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Gefängnis-Horror wegen Beleidigung Allahs

Der 38-jährige Schweizer Dieter Glauser (Foto) war auf Strandurlaub in Ägypten. Aus Neugier und Langeweile wollte er auf einen Abstecher ins berühmte Jordanische Petra. Doch statt in der verlassenen Felsenstadt landete Glauser in einem jordanischen Horrorgefängnis mit Blutspuren an den Wänden und 37 Gefangenen pro Zelle. Der Grund: Der Schweizer hat Allah und den König Abdullah „beleidigt“.

Während er bei der jordanischen Grenze stundenlang auf sein Visum wartete und von den Zöllnern schikaniert wurde, hat er „Scheiß-Islam“ vor sich hingemurmelt – damit war es um ihn geschehen.

Der Blick berichtet:

Sofort verhaften die drei Grenzer den Schweizer. „Auf dem Posten haben mich Polizisten vor ein Bild von König Abdullah II. von Jordanien gestellt“, so Glauser. „‚Dann sagten sie: Das darfst du nicht anschauen! Du hast Seine Majestät beleidigt!'“

Glauser wird in das Qafqafa-Gefängnis nahe Amman gebracht. Andere Häftlinge quälen ihn. „Einmal hat mir einer auf einem Transport immer wieder seine Handschellen auf den Kopf geschlagen. Als ich mich beschweren wollte, schlug mir ein Aufseher den Gewehrkolben ins Gesicht. Ich verlor einen Zahn.“ …

„Als zum ersten Mal die Zellentür hinter mir ins Schloss fiel, dachte ich noch: Wenigstens haben sie mich am Leben gelassen“, erzählt Glauser. Die nächsten 31 Tage durchstand er Qualen. „In der Zelle klebte Blut an Wänden und Türen“, schildert der Thuner, „37 Häftlinge zusammengepfercht auf kleinstem Raum. Ich litt ständig Hunger und Durst. Ich hatte Angst, dass ich hier nie mehr lebend rauskomme.“ …

Erstmals lässt man am 11. April eine Vertreterin der Schweizer Botschaft zu Glauser. „Was ich erfuhr, war schrecklich. Sie sagte, es ist ernst: Ich habe König Abdullah und den Islam beleidigt. Das könne bis zu zwei Jahren Gefängnis geben!“

Bis zur Gerichtsverhandlung erlebt Glauser Grauenvolles. „Ich sah, wie Menschen gefoltert wurden. Man hörte Schreie. Einer kam völlig blutig in die Zelle zurück. Ich fühlte mich so wahnsinnig allein und hilflos. Wie eine Maus im Katzenkäfig. Ich hatte furchtbare Angst.“

Am 7. Mai, einen Monat nach seiner Verhaftung, kommt Glauser auf Kaution frei. Noch am selben Tag organisiert die Botschaft seine Rückreise in die Schweiz. „Mein Leben ist nicht mehr wie vorher. Die Horror-Bilder aus dem Gefängnis gehen mir nicht mehr aus dem Kopf“, sagt der Thuner. „Ich werde vorläufig nicht mehr ins Ausland reisen.“

Jordanien wird im Westen oft als fortschrittlich und „moderat“ wahrgenommen, nicht zuletzt weil die Königin – eine Palästinenserin – sich (als eine der einzigen Frauen im Land) gerne unverschleiert zeigt.

Auf einer Webseite, die für Urlaub in Jordanien wirbt, ist zu lesen:

Jordanien ist ein Land voller Kontraste und Vielfalt. Hier entwickelten sich schon vor Jahrtausenden verschiedene Hochkulturen, die teilweise auch einen kulturgeschichtlichen Einfluss auf unsere eigene Zivilisation hatten. Jordanien bietet auch heute noch viele verschiedene Einblicke in diese Zeit und man kann stumme Zeugen dieser großen Epoche bewundern.

Wer sich mehr für die Moderne interessiert, wird in Jordanien sicher nicht enttäuscht werden. Man kann hier den jordanischen Charakter und die arabische Lebensart kennenlernen sowie einen Einblick in eine andere Gesellschaft bekommen.

Die Kontraste zischen den Vorzeige-Luxushotels und den Gefängnissen sind in der Tat sehr groß. Die Hochkulturen, die sich in dem Land entwickelt haben, waren nabatäisch, nicht „palästinensisch“. Auf den Einblick in die „arabische Lebensart und Gesellschaft“ hätte Glauser mit Sicherheit gerne verzichtet.

» PI-Reiseführer Jordanien