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Meinungsfreiheit und Metalmusik

[1]Einerseits haben Gutmenschen keine Skrupel, Konservative und Rechtsliberale gemeinsam mit erklärten Nationalsozialisten in einen Topf zu werfen und ihnen Imperialismus, Sexismus, Antisemitismus und andere Ismen vorzuwerfen. Bei anderen hingegen drückt man gerne mal beide Augen zu, wenn es nur der gemeinsamen Sache dient. Am vergangenen Wochenende feierte die Metal-Gemeinde im schleswig-holsteinischen Örtchen Wacken ihre jährliche Zusammenkunft. Das lädt ein, zu überprüfen, wie es Schwermetaller mit politischen Positionen halten.

Die Musikform Metal entstand in den 1970er-Jahren aus dem Hard Rock und avancierte schnell zu einer Jugendsubkultur, die eine durchaus beachtliche Zahl von Bands und Fans für sich verbuchen kann. Schwergewichte wie die US-amerikanische Band Metallica oder die deutsche Combo Rammstein haben mittlerweile Weltruhm erlangt.

Thematisch geht es in ihrer Musik um mehr als Fantasy-Märchen oder Mittelalter-Romantik. Viele Metaller haben eine eigene Meinung zu politischen und gesellschaftlichen Themen und möchten diese auch kundtun, so wie es die beiden musikalischen Gutmenschen Bono und Sting erfolgreich vormachen. Sozialkritik üben, heißt das dann, wenn man linken Unsinn verzapft.

Doch Metaller wären nicht Metaller, wenn sie nicht noch eine Schippe oben drauf legten. Ex-Präsident Bush, die Wall Street oder FAZ-Abonnenten als „irgendwie rechts“ und unsozial zu beschimpfen, überläßt man der Konkurrenz von Punk, Rap und Rock. Metaller zelebrieren das gängige Klischee vom bösen Westen, der das Unheil über die Welt gebracht hat, auf ihre ganz eigene Weise.

Mönche als Sturmtruppen aus „Star Wars“

Ganz oben steht das Christenbashing. Es fällt schwer, eine populäre Band herauszupicken, die daran nicht teilnimmt. Die Norweger von Ragnarok [2] treiben es sicherlich arger als viele andere. Die Band existiert seit 1994 und hat mehr als ein halbes Dutzend Alben veröffentlicht. Hier ein besonders poetischer Texthappen aus dem 1995er Song „From The Darkest Deep“:

„They will see the heart of Christ
Ripped out and sent through the hole
The hole of darkness and sorrow (…)”

Zu Deutsch:

„Sie werden das Herz Christi sehen
Herausgerissen und durch das Loch geschickt
Das Loch der Dunkelheit und Leid (…)“

Wenn Metaller bewusst satanische Texte und Symbole verwenden, verweisen sie gerne darauf, dass es sich wie bei Horrorfilmen rein um Unterhaltung handelt. Doch ist das infantile Spielen mit umgedrehten Kreuzen und Pentagrammen längst ein Relikt aus den Neunzigern.

Im neuen Jahrtausend haben sich manche Metalbands zu kleinen Geldmaschinen gemausert. Schlachten sie dann ihr Sparschwein, reicht es sogar dazu, ein paar Statisten fürs nächste Musikvideo anzuheuern. Die ebenfalls aus Norwegen stammende, 1993 gegründete Band Dimmu Borgir [3] (Dunkle Burgen) lässt uns im Video zu ihrer 2007 erschienen Single „The Serpentine Offering“, wissen, wie sich tapfere Nadelwaldbewohner die Christianisierung Europas vorstellen. Das sieht dann so aus:

Was auffällt, ist, dass die Christen – Kreuzritter und Mönche – allesamt höchst unsympathisch und gefährlich dargestellt werden. Vor allem die Mönche wirken in ihrer Uniformität ähnlich seelenlos und damit letztlich auch lächerlich wie beispielsweise die Sturmtruppen aus „Star Wars“. Hier geht es nicht mehr um Unterhaltung, sondern um eine bewusst christenfeindliche Interpretation der europäischen Geschichte.

Mancher Metaller geht noch weiter: Dem Christentum stellen sie das romantisierende Bild des tapferen Nordmannen entgegen, der kraftvoll und nordisch den Einfluss von Jesus bekämpft. Dabei wird Jesus auch vorgeworfen, dass er Jude war. Der norwegische Bandgründer Varg Vikernes [4], Jg. 1973, entblödete sich nicht zu behaupten, dass er im Christentum einen jahrtausendealten Plan der jüdischen Weltverschwörung sieht, die Arier geistig und kulturell zu schwächen und sie somit leichter knechten zu können.

Nach solch eindeutigen Sprüchen können eigentlich nur noch Taten folgen. Dies übernahm der Metaller Jon Nödtveidt [5]. Der 1975 geborene Schwede gründete 1989 die Black-Metal-Combo Dissection. Mit Songs wie „Where Dead Angels Lie“ spielte sich Nödtveidt schnell in die Herzen der Schwermetaller. Doch 1998 war erst mal Schluss mit Musik: Nödtveidt wurde verhaftet. Wegen Beihilfe zum Mord an einem homosexuellen Algerier. 2004, also nach sechs Jahren, wurde er entlassen. Nödtveidt spielte ein weiteres Black-Metal-Album ein, bis er sich im August 2006 selbst das Leben nahm.

Metalmusik zu nihilistisch, um auf sie zu verzichten

Damit sei der kurze Rundgang durch die Welt der Metalmusik abgeschlossen. Trotz des sehr wohl berechtigten Vorwurfs von Antisemitismus und Rassismus sind alle oben genannten Bands in der Szene populär und traten schon auf dem jährlichen Wacken-Festival auf. Es geht uns nicht darum, Menschen anzuschwärzen oder zu verurteilen. So etwas überlassen wir den professionellen Denunzianten aus der Gutmenschenfraktion.

Doch stellen wir der Metalszene konservative Zeitungen wie die „Junge Freiheit“ oder die „Preußische Allgemeine“ gegenüber. Ein Zusammenschluss linker Gruppierungen will Kioskbetreiber „überreden“, diese Zeitungen nicht mehr zu verkaufen (PI berichtete) [6]. Hat man schon einmal davon gehört, dass selbsternannte Aktivisten die Betreiber von Plattenläden überredeten, keine CDs mehr von den oben genannten Metalbands zu verkaufen? Eben.

Das liegt nicht daran, dass sich Metaller nichts von schmächtigen Juso-Aktivisten sagen lassen. Der wichtigste Grund ist: Metalmusik ist einfach zu nihilistisch, um sie nicht weiterhin am westlichen Wertesystem sägen zu lassen.

(Linda Landauer, linda.landauer@yahoo.de [7])

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