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Offener Brief an DeuKisch-Gründerin Aylin Selcuk

DeuKisch-Gründerin Aylin SelcukGestern berichteten wir über den Verein „Generation DeuKisch“ (DeuKisch ist eine wörtliche Zusammensetzung von deutsch und türkisch), der nach eigenen Angaben die Integration von türkischstämmigen Bürgern in Deutschland verbessern soll. Vereinsgründerin Aylin Selcuk (Foto) hat auf der DeuKisch-Homepage einen Text zur aktuellen Integrationsdebatte verfasst, den PI-Leser Dominik C. nicht unkommentiert stehen lassen konnte.

Hier sein Offener Brief an Selcuk:


Sehr geehrte Frau Selcuk,

Ihre Zivilcourage in allen Ehren – aber ich glaube, Sie benötigen einen Einblick in die Lebensrealität der Deutschen. Dieser scheint nämlich, schaue ich mir Ihre Arbeit an, völlig zu fehlen.

Eins vorweg: Abgesehen davon, dass es keinen Tatbestand der Volksverhetzung oder der Beleidigung gibt, den Sie Herrn Sarrazin vorwerfen könnten, haben Sie, wie Sie auch schon richtig erkannt haben, einen Großteil der deutschen Bevölkerung nicht auf Ihrer Seite. Würde ich für jedes „Scheiß Deutscher“, für jede „Deutsche Schlampe“, für jedes „Scheiß Schweinefleisch-Fresser“ und vor allem für die vielen „Hurensohn“ und sonstigen Beleidigungen, Volksverhetzungen, Diskriminierungen, die ich und andere Mitbürger Tag für Tag eben von diesen türkischen und muslimischen Mitbürgern geschmeichelt bekomme, eine Strafanzeige erstatten, würde ich die Polizeiwache wohl nie im Leben mehr verlassen können.

Woher kommen diese „Vorurteile“? Wieso stimmen so viele Menschen Herrn Sarrazin zu? Sie selbst schreiben, die wenigsten hätten mit ausländischen Mitbürgern was zu tun. Und da fängt Ihr Denkfehler an: Jeder hatte und hat schon was mit einem Türken oder einem anderen Migranten zu tun gehabt. Nicht alle Begegnungen enden oder beginnen negativ, jedoch scheint für den einen oder anderen, meist männlichen jugendlichen Migranten aus dem islamischen Kulturkreis, das Wort „Hurensohn“ eine Grußformel für Deutsche zu sein. Die Berichte über solche Erfahrungen häufen sich und wenn man nicht selbst Opfer solcher verbalen Ausartungen wird, dann reicht ein Blick in den Bekanntenkreis: Man wird sicher genügend Beispiele finden.

Ich persönlich lebe in einer Großstadt – sogar in einem Viertel, in dem laut Polizei 70% Migrantenanteil herrscht. Meine bisherigen Erfahrungen mit eben dieser Migrantengruppe kann man nicht annähernd als positiv bezeichnen. Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung, Diskriminierung, Vandalismus, Verhöhnung, Gewalt – die Liste ist lang – beherrschen den Alltag. Vieles habe ich persönlich erlebt, vieles aus dem Bekanntenkreis. Die besonders schlimmen Fälle zum Glück nur aus den Nachrichten. Dies ist die Realität, die niemand beschönigen kann und niemand verleugnen kann. Natürlich habe ich türkische Bekannte. Natürlich habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, aber die Anzahl der negativen Erfahrungen überwiegt. Das man dies nicht pauschalisieren kann ist richtig, aber beschönigend über die sichtbaren Probleme sprechen – oder sie erst gar nicht ansprechen und darüber schweigen ist der falsche Weg. Eben dies versuchen Sie mit Ihrer Anzeige gegen Herrn Sarrazin durchzusetzen.

Sie versuchen Herrn Sarrazin und damit auch alle Sympathisanten und Gleichgesinnten mundtot zu machen. Sie verlangen eine kritiklose Hinnahme, ja gar eine altruistische Aufopferung der deutschen autochthonen Bevölkerung gegenüber den Migranten, indem Sie die Medien kritisieren, die angeblich nur schlechtes über Ausländer berichten:

Des Weitern: Wie schafft es dieser kleiner Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund eingesamtes Land ‚abzuschaffen‘? Die Medien helfen. Täglich liest man nur von Migranten, die ihrer Umwelt in Deutschland einfach nur schaden.

Ich gehe davon aus, dass diese Kritik an den Medien gleichzeitig die Forderung nach durchweg positiver Berichterstattung über Migranten impliziert (siehe Aygül Özkan mit ihrem falschen Verständnis von Pressefreiheit). Sie fordern eine Verurteilung eines Mannes, der Fakten aufzählt, sie belegt und vor allem empirisch nachprüfbar macht. Darf ich Sie an dieser Stelle nochmals zitieren?

[…] es lebe die Meinungsfreiheit in Deutschland!

Meinungsfreiheit? Für Sie wohl nur selektiv. Hauptsache es fallen keine negativen Berichte über Migranten an.
Ich fasse für Sie kurz zusammen:

– Verurteilung aller Kritiker, Andersdenkender und Befürworter von Sarrazin
– Verschweigen und Dementieren aller negativen Erfahrungen mit Migranten seitens der Medien => selektive Berichterstattung also: Einschnitte in die Pressefreiheit zugunsten der Migranten
– Meinungsfreiheit nur noch für Migranten und Multikulti-Sozialromantiker

In Ihrem Kommentar schreiben Sie weiterhin:

Die Verhaltensstruktur und die Gründe dafür der so genannten „unteren Sozialschicht Deutschlands“ sind in allen Ballungszentren gleich – ergo: in Neukölln genauso wie auch in Marzahn. Vor allem die Jugendlichen, die vielleicht keine hohe Schulbildung genießen können, fühlen sich von der Gesellschaft nicht anerkannt und perspektivlos.

Ihre Schlussfolgerung ist genauso undurchdacht wie falsch. Schauen Sie bitte in aktuelle Kriminalstatistiken. Tatsächlich häufen sich dort Täter aus der von Ihnen genannten „unteren Sozialschicht Deutschlands“, dass der Ausländeranteil hier jedoch explodiert, scheint in Ihrer Überlegung keinen Platz zu haben. Gewalt ist sicherlich kein Monopol der Migranten, Statistik und Erfahrung zeigen allerdings deutlich die Affinität muslimischer Jugendlicher zu Gewalt.

Perspektivlosigkeit allein wird es also wohl nicht sein können, vor allem wenn man bedenkt, dass Bildung und Chancen auf sozialen Aufstieg noch keinen musterintegrierten Migranten zaubern. Damit wäre Ihre nächste Aussage bezüglich der Verharmlosung wohl außer Kraft gesetzt. Oder sehen Sie andere Gründe?

Die Ethnie als Ursprung des Problems zu betrachten ist eine schlichte und eindeutige Verharmlosung der eigentlichen Thematik.

Der nächste Absatz ihres Kommentars kann getrost als Realsatire angesehen werden.

„Sie sind ein Hurensohn.“ Stellen Sie sich doch vor, ich würde bei einer Redaktionssitzung der Spiegelmacher einen Redakteur derart ansprechen. Wie würden zu dieser Äußerung am nächsten Tag die Schlagzeilen lauten? Ich denke folgende Vorschläge wären nicht weithergeholt „Türkin beleidigt die Spiegel-Redaktion“, oder noch besser, „Muslima greift Menschenwürde der Spiegelredakteure durch Beleidigung an.“ Würde irgendjemand auf die Idee kommen darüber nachzudenken ob dieser Redakteur wirklich Sohn einer Hure sein könnte? Würde man Statistiken darüber erheben mit welcher Wahrscheinlichkeit es zutreffen könnte, dass gerade dieser Redakteur Sohn einer Hure ist? Würde man wild über die Definition des Begriffes Hure recherchieren? Eher unwahrscheinlich. Da stelle ich mir nun die Fragen: Wieso überlegt man bei den Thesen des Herrn Sarrazin sofort als erstes ob er Recht hat?

Richtig erkannt. Ich verrate Ihnen woran das liegt: An der Sprache. Klären Sie mich auf, wenn ich irgendwas verpasst habe, aber soweit ich mich erinnern kann, hat Herr Sarrazin sich noch nicht derartig im Ton vergriffen. Gut finde ich allerdings, dass Sie scheinbar über das Vokabular der meisten Jugendlichen Migranten Bescheid wissen. Herr Sarrazin hingegen wird ernst genommen, weil er nicht etwa nur mit Parolen um sich wirft, sondern – wie schon so oft erwähnt – mit nachweisbaren fundierten Fakten. Machen Sie sich nicht selbst lächerlich, indem sie diese zwei Szenen miteinander vergleichen.

Weiterhin fragen Sie sich:

Wieso berichtet niemand erst darüber dass es sich bei seinen Aussagen um Beleidigungen handelt, die volksverhetztend menschenverachtend und verletzend sind?

Gegenfrage: Wieso wird die allseits bekannte Deutschenfeindilchkeit als nicht existent aus dem öffentlichen Vokabular gestrichen? Hier die Empfehlung: Lesen Sie mehr Zeitung, dann wüssten Sie auch, dass sehr wohl eben diese Vorwürfe, so haltlos sie auch sind, Herrn Sarrazin gemacht wurden.

Kurzum: So wie „wir“ Beleidigungen und Diffamierungen ertragen müssen – und ich werde sicher nicht bei jedem „Du scheiß Deutscher“ zur Polizei rennen – so müssen auch Sie zumindest die Wahrheit ertragen. Und wenn Sie sich weiter im Text fragen, wie Sie helfen könnten die Integrationsproblematik zu überwinden, dann nehmen Sie sich doch ein Beispiel an Ihrer Landsmännin Necla Kelek. Integration ist ein vielfach falsch verstandenes Wort. Schauen Sie bei der Gelegenheit doch mal in den Duden. Dort finden Sie folgende Definition:

Integration von lat. integrare, „wiederherstellen“ – Wiederherstellung eines Ganzen – Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen od. Gruppen zu einer gesellschaftlichen u. kulturellen Einheit.

Auf Sie selber bezogen reicht es eben nicht, perfekt Deutsch zu sprechen, aber daheim nur Türkisch. Integration heißt in der hiesigen Kultur und Gesellschaft aufgehen. Sich einverleiben so, dass man irgendwann eins ist. Integration heißt nicht die Gesellschaft, in die man einwandert, mit der eigenen zu kontaminieren, sie zu unterwandern und zu zersetzen. Integration heißt nicht, seine eigenen Gepflogenheiten bis in die 4. Generation durchzusetzen und sich der landeseigenen Kultur zu entziehen. Wenn Sie richtig integriert wären, würden Sie Herrn Sarrazin zustimmen, würden Sie genau wie Necla Kelek ihn unterstützen. Denn: Selbst wenn Sie sich von Herrn Sarrazin beleidigt fühlen, dann tun Sie dies, weil Sie sich selbst nicht als Deutsch ansehen. Sie sind Türkin und das soll am besten auch so bleiben. Der Name Ihres Vereins spricht für sich: „Deukisch“. Nicht deutsch, nicht türkisch. Wenn Sie was für die Integration tun wollen, dann gehen Sie als Beispiel voran. Werden Sie erstmal „Deutsch“ und zeigen Sie allen anderen wie das geht. Bildung und Spracherwerb ist nicht alles, das ist nur die Basis. Integration ist für dieses Land „Deutschwerdung“. Dies ist kein Ding der Unmöglichkeit. Viele Einwanderergruppen, die noch lange vor den Türken nach Deutschland oder in deutsche Gebiete kamen, sind in dieser Kultur aufgegangen. Sarrazin ist das beste Beispiel. Er stammt von französischen Hugenotten ab, von dieser Herkunft zeugt heute nur noch sein Name. Viele große Deutsche teilen seine Geschichte. Wie soll es in 100 Jahren hier in Deutschland aussehen? Werden die Türken immer noch Türken sein? Werden sie daheim immer noch Türkisch sprechen? Das ist nicht das Ziel.

Anstatt diesen Mann zu verurteilen, ihn zu denunzieren und zu diffamieren, sollten Sie sich eher ein Beispiel an ihm nehmen und dafür sorgen, dass Ihre Nachfahren in 100 Jahren sagen „Wir sind Deutsche, uns liegt unsere Heimat am Herzen“.

Mit freundlichen Grüßen,

Dominik C.