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Die neue totalitäre Elite

LeninDie sogenannte „sozialistische Revolution“, welche eigentlich durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und die Implosion des europäischen Wohlfahrtstaates grundsätzlich hätte in Mißkredit geraten sollen, wird noch immer propagiert. Dies ist nicht nur in Lateinamerika der Fall, wo sie in der nationalen Psyche eingebettet zu schein scheint, sondern – trotz der neuerlichen Wahlschlappe – auch in den USA.

(Von David Solway, 28. Dezember 2010 / Übersetzung: Der Prophet des Islam)

Ein solches paradoxes Phänomen kann man teilweise durch die Machtgier der politischen Gewalthaber und gottgleichen Erlöser erklären, welche verstanden haben, daß der Sozialismus ihnen ermöglicht, die ersehnte Macht eigenhändig zu konsolidieren. Es braucht aber auch die Unterstützung der Intellektuellen und Akademiker welche naiverweise glauben, daß der Sozialismus den Weg zu einer gerechteren Gesellschaft mit gleichmäßiger Verteilung der Güter eröffne. Die Geschichte lehrt uns jedoch, daß eine solche Chimäre in ihrer Anwendung katastrophale Folgen zeitigt. Im allgemeinen wird der Sozialismus von denjenigen, die sich selbst als intellektuelle Elite definieren und welche vom Lebensalltag gewöhnlicher Leute isoliert und folglich immun oder indifferent gegenüber der Realität sind, als ein Ideal gehegt.

Der Autor Paul Johnson schreibt in seinem Artikel The Heartless Lovers of Humankind (ein Entwurf seines 1988 erschienenen Buches Intellectuals) daß, anstatt ihre Ideen dem Gedankengut des Volkes zu entnehmen, die „Intellektuellen diesen Prozeß umdrehen indem sie Ideen zuerst von Prinzipien ableiten um sie dann lebendigen Männern und Frauen überzustülpen. Sie sind in ihren Hirnbunkern isolierte „Bibliothekssozialisten“, die verliebt sind in eine Idee über menschliche Wesen, welche sie – obwohl sie diese zu schätzen behaupten – als Hindernis für die Entfaltung ihrer Erlösungspläne ansehen.

Er schreibt weiter, daß diese theoretischen Wunderkinder in den abgeriegelten Wohnsiedlungen der Linken residieren und somit über geringe Kenntnis der realen Bedingungen, mit denen Menschen sich abzumühen haben, verfügen. Aus ihrer Machtposition und scheinbarer moralischer Erhabenheit erlassen sie ihre Gesetze von oben zu den Massen herab. Eva Hoffman spinnt diesen Faden in ihren Memoiren Lost in Translation weiter als die Fähigkeit, „privilegierte Gedanken zu denken, … Gedanken welche nichts kosten, welche nicht das Produkt einer Erfahrungsarbeit sind.“ Diese „Prinzlinge“ … sind in der Tat Lenin’s “Ausbeuter gegenüber den Ausgebeuteten”. Sie erlauben keinen Widerstand gegenüber ihrem angeblich aufgeklärten Diktat. Dies liefert eine mögliche Erklärung für eine der eigenartigsten politischen Eheschließungen der Moderne, der Entente zwischen dem links-liberalen Kulturrelativismus und dem islamischen theo-politischen Imperativ.

Diese kuriose Affinität der politischen und intellektuellen Linken mit einem wiederbelebten Islam ist keineswegs so paradox wie sie erstmal erscheint. Autoritär tickende Ideologen verstehen sich im allgemeinen, wenn sie einen gemeinsamen Feind haben. Gleich und gleich gesellt sich gern. Der gemeinsame Feind ist die freie und offene Gesellschaft welche sich auf die Pfeiler der Aufklärung und die Heiligkeit des Individuums stützt. Eine bildhafte Darstellung solcherart demagogischer Tendenzen erscheint heute des öfteren in den Nachrichten: die EU und ihr nicht gewähltes de facto Politbüro – deren „Rahmenentscheidung des Rates betreffend der Bekämpfung von Rassismus und Xenophobie“ vom 28. November 2008 kürzlich Gesetzesstatus annahm – erlauben, daß jeder, der mutmaßlich gegen diese Verordnungen verstößt, von einem Land in ein anderes ausgeliefert werden kann. Sie verfügte ebenso, daß eine “europäische übernationale Polizei“ diese Entscheidungen ausführen soll.

Auf diese Weise erlaubt der Artikel 266b des Strafgesetzes der friedlichen Dänen, daß freimütige Bürger wie etwa Jesper Langballe, ein Parlamentsmitglied, welcher vehement gegen muslimische Ehrenmorde, innerfamiliäre Gewalttätigkeit und Inzest protestierte, angeklagt wurde. Der Journalist Lars Hedegaard meint dazu: ”Unter dänischer Rechtssprechung ist es unwichtig, ob eine Aussage wahr oder unwahr ist. Für eine Verurteilung reicht es, wenn sich jemand beleidigt fühlt.“ (Er wird ebenfalls wegen seinen Bemerkungen betreffend Ehrenmorden strafrechtlich verfolgt.) Die Wahrheit zu sprechen muß in der faux Utopie, in welcher Beleidigung eine Kardinalsünde ist, zensiert werden. Auch Kanada, welches für viele ein glücklich sediertes Land ist, hat seine Menschenrechtskommission; Hörensagen genügt da als Beweismittel gegen jemand, der unter der nebulösen Rubrik „Hassrede“ – was praktisch oft bedeutet, daß man eine ehrliche Diskussion um besorgniserregende soziale und politische Trends unterhält – angeklagt ist. Der als schuldig erachtete Angeklagte, welcher irgendwie seine Unschuld unter Beweis stellen muß, ist äußerst behindert, wenn es ums Einberufen von Zeugen oder ums Auflisten von unterstützenden Dokumentationen geht – wie es zum Beispiel Geert Wilders im friedlichen Holland bestätigen kann. Er muß auch für seine eigenen juristischen Kosten aufkommen, währenddem der Kläger – im allgemeinen ein beleidigter Imam oder muslimische Organisation – vom Staat, beziehungsweise dem Steuerzahler unterstützt wird.

In solchen sozial fortgeschrittenen Gesellschaften auf einer verbissenen und asymptotischen Suche nach der utopischen Endstation muß die ungeschminkte Wahrheit zum Schweigen gebracht werden – nicht weniger als im skrupellosesten und primitivsten Hinterland. Es ist die moderne Version der mittelalterlichen Foltermethode des Zungenherausschneidens. Laut Elisabeth Sabaditsch-Wolff … „werden Leute systematisch zum Schweigen gebracht.“ …

Wer sind diese „Schalldämpfer“? Es sind die Träger der totalitären Mentalität, welche von Jean-François Revel (Last Exit To Utopia) mit drei Merkmalen gekennzeichnet wird:

– ein freiwilliges Ignorieren von Tatsachen

– die Fähigkeit mit Widersprüchen zu leben, welche die eigenen Prinzipien widerlegen

– die Weigerung, die Ursachen des Scheiterns zu analysieren

Sie sind die intellektuellen und politischen Führer einer utopischen Armee, welche über die Erde hinwegfegt. Sie sind, wie Walter Russell Mead in einem einflußreichen Essay aufzeigt, „als moderne Version mittelalterlicher Zünfte organisiert“ und sehen es darauf ab, Macht auszuüben und gleichzeitig ihre Privilegien zu verteidigen.

Tatsächlich erinnern sie auf unheimliche Art und Weise an die Sternsamen der Plejaden welche, wie die herausragende Lia Shapiro in Comes The Awakening beschreibt, für sich in Anspruch nehmen, daß sie „aus Licht geschaffen“ wurden um „sich auf die Weltenbühne zu stürzen und den Schöpfungsverlauf zu verändern.“ Sie sehen sich selbst als progressiv und denken, sie nähmen sich die wichtigsten Interessen der Menschheit zu Herzen. Aber wie die Auswirkungen ihrer ununterbrochenen Manipulationen sozialer und politischer Angelegenheiten zeigen, sind sie in Tat und Wahrheit unverantwortliche Parasiten welche den Staatskörper verschlingen.

Für die große Mehrheit der normalen Bürger und hintergangenen Wählerschaft, der Unternehmer welche Wohlstand kreieren, der Kunstschaffenden welchen es freigestellt ist, entsprechend ihren individuellen Talenten und Inspirationen zu arbeiten, der Autoren und Journallisten welche ihre Unabhängigkeit bewahren wollen, … ist das Spiel aus. Denn der Aufsichtsstaat, den unsere sozialen Revisionisten zu konstruieren wünschen, verspricht nichts mehr als die „gleichmäßige Verteilung des Elends“, um Winston Churchill zu zitieren.

Vielleicht sollte der großartige politische Denker Raymond Aron (The Opium of the Intellectuals) das letzte Wort haben. Er besteht darauf, daß ein Intellektueller sich absolut weigern muß, „seine Seele an ein abstraktes Menschheitsideal, an eine tyrannische Partei oder absurde Scholastik auszuhändigen.“ Er muß „alle Modelle und Utopien in Frage stellen, wenn er Fanatismus abschaffen will.“ Denn Fanatismus ist der wahre Feind.

Aber Fanatismus ist der Sauerstoff, den unsere Staatsintellektuellen, die linken Akademiker und politischen Eliten einatmen. Sie pflegen Bücher zu schreiben, Klassen zu unterrichten und Gesetze zu erlassen währenddessen sie niemandem als sich selber Rechenschaft ablegen. Sie fühlen sich in ihrer Selbstauserwähltheit als weitsichtige Gesetzgeber und sattelfest in ihrer Besetzung einer verfeinerten Weisheit, welche dem gemeinen Fußvolk nicht zugänglich ist. Sie sind äußerst gefährliche Menschen; sie geben nicht Ruhe bis sie die Welt, in der wir gerne gelebt hätten in einen Scherbenhaufen verwandelt haben. Sie sind schlicht und einfach der Fluch unseres Lebens.