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Wer auf einen König schießt, muss ihn vernichten

Nuklear-AhmadiLetzte Woche sprach ich mit Reza Kahlili, ein Mann, der während der Achziger- und Neunzigerjahre unter dem Codenamen „Wally“ innerhalb des Korps der iranischen Revolutionsgarden für die CIA tätig war. Er schrieb ein großartiges Buch mit dem Titel „A Time to Betray“ über seine Erfahrungen als amerikanischer Agent und heute veröffentlicht er eine ernste Warnung über seinen ehemaligen iranischen Meister: Sie meinen was sie sagen und der Westen sollte endlich anfangen, sie ernst zu nehmen.

Er denkt, dass Präsident Mahmud Ahmadinedschad und der oberste Führer des Wächterrates Ali Khamenei voll und ganz beabsichtigen, Kernwaffen zu benutzen, sobald sie sie diese erworben haben, entweder durch das explodieren lassen in feindlichen Städten im Nahen Osten oder aber dadurch, die Energiequellen der Welt in Geiselhaft zu nehmen. Es ist selbst für einen gut platzierten Experten schwer, sich dessen sicher zu sein. Möglicherweise weiß selbst die Führung nicht genau, was sie mit der Bombe macht, sobald sie die Möglichkeit erhält (wie auch immer, ein nunklear bewaffneter Iran wird nicht plötzlich mit den anderen ein gutes Spiel spielen). Was in den nächsten Jahren in der Region geschieht, könnte in großen Teilen davon abhängen, ob Israel bereit ist, es überhaupt darauf ankommen zu lassen.

Wir sollten, so Kahlili, nicht erwarten, dass die Menschen Irans einen Angriff Israels auf die Waffenanlagen beklatschen werden. „Die Leute im Iran sympathisieren mit Israel nicht so, wie sie mit den USA sympathisieren“, erklärt er mir. „Sie suchen nach Hilfe, richtig? Aber sie suchen bei Israel nicht nach der gleichen Art Hilfe. Wenn also Israel die Anlagen bombardiert, sollte man nicht erwarten, dass die Leute auf die Straße gehen, um die Regierungskräfte zu feiern oder aber zu konfrontieren. Das wird nicht geschehen. Sie werden viel eher zu Hause sitzen und beten, dass diese Sache nicht aus dem Ruder läuft.“

Ein militärischer Angriff gegen den Iran sollte nur angerollt werden, wenn jede denkbare friedliche Lösung vorher fehlschlägt. Den Iran anzugreifen, würde aller Wahrscheinlichkeit nach im Nahen Osten mehrere Kriege auf einmal entfachen. Die Hamas und die Hisbollah würden Israel mit Raketenangriffen bombardieren. Der Libanon und Gaza würden beide unter massives Gegenangriff-Feuer kommen. Der Krieg könnte leicht in den Irak überspringen und die dortigen amerikanischen Soldaten einem Risiko aussetzen.

Das obere Szenario klingt wie das schlimmste, kurz vor einem Atomkrieg, ist es aber nicht. Der schlechtestmögliche Entwicklungsverlauf wäre ein regionaler Krieg welcher das iranische Atomprogramm nicht aufhält, während das Regime an der Macht bleibt. Wenn sich die Israelis dazu entscheiden, Gewalt anzuwenden, sollten die Atomkraftwerke nicht das Ziel sein. Die Regierung sollte das Ziel sein. Und die USA sollten Israels Engagement unterstützen und sogar assistieren, egal wie erzürnt amerikanische Beamte sein werden. Das Letzte was irgendjemand von uns braucht, ist eine blutbefleckte iranische Regierung mit Wahnvorstellungen der Unbesiegbarkeit, die später die Waffen des Genozids erwirbt und dann auf Rache aus ist. Wie Ralph Waldo Emerson berühmte Aussage besagt: „Wer auf einen König schießt, muss ihn vernichten.“

„Welche Macht auch immer sich mit den Revolutionsgarden anlegt“, sagt Kahlili, „wird Sympathien im iranischen Volk vorfinden. Sogar Israel. Iranische Menschen hassen Israel nicht so, wie man es in arabischen Ländern tut. Wir sind keine Araber. Perser sind sehr verschieden von den Arabern.“

Einige mögen es hart finden zu glauben, dass Iraner den Israelis danken könnten, wenn diese sie von ihrer Regierung befreien, ich aber nicht. Nicht wenn zivile Opfer niedrig sein werden und es keine Besetzung geben wird.

Dafür gibt es Präzedenzfälle.

1982 hießen die Schiiten im Südlibanon die Israel Defense Forces als Befreier willkommen, als diese die Grenze überschritten, um palästinensische Milizen aus der Gegend zu hinauszutreiben. Die schiitische Gemeinschaft des Libanons lehnte sich nicht gegen Israel auf, bis eine lange Besetzung einsetzte. Genauso begrüßten die irakischen Schiiten im Jahre 2003 die Amerikaner als Retter. Etwa die Hälfte wandte sich später gegen die Vereinigten Staaten, jedoch nicht bevor die Amerikaner als Besatzer blieben.

Einige mögen verlockt sein, Kahlili als iranische Version von Ahmed Chalabi, dem Vorsitzenden des irakischen Nationalkongresses, abzutun, der US-Geheimdienstagenten vor dem Irakkrieg selbstdienliche Geschichten erzählte. Doch das, glaube ich, wäre ein Fehler. Kahlili will sich nicht wie Chalabi zu einer Position nach einem möglichen Regimewechsel hangeln. Und er schreibt und sagt kaum etwas, was nicht auch schon von anderen Iranern gesagt oder geschrieben wurde. Wenn er falsch liegt, ist er damit nicht allein. Und er lügt ja nicht. Er spekuliert. Seine Spekulationen sind hörenswert, weil er das Regime und seine Landsmänner aus Erfahrung von innen her kennt.

Ich kenne Chalabi ein bisschen, da ich letztes Jahr in seinem Haus zu Abend aß. Er ist ein bezaubernder Wirt, der das beste irakische Essen serviert, welches ich überhaupt je gehabt habe, und er erzählte unterschiedlichste faszinierende Dinge, die nur ein Insider wissen kann, und trotzdem kommt er als manipulativer Lügennetz-Spinner rüber. Ich bezweifle, dass ich ihm hätte glauben können, selbst wenn seine Akte tadellos sauber gewesen wäre, deshalb habe ich mich entschieden, dieses Interview nicht zu publizieren.

Ich habe nicht das Gefühl – überhaupt nicht – das Kahili und Chalabi in irgendeiner Art und Weise einander ähneln, nachdem ich mit beiden gesprochen habe. Ich weiß nicht, ob Kahlili richtig liegt, doch er hat mehr Erfahrung mit Teherans Autoritäten als die Meisten übrigen von uns, welche sich momentan mit dieser Sache beschäftigen.

Übersetzung aus dem Englischen von „die Realität“. Der Originalartikel „If you shoot at a king you must kill him“ von Michael J. Totten wurde exklusiv auf commentarymagazine.com – auch die Bibel der Neokonservativen genannt – publiziert und ist hier zu finden. Michael J. Totten ist freischaffender Autor und Blogger der aus dem Irak, dem Libanon, Ägypten, Libyen, Zypern, der Türkei und Israel berichtet. Seine Arbeiten erschienen bisher im Wall Street Journal, der New York Times, Reason und mehreren weiteren Publikationen.