1

Manipulationsversuch: Jetzt spricht Hans Jansen!

Islamexperte Hans JansenGestern gab es eine spektakuläre Wende im Prozess gegen den Islamkritiker Geert Wilders: Nachdem bekannt wurde, dass der Vorsitzende Richter Tom Schalken am 3. Mai den Islamexperten Hans Jansen (Foto), der im Verfahren als Sachverständiger angehört werden sollte, bei einem Essen zu manipulieren versuchte, wurden die Richter für befangen erklärt (PI berichtete). Jetzt äußert sich Jansen erstmals zum Verlauf des Abends.

Hier seine Ausführungen (Übersetzung: Günther W.):

Am Montag, den 3. Mai 2010, lud mich der Journalist Bertus Hendriks zum Abendessen ein. Wir kennen uns seit 1963. Niemand kann so gut über das Leiden der Palästinenser erzählen wie Bertus. Nach einigen Gläschen Bier erklärte mir Bertus dann aber, dass ihn das Palästinenserproblem eigentlich gar nicht interessiere. Jedenfalls machte er mir die Einladung sehr schmackhaft.

Außer mir sollten noch weitere ausgesuchte Gäste kommen. Auch würde er es begrüßen, wenn das Thema Islam und der Wildersprozess angeschnitten würde. Ich sollte am 6. Mai als Sachverständiger in diesem Prozess, über den Inhalt des Koran und über die Scharia, so weit dies für den Prozess wichtig sei, mein Gutachten abgeben.

Das Gutachten sei wichtig, wie sich später herausstellte, weil das Gericht sich nicht vorstellen konnte, dass die Dinge wirklich so im Koran stünden, wie Wilders sie auslegte. Weil es schwierig ist, eine Einladung von einer Person, mit der man über 40 Jahre befreundet ist, abzuschlagen, sagte ich zu. Hinter verschlossenen Türen darf schließlich immer noch frei gedacht und viel gesprochen werden.

Ich bin eigentlich immer pünktlich oder sogar etwas zu früh. Der zweite Gast, der erschien, war kein geringerer als Tom Schalken. Dieser begrüßte mich freundlich und begann sofort mit dem Thema Islam. Ich rätselte inzwischen, woher ich diesen Herrn kannte (Anm.: das Vorstellen, in Deutschland selbstverständlich, ist in den Niederlanden oft nicht üblich). Auf einmal fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Mein Gesprächspartner war Mitglied des Amsterdamer Gerichtshofes, der den Auftrag hatte, Geert Wilders wegen Sähens von Hass, Diskriminierung und Gruppenbeleidigung anzuklagen.

Ich fragte ihn, ob ich in seinem Beisein frei sprechen dürfte. Immerhin war mir bekannt, dass schon mal ein Islamkritiker von ihm vor Gericht gezerrt worden war. Das führte bei dem gelernten Juristen zur Verwirrung. Ich äußerte gegenüber meinem Gastgeber jetzt den Wunsch, lieber zu gehen, weil es sinnlos oder sogar gefährlich wäre, ein Gespräch mit jemanden zu führen, der die Macht habe, jemanden einzusperren, falls das Gespräch nicht nach seinen Wünschen verliefe. Darauhin änderte sich die Stimmung etwas.

Nach einigem Drängen meinerseits versprach Tom Schalken, mich für das, was ich an diesem Abend von mir gab, nicht anzuklagen oder einzusperren. Ich war froh über diese Zusage. Inzwischen waren 20 Minuten vergangen und andere Gäste waren hinzugekommen. Schalken forderte von mir die gleiche Zusage. Da ich aber sowieso keine Macht habe, jemanden einzusperren, gab ich dieses Versprechen nicht. Ich hoffte, meine „Boshaftigkeit“ gut verbergen zu können. Das geschah ein paar Tage, bevor ich vor Gericht aussagen sollte.

Inzwischen war die Vorspeise serviert, Appetit hatte ich keinen mehr. Die Gastgeberin hatte vorzüglich gekocht, trotzdem schmeckte es mir nicht.

Außer mir waren alle anderen Gäste Mitglieder der PvdA (Anm.: sozialdemokratische Partei der Niederlande) oder Grünlinks, und nebenbei Juristen. Herr Schalken versuchte ab und zu sogar nett zu mir zu sein, begann aber immer wieder aufs neue vom Wildersprozess zu sprechen. Er versuchte mich davon zu überzeugen, dass der Entschluss, Geert Wilders den Prozess zu machen, der richtige wäre. Ein arbeitsloser Schauspieler hätte seine Rolle allerdings besser gespielt.

Schalken, der auch Professor an der freien Universität Amsterdam war, liess verlauten, dass aus wissenschaftlichen Aspekten ein großes Interesse an einem Prozess gegen Wilders bestünde, und dieser, wenn er gut durchdacht wäre, allerhand Perspektiven böte.

Ich begriff, es sollte also mehr eine “akademische Arbeitsgruppe“ als ein Prozess werden. Sozusagen mehr eine Übung für Studenten als ein fairer Prozess unter erwachsenen Menschen. Mit dem „Vergnügen“, einen ernsthaft bedrohten Politiker, als Versuchskaninchen bloßzustellen. Ein wirklich lobenswertes Hobby.