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Die Kritiker der Kritiker

Dass Islamkritiker immer wieder angegriffen und ihnen zu wenig Kenntnisse des Islams angelastet werden, wird nicht neu sein. Dabei bewegen sich die Kritiker der Islamkritiker oft auf dünnem Eis. So auch der Islambeauftragte der evangelischen Landeskirche, Rainer Oechslen, der sich am 28. Januar 2011 in der Print-Ausgabe der Nürnberger Zeitung zu dem Thema äußert.

(Von Eckhardt Kiwitt, Freising, PI-München)

Unter der Überschrift „Muslime unter permanentem Rechtfertigungsdruck“ wird angekündigt, dass sich Oechslen „mit der gegenwärtig grassierenden Furcht vor dem Islam“ auseinandersetzt. Diese Ankündigung lässt hoffen, dass es zu einer differenzierten und dialektischen Auseinandersetzung Oechslens mit den Islamkritikern kommen möge.

Oechslen beginnt mit dem Hinweis, dass, sobald sich der Landesbischof zum Islam äußere, Briefe kämen, in denen er „belehrt“ und als naiv hingestellt würde, weil er nicht verstanden habe, welche Gefahr vom Islam ausgeht. Die Briefschreiber stellten sich meist als Bürger vor, die sich ihre Kenntnis des Islams im Selbststudium erarbeitet hätten.

Nun, ganz so einfach ist es wohl nicht, Herr Oechslen, denn wir beobachten z.B. auch, was in islamischen Staaten und Gesellschaften vor sich geht und was über die Verhältnisse in muslimischen Familien hierzulande leider immer wieder berichtet wird. Stichworte Ehrenmorde und Zwangsheiraten, die in muslimischen Familien erstaunlich häufig vorkommen. Außerdem stellt sich die Frage, über welche „Kenntnis des Islams“ die ca. 1,5 Milliarden Muslimen weltweit verfügen. Haben die alle ein Studium in Islamwissenschaften absolviert? „Wissen“ die, an was sie „glauben“?

Diese Briefschreiber, so Oechslen weiter, seien besorgt angesichts der „political correctness“, die „eine echte Auseinandersetzung mit dem Islam angeblich nicht gestattet“. Deshalb tauschten sich die Islamkritiker im Internetforum „Politically Incorrect“ aus.

Schön, dass Oechslen hier offenbar mitliest. Vielleicht liest er auch diesen Gastbeitrag bis zum Ende und lernt etwas für ihn ganz Neues.

Nun unterstellt Oechslen PI allerdings, die Einträge dort seien teils rassistisch, teils gehässig und erfüllten in manchen Fällen die Definition von § 130 StGB (Volksverhetzung). Welche „Einträge“ er konkret meint, erwähnt Oechslen leider nicht. Es mag sich um „Einträge“ im Kommentarbereich handeln, die manchmal in der Tat mehr als grenzwertig sind, die jedoch nicht von PI-Autoren stammen, sondern anonym abgegeben und, sofern angesichts der täglichen Fülle an Kommentaren entdeckt, auch gelöscht werden. Denn PI will – nach dem Selbstverständnis seiner Macher und seiner Autoren – keine Dreckschleuder sein, sondern ein seriöses Medium. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass so mancher „rassistische“ Kommentator von der Gegenseite stammt und sich sehr abfällig äußert, um PI gezielt zu diskreditieren.

Im nächsten Punkt kommt Oechslen auf die Taqiyya zu sprechen; seine Ausführungen hierzu müssen nicht näher betrachtet werden, weil uninteressant.

Darauf folgt Oechslens Aussage: „Die Kritiker glauben, sie kennten das Wesen, die ‚Essenz’ des Islams“, würden sich nur solche Koranverse oder Zitate aus den Hadithsammlungen herauspicken, die ein möglichst abschreckendes Bild des Islams ergeben. Dies sei gerade so, als würde man einige der derben Tischreden Luthers zitieren, um daraus ein Bild der lutherischen Lehre zu zeichnen.

Hier übersieht Oechslen geflissentlich, dass die Lehren Luthers wie das Christentum insgesamt dank der Europäischen Aufklärung gezügelt, die Macht der Kirchen massiv eingeschränkt und dem säkularen, freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat untergeordnet wurden. Etwas, das mit der Europäischen Aufklärung verglichen werden könnte, hat es bislang in keinem islamischen Staat, in keiner islamischen Gesellschaft gegeben; im Gegenteil wurden alle Autoritäten, die in islamischen Staaten einen Versuch der Aufklärung des Islams vorschlugen, ausnahmslos kaltgestellt oder gar ermordet.

In seinem nächsten Punkt kommt Oechslen auf den Weltbeherrschungsanspruch des Islams zu sprechen und offenbart erstaunlich wenig Sachkenntnis, wenn er schreibt: „Ein weiteres Argument, das immer wieder in ‚islamkritischen’ Zuschriften auftaucht, heißt: ‚Der Islam strebt nach der Weltherrschaft’.“
Hat Oechslen den Koran nicht gelesen? Darin ist dieser Weltbeherrschungsanspruch unmissverständlich und in einer – gelinde gesagt „wenig allegorischen“ – Weise manifestiert:

Z.B. in Sure 2 Vers 115:

Und Allah gehört der Osten und der Westen; wo immer ihr euch also hinwendet, dort ist das Antlitz Allahs. Wahrlich, Allah ist Allumfassend, Allwissend.

Oder in Sure 8 Vers 39:

Und kämpft gegen sie, damit keine Verführung mehr stattfinden kann und (kämpft,) bis sämtliche Verehrung auf Allah allein gerichtet ist. Stehen sie jedoch (vom Unglauben) ab, dann, wahrlich, sieht Allah sehr wohl, was sie tun.

Ebenso in Sure 9 Vers 20:

Diejenigen, die glauben und auswandern und mit ihrem Gut und ihrem Blut für Allahs Sache kämpfen, nehmen den höchsten Rang bei Allah ein; und sie sind es, die gewinnen werden.

Und in Sure 13 Vers 15:

Wer immer in den Himmeln und auf der Erde ist, wirft sich vor Allah in Anbetung nieder, willig oder widerwillig, und (ebenfalls tun dies) ihre Schatten am Morgen und am Abend.

In seinen näheren Ausführungen zum Weltbeherrschungsanspruch des Islams erwähnt Oechslen zwar das Unterlegenheitsgefühl der islamischen Welt gegenüber „dem Westen“, fragt aber nicht nach den Ursachen dieser faktisch gegebenen Unterlegenheit. Oechslen fragt nicht danach, warum es in der islamischen Welt seit Jahrhunderten eine eklatante Stagnation in Wissenschaft, Kunst, Forschung usw. gibt, fragt nicht, warum aus der islamischen Welt bislang nur sehr sehr wenige – an weniger als zehn Fingern zu zählende – Nobelpreisträger hervorgegangen sind.

Zum Abschluss seiner Ausführungen über die Islamkritiker wirft Oechslen den Repräsentanten des Staates (ohne zu erklären, welche Repräsentanten welchen Staates er meint) vor, sie glaubten, diese Islamkritik ignorieren zu können oder sie gelegentlich gar populistisch zu nutzen. Es breite sich aber auch unter Muslimen ein „Zweifel am Sinn des interreligiösen Dialogs“ aus.

Das ist nun sehr interessant:

Oechslen schreibt zwar vom Zweifel der Muslime am Sinn des interreligiösen Dialogs, fragt jedoch nicht, warum sie daran zweifeln, fragt auch nicht, warum solche „Dialoge“ häufig scheitern, und warum es einen solchen „Dialog“ nur zwischen Muslimen und der deutschen Mehrheitsgesellschaft gibt, nicht jedoch zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Angehörigen anderer Religionen oder anderer Gruppen von Einwanderern. Auch fragt er nicht danach, was dieser interreligiöse Dialog bislang an greifbaren Ergebnissen gebracht hat. Oechslen fragt nicht danach, ob Muslime oder deren Verbandsvertreter in diesen ganzen „Dialogen“ jemals den Willen und die Bereitschaft gezeigt haben, sich und ihre Mitglieder an die Werte unseres aufgeklärten, freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaats heranzuführen statt nur Forderungen im Sinne und im Interesse des Islams und seiner frühmittelalterlichen Rechtslehre zu stellen (Stichworte „Badetage nur für Muslimas, Mittagessen in Kindertagesstätten oder Schulen für alle gemäß den islamischen Vorschriften ohne Schweinefleisch – Juden würden so etwas Absurdes niemals fordern).

Mein Schlusswort als bekennender Atheist an Rainer Oechslen:

Herr Oechslen, verbringen Sie bitte mal einen mehrwöchigen Urlaub z.B. in Saudi-Arabien oder auf den Malediven. Nehmen Sie eine Bibel mit, damit Sie täglich was zum Lesen haben, und tragen Sie eine Halskette mit einem christlichen Kreuz oder eine Anstecknadel mit einem christlichen Symbol, damit Sie dort Ihren Glauben öffentlich bekunden. Ich wünsche Ihnen so manche praktische Erkenntnisse und Erfahrungen sowie ganz viel Erfolg bei „Dialog“-Veranstaltungen, die Sie bitte in Ländern abhalten sollten, in denen der Islam Staatsreligion ist.

» rainer.oechslen@elkb.de