht wie ein Tier oder ein Kind schlagen, bei denen man überall hinschlägt. Leider schlagen viele Ehemänner ihre Frauen, wenn sie verärgert sind. Wenn er mit dem Schlagen anfängt, schlägt er so, als ob er eine Wand schlagen würde. Er schlägt vielleicht mit der linken und rechten Hand oder wird sie vielleicht sogar mit dem Fuß treten. Oh, mein Bruder, du prügelst dabei einen Menschen. Es ist Dir verboten [die Frau auf diese Weise zu schlagen].“

Hier ein Beispiel des beliebten islamischen Analogieziehens. Tiere schlägt man, weil wir sie durch Worte nicht erreichen. Seine Frau schlägt der Mann ebenfalls erst dann, wenn er sie durch Worte nicht mehr erreicht (seinen Willen nicht mehr mit Worten durchsetzen kann). Doch bei diesem Analogieschluss hat sich Muhammad al-Arifi selbst eine Nase gedreht. Denn ihm zufolge sind Frauen wie Tiere, jedenfalls manchmal.

*Biografische Notiz: Muhammad Al-Arifi lebt in Saudi-Arabien. Er war oder ist Vorbeter (Imam) der Moschee der Akademie „König Fahd“. Hier bei seinem Besuch in Berlin.

(Quelle: Institut für Islamfragen)

Bisher erschienen folgende Beiträge zur PI-Serie:

» Jede Diskussion allein eine Frage von Autorität
» Argumentation mit Logik und Rationalität
» Mit Muslimen diskutieren? Aber selbstverständlich!
» Hat keinen Sinn
» Ablenkungsmanöver
» Nicht stur und dogmatisch sein wie die Gegenseite
» “Ich argumentiere immer mit dem Grundgesetz”
» Vergleiche mit Juden entbehren jeder Grundlage