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Ein Traktat wider die Frauen-Karrierequote

Eines der mächtigsten Instrumente der sozialistischen Planwirtschaft, die Quote, erfreut sich auch bei immer mehr vormals „bürgerlichen“ Politikern großer Beliebtheit. Nachdem als letzte etablierte Partei im vergangenen Jahr die CSU eine Frauen-Karrierequote eingeführt hat, scheint es in der christlich-liberalen Bundesregierung kein Halten mehr zu geben.

(Von Thorsten M.)

Aktuell streiten sich – getrieben von einem gesamteuropäischen Zeitgeist – Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Familienministerin Kristina Schröder (CDU) lediglich darüber, ob börsennotierte Unternehmen eine fixe oder eine variable verbindliche Frauenquote für z.B. Aufsichtsräte einführen sollen. Die Frage, ob die Sache an sich sinnvoll oder notwendig ist, scheint nicht mehr im Raum zu stehen. Ministerin Schröder erlaubt sich dabei sogar, ihren Vorschlag einer „flexiblen Lösung“ als „marktwirtschaftlich“ zu rühmen.

Die Gründe für die Einführung von Quoten sind dabei hinlänglich bekannt: Man möchte mehr „Teilhabe“ von Frauen an der politischen und wirtschaftlichen Macht erreichen, man will für „Gerechtigkeit“ und einen Mentalitätswechsel in der Gesellschaft sorgen. Man wünscht vor allem aber auch, im Zuge der Gender-Ideologie, eine Einebnung der Geschlechterunterschiede durchzusetzen und diesen Umbauprozess durch die Vorgabe von Prozentsätzen zu beschleunigen, bzw. überhaupt erst möglich zu machen.

Genau an diesem letzten Punkt setzt aber die Kritik an einem solchen künstlichen Förderystem an: Sind Männer und Frauen von Natur aus wirklich gleich und werden nur durch äußere Umstände zu dem, was sie in unserer bisherigen kulturellen Tradition sind? – Oder gibt es doch in Körperbau, Denkstruktur und Hormonsystem begründete Geschlechterunterschiede, die eben eine bestimmte Regel-Rollenverteilung zwischen Mann und Frau als symbiothisch sinnvoll erscheinen lassen? Könnte es zum Beispiel sein, dass eine Gesellschaft in der Summe erfolgreicher ist, wenn sie für sich sowohl die männliche Begabung für Agressivität als auch die weibliche für Hingabe nach außen und innen nutzt?!

Auch der SPIEGEL versucht sich diese Woche in einer Titelstory mit einem flammenden Plädoyer für die Quote an diesem Thema. Die „Gretchen-Frage“, die er dabei aufwirft, ist, wie es sein könne, dass 51% der Hochschulabsolventen – und inzwischen 60% der Absolventen von Wirtschaftsstudiengängen – Frauen seien, aber nur 3,2% der Vorstände und 21,7% der Inhaber von Führungspositionen in Deutschland. So souverän selbstkritisch, wie er dabei die Unterpräsenz von Frauen in den Führungspositionen der eigenen Redaktion aufspießt, so einfältig zeigt er damit, wie er an überkommenen, numerischen Vorstellungen von Macht festhält. Als ob es z.B. die tatsächlichen Machtverhältnisse in jedem Haushalt, das ständige Damoklesschwert, dass Väter im Scheidungsfall meist ihre Kinder verlieren, nicht gäbe. Und als ob in Firmen die „faktische Macht durch Wissen und Fleiß“ keine Rolle spielen würde.

Etwas deprimiert befasst sich der SPIEGEL in seinem als „Streitschrift“ deklarierten Artikel auch mit der beobachteten Tatsache, dass die breite Masse der Frauen gar nicht nach hierarchischer Macht und Männerwelt-Wettbewerb strebt. Es wird sehr lange auf ein von der früheren taz-Chefredakteurin Bascha Mika in diesem Monat publiziertes Buch eingegangen, das sich intensiv mit dem Sachverhalt, dass die Frauen gar nicht unter der bestehenden Rollen- und Karriereverteilung leiden, sondern sie vielmehr zu genießen scheinen, auseinandersetzt. Leider zieht das Leitmedium der deutschen Wochenpresse – wie häufig bei solchen Themen – die falschen Schlüsse: Man glaubt, eben mit noch ein bisschen mehr „Social engineering“ nachhelfen, die Frauen „zu ihrem Glück zwingen“, zu müssen.

Der Widerstand in der deutschen Wirtschaft ist dabei vor dem Hintergrund des real existierenden oder absehbaren Fachkräftemangels nur noch ein Rückzugsgefecht. In Zeiten sich halbierender Schulabgängerzahlen, ist man bereit, dabei mitzumachen, auch noch die letzte Hausfrau und Mutter dreier Kinder aus ihrer vermeintlichen „Wohlfühlzone“ zu Hause in die Betriebe zu holen. Dass dies aber der Mobilisierung des „Volkssturms“ in der Endphase eines verlorenen Krieges gleich kommt, erkennt in der kurzfristigen Legislaturperiodendenke unserer Zeit niemand. Denn diese Form der karriereorientierten Frauenerwerbstätigkeit und der dahinter stehende Geist, werden auch in Verbindung mit noch so viel staatlicher Kinderbetreuung, den demographischen Zusammenbruch der Industriegesellschaften nicht aufhalten, sondern vielmehr weiter beschleunigen. Und diesen Zusammenhang herzustellen in dieser Diskussion ist zwingend, da der Faktor Humankapital in Industriegesellschaften der entscheidende Produktionsfaktor überhaupt ist und damit jedes Gesellschaftsmodell unter „Demographie-Vorbehalt“ stellt. Reproduzieren sich eine Gesellschaft oder ein Volk unter den bestehenden Rahmenbedingungen nicht, müssen sich diese so lange ändern, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist – oder sie sind dem Untergang geweiht.

Sprechen wir doch einmal Klartext: Von den Frauen, die Anfang der 60er-Jahre in Deutschland geboren wurden, werden etwa 26% lebenslänglich aus gesundheitlichen, privaten oder Selbstverwirklichungsgründen kinderlos bleiben (Akademikerinnen: 42%!). Dies bedeutet für ein demographisches Gleichgewicht nicht weniger als 2,8 Kinder, die zum Ausgleich die übrigen 74% der Frauen dieser und nachfolgender Generationen bekommen müssten, um nicht immer wieder aufs Neue auf massive Einwanderung angewiesen zu sein. In keinem hier als vorbildlich geltenden Land, wie Norwegen oder Frankreich gibt es aber unter den Müttern mit drei kleinen Kindern eine nennenswerte – und erst recht karriereorientierte – Beteiligung am Erwerbsleben. (Diese ist gar nicht möglich, wer anderes behauptet verhöhnt die Arbeit von dreifach Müttern!) Und keines dieser Länder erreicht auch annähernd unter der autochtonen Bevölkerung eine wirkliche Reproduktion wegsterbender Generationen. Die Islamisierung über Einwanderung und Kreißsäle schreitet auch dort – nur eben in unterschiedlichem Tempo – voran. Selbst eine scharfe Ausländerpolitik allein würde daran nichts ändern. Denn kein Land mit Wohlstand kann sich in der heutigen Situation, bezogen auf die Bevölkerung „gesund schrumpfen“, da auf die heutige Einwohnerzahl ausgelegte Infrastrukturen in der Logik kommunizierender Röhren die Länder automatisch mit – und sei es illegalen – Einwanderern füllen. Vom so angelegten Zusammenbruch der Sozialsysteme gar nicht zu reden.

Wie Warren Beatty es so schön formulierte – und auch für die Islamisierung gilt: „It’s all demographics“.

Wollen wir also unsere Kultur und Identität erhalten, müssten deutlich über die Hälfte der Frauen drei, und ansonsten so viele wie möglich wenigstens zwei Kinder bekommen. An deren Lebenswirklichkeit geht aber die Karriereförderung durch Quote und die gleichzeitig von der Politik geäußerte Erwartungshaltung an ihr Karrierebestreben völlig vorbei. Wollen wir die völlige Überfremdung unseres Landes vermeiden, müssen wir Frauen in der Gesellschaft auch wieder in ihrer Rolle als Mütter annehmen, ihnen für die Leistung zwei oder drei Kinder groß zu ziehen Sozialprestige (und Geld) zuteil werden lassen. Diesen Frauen hilft – neben Kinderbetreuungsmöglichkeiten – viel eher ein Sozialsystem, das Arbeitgeber von vor- und nachgeburtlichen Krankheitskosten entlastet und damit perverse Anreize beseitigt. Für diese Frauen müssen vermehrt Teilzeit-Arbeitsangebote geschaffen werden. Außerdem müssen hochwertige, von der Allgemeinheit zu tragende, berufliche Requalifizierungsangebote nach einer längeren Familienphase geschaffen werden.

Und selbst eine staatlich vorgeschriebene Überweisung von jeweils 50% des Netto-Gehalts eines Familienvaters auf ein Konto seiner Frau könnte ein gar nicht so abwegiger Beitrag sein, die von der Mehrheit der Frauen immer noch gerne ausgeübte Haupttätigkeit als Humankapital-Familien-Manager weiter aufzuwerten. (Natürlich würde es dann immer öfter auch den umgekehrten Fall geben, wo allein schon aufgrund der besseren Berufsausbildung der Frau dann der Mann zu Hause bliebe.) Und selbst wenn wir auf diesen Schritt verzichten. Allein die immer noch durchschnittlich sechs Jahre mehr Lebenserwartung, über die Frauen nicht nur in Deutschland verfügen, relativieren nicht nur die Frage nach dem Lebenseinkommen, sondern führen auch dazu, dass die Weitergabe der Vermögenswerte einer Generation in der Regel eine Frauenangelegenheit ist. Auch dies ist ein beträchtliches Stück ausgleichender Frauenmacht, das marktfeindliche Frauen-Karrierequoten entbehrlich machen sollte. Nicht zu reden von den Begehrlichkeiten, die solch eine Quote morgen unter Legasthenikern, kleinen Menschen oder Kurzsichtigen hervorrufen könnte – von Migranten ganz zu schweigen.

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