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Grundkurs Qualitätsjournalismus

[1]Was unterscheidet einen Qualitätsjournalisten von einem einfachen Bürger oder einem Polizeibeamten? Er kann unterscheiden, welche Informationen wichtig sind, und welche in einem Bericht nichts zu suchen haben, weil die Leser möglicherweise falsche Schlüsse daraus ziehen.

In unserem Grundkurs Qualitätsjournalismus erklären wir das Prinzip an einem praktischen Beispiel aus dem richtigen Leben. Hier zunächst ein Polizeibericht [2] über ein Vorkommnis aus Ostwestfalen:

Bereits im Zug von Paderborn nach Bielefeld kam es am 6.8. innerhalb einer vierköpfigen Gruppe zu verbalen und bedrohlichen Handlungen. Eine der Personen sollte dabei schon mit einer Machete „herumgefuchtelt“ haben. Außerdem wurde im Zug auch von einer Pistole gesprochen. Diese Bemerkungen wurden bereits von Fahrgästen der Bahn an die Bundespolizei weitergegeben, die die Gruppe in Bielefeld in Empfang nehmen wollten. Die Gruppe stieg allerdings schon am Bahnhof in Brackwede aus. Dort kam es sofort innerhalb der alkoholisierten Gruppe gegen 23.14 Uhr zu einer gefährlichen Körperverletzung. Dabei wurde ein 34jähriger Mann aus Schloß-Holte von einem 19jährigen Albaner aus Brackwede zu Boden geschlagen und noch mehrfach gegen den Kopf und in das Gesicht getreten. Einen anderen (20jähriger) aus der Gruppe forderte der Serbe dann auf, den 34jährigen mit der Machete „abzustechen“. Glücklicherweise kam es dazu nicht, weil ein Dritter aus der Gruppe (20 Jahre) ihm die Machete wegnahm. Der 34jährige Mann musste in ein Krankenhaus gebracht werden und verblieb dort stationär. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, schwere Gesichtverletzungen und Prellungen. Die Machete konnte von der Polizei im Bereich eines dortigen Fahrradständers entdeckt und sichergestellt werden. Der 19jährige Albaner ist schon mehrfach kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten und steht noch unter Bewährung. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Das Amtsgericht Bielefeld erließ gegen ihn U-Haftbefehl.

Haben Sie es bemerkt? Der laienhafte Bericht des Polizeibeamten ist vollkommen überladen mit uninteressanten Informationen, die den Bürger nur verwirren und mit dem eigentlichen Vorfall nichts zu tun haben. Da muss ein Profi ran – in diesem Fall ein Qualitätsjournalist der Neuen Westfälischen [3]. Und schon wird aus dem wirren Geschreibsel eine gut formulierte Zeitungsmeldung, die sogar Sie und ich ohne Probleme verstehen können:

Randale im Zug von Paderborn nach Bielefeld am Freitag: Eine vierköpfige Gruppe von Männern drohte mit einer Machete und schlug einen 34-jährigen Mann aus Schloß Holte krankenhausreif.

Fahrgäste hatten bereits die Bundespolizei alarmiert und auch von einer Pistole berichtet. Die Randalierer hatten den Zug in Bielefeld-Brackwede verlassen. Auf dem Bahnhof wurde der 34-Jährige von einem 19-Jährigen zusammengeschlagen und mehrfach gegen den Kopf und in das Gesicht getreten. Der 19-Jährige forderte von einem weiteren Gruppenmitglied, den 34-Jährigen mit der Machete „abzustechen“. Gerade noch rechtzeitig schritt ein weiteres Gruppenmitglied ein und zog die Machete aus dem Verkehr.

Der 34-Jährige kam mit einer Gehirnerschütterung, schweren Gesichtsverletzungen und Prellungen ins Krankenhaus. Der 19-Jährige wurde dem Haftrichter vorgeführt und kam in Untersuchungshaft.

Haben Sie gesehen wie es funktioniert? Prima, dann können Sie auch Qualitätsjournalist werden!

(Spürnase: Dapunk)

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