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Integration: Schlagzeilen für Selbstverständliches

Die Diskussion in Deutschland hat den sogenannten Europaminister der Türkei, Egemen Bagis, dazu veranlasst, an seine Landsleute zu appellieren, sich in Deutschland zu integrieren.

Es gibt wohl keine Zuwanderergruppe, die teilweise noch in der 3. oder gar schon 4. Generation aus dem Herkunftsland dazu angehalten werden muss, die deutsche Sprache zu lernen. Was sich die Türkei unter Integration generell vorstellt, machte wiederholt der türkische Ministerpräsident Erdogan klar, für den Integration von Türken nur insoweit stattfinden soll, wie diese seinen Großmachtsphantasien dient.

Doch weil es in Deutschland nun eine Diskussion gibt, bei der der bayerische Ministerpräsident Seehofer als Löwe gebrüllt und als Bettvorleger gelandet ist, mischt sich nun die Türkei in Gestalt ihres Europaministers in die Debatte ein. Das ist keine so schlechte Wahl, immerhin hat Bagis Sinn für Humor. So empfahl er den Deutschen noch im März diesen Jahres zur Sicherung ihrer Renten auf die türkischen Zuwanderer zu vertrauen, die wie keine andere Gruppe von Sozialhilfe abhängig sind, schlechte oder keine Schulabschlüsse machen und nur in der Kriminalstatistik eisern ihren Spitzenplatz verteidigen:

“Glauben Sie mir, der Tag wird kommen, an dem die Europäer um die türkische Öffentlichkeit werben. Denn Europa hat Probleme. Sagen Sie mir, wie die EU ohne türkische Hilfe die Energiekrise bewältigen will; ein großer Teil künftiger Energieressourcen, die Europa braucht, fließt durch die Türkei. Und sagen Sie mir, wie Sie Ihre wirtschaftlichen und demographischen Probleme lösen wollen; das Durchschnittsalter in Europa beträgt 40 Jahre, in der Türkei sind es 28. Woher wollen Sie Ihre Arbeitskräfte holen, wer soll Ihre Pensionen bezahlen?”

Auch wenn der Ministerpräsident Bayerns schon eifrig zurückrudert, gibt es laut BILD noch Abgeordnete, die an der Zuwanderung aus der Türkei so ihre Zweifel hegen:

Auch der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), springt Seehofer bei, warf den Arbeitgebern vor, mit ihrer Forderung nach weiterer Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten seien sie nur auf billige Arbeitskräfte aus. „Wir brauchen die klügsten Köpfe und bekommen Analphabeten”, sagte der CSU-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger”.

Augenscheinlich angesichts solcher Töne fühlt sich der Minister aus der Türkei nun dazu berufen, die Türken in Deutschland zum Erlernen der deutschen Sprache anzuhalten, damit seine Landsleute auch diejenigen verstehen, denen sie die Rente sichern.

„Lernt Deutsch! Passt euch den Sitten und Gebräuchen eures Gastlandes an“, sagte er in der „Bild“-Zeitung. „Schickt eure Kinder auf die besten Schulen, damit sie eine Zukunft haben!“ Der Minister forderte die Türken zugleich auf, die Gesetze zu achten , „denn wenn Ali oder Achmed Schlimmes tun, werden die Menschen nicht nach Namen suchen. Sie werden sagen: Der Türke war’s!“

Doch nicht nur zu Opfern der bösen Deutschen, die doch tatsächlich das Märchen von den Sicherern der Rente nicht mehr so recht glauben wollen, erklärt Bagis seine Landsleute, sondern auch zu Botschaftern der Türkei.

Die türkische Regierung stehe deshalb voll und ganz hinter der Idee der Integration „so wie wir für die Integration der Türkei in die EU sind“. Der Minister: „Ihr müsst das Geschenk eurer Identität und eurer Kultur nicht aufgeben, sondern euch als Botschafter der Türkei verstehen.“

Wie die Botschafter der Türkei für ihre Heimat in Deutschland werben, zeigt PI in Kürze in einem gesonderten Beitrag.

(Foto oben: Screenshot BILD-Aufmacher)