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Medienzentrale Köln: Geschäft der Gegenseite

Das erzbischöfliche Ordinariat in Köln unterhält eine Medienzentrale mit umfangreichen Film- und Material-Angeboten, das sich vor allem an Religionslehrer und Mitarbeiter in den Pfarrgemeinden wendet und auch im Internet präsent ist. DVDs, CDs und sonstige Materialien können von Interessierten ausgeliehen werden. Katholische Religionslehrer erhalten regelmäßige „Impulse“-Hefte und weitere Unterlagen zur Unterrichtsvorbereitung.

(Von Felizitas Küble, Leiterin des kath. KOMM-MIT-Jugendverlags in Münster)

So weit, so gut, müsste man meinen. Diese bischöfliche Dienststelle betreibt allerdings – z. T. mit ideologischer Verbissenheit – vielfach das Geschäft der Gegenseite. All dies auf Kosten des Kirchensteuerzahlers: ein innerkirchlicher Skandal also!

Hierzu einige Beispiele:

Die Film-Angebote zum Thema „Gottesbilder“ werden vom Redakteur dieser Medienzentrale (Matthias Ganter) folgendermaßen eingeleitet:

Seit Jahrtausenden machen sich Menschen Gedanken über Gott. Trotzdem stehen wir immer noch – mal staunend, mal verunsichert – einem Geheimnis gegenüber. Es gab gerade im christlichen Abendland Versuche, Gott in eindeutige Begriffe zu zwingen – mit der Nebenwirkung, dass mit der Unverfügbarkeit Gottes auch die Freiheit und Würde des Menschen missachtet wurden: begriffliche Eindeutigkeit, klare Abgrenzung von Gut und Böse, führten oft zur Verengung des Blicks bis zur Intoleranz und offenen Gewalt gegen alles vermeintlich andere.

Ob mit dem sog. „Versuch, Gott in eindeutige Begriffe zu zwingen“, die christlichen Glaubenslehren über Gott angesprochen sind? Was ist mit der hier verurteilten „begrifflichen Eindeutigkeit“ und der „klaren Abgrenzung von Gut und Böse“ genau gemeint? Etwa die Zehn Gebote und die sittlichen Ideale des Christseins?

Zu den merkwürdigen Texten passen eine Reihe entsprechender Film-Tipps. So bietet die Medienzentrale z.B. folgende DVDs zum Verleih an:

JESUS VON MONTREAL

In diesem 1989 entstandenen Kinofilm geht es laut Kölner Medienstelle um eine „provokante Neuinterpretation eines Passionsspiels“, das – so wörtlich – „beim Publikum Begeisterung auslöst“, hingegen „bei der Amtskirche auf Ablehnung stößt“.

Zum Inhalt: Auf Wunsch eines katholischen Geistlichen wird ein Laienschauspieler mit der Zusammenstellung einer Schauspieltruppe beauftragt, die das Leben und Sterben Christi aufführen soll. Im Laufe der Inszenierung identifizieren sich einige Darsteller immer stärker mit dem, was sie aufführen. Doch der auftraggebende Pater lehnt das Schauspiel zunehmend ab.

Weiter heißt es in der Filmbesprechung:

Der Film entwickelt eine subjektive und vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Jesus der Evangelien und entwirft eine pointierte Gesellschafts- und Kirchenkritik.

Die bischöfliche Amtsstube beschränkt sich bei diesem Film nicht auf den Verleih der DVD, sondern schreibt überdies:

Die DVD enthält umfangreiches didaktisches Zusatzmaterial auf CD-ROM-Ebene.

Worin besteht nun die „Gesellschafts- und Kirchenkritik“ dieses ungewöhnlichen „Jesusfilms“? – Des Rätsels Lösung: Christus wird als unehelicher Sohn eines römischen Soldaten namens Pantera vorgestellt und heißt Jesus ben (Sohn des) Pantera.

Somit wird eine alte Lügenstory neu aufgewärmt. Zugleich feiert der „Arier-Jesus“ der Nazizeit fröhliche Urständ: Damals leugnete man die jüdische Herkunft Christi, weshalb ihm ein „arischer“ Römer, möglichst noch ein „rassereiner“ Germane im römischen Heer als biologischen Vater angedichtet wurde.

Zur „Kirchenkritik“ dieses „Passionsfilms“, der Christus lästert und die Madonna schmäht, gehört wohl auch der süffisante Umstand, dass der als „rechtgläubig“ auftretende Priester mit einer intimen Geliebten verbandelt ist; so wird der „Kirchenvertreter“ auch persönlich als unglaubwürdig präsentiert.

Nun ist man seitens der Filmwelt mitunter durchaus Kummer gewohnt – doch weshalb wird ein solch ebenso absurder wie antichristlicher Film von einer bischöflichen Stelle beworben?

PLÄDOYER für den DARWINISMUS

Zum Thema „Welterklärung/Schöpfung“ präsentiert Redakteur M. Ganter ebenfalls seine Erleuchtungen:

Gerade im laufenden Darwinjahr bietet sich die Beschäftigung mit der sich ausbreitenden kreationistischen Schöpfungsvorstellung an, die naturwissen-schaftliche Erkenntnisse der letzten Jahrhunderte, vor allem natürlich die Evolutionstheorie, als blasphemisch zurückweist. Die durchaus fragile gegenseitige Anerkennung von Naturwissenschaft und Theologie soll darin durch eine „wörtliche“ Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte ersetzt werden.

In Wahrheit ist die Kritik am Darwinismus viel breiter gespannt und umfaßt nicht allein Anhänger „kreationistischer“ Bibelgläubigkeit, die eine Schöpfung durch Gott genau entlang der Genesis (1. Buch Mose) vertreten.

Die Denkrichtung des „Intelligent Design“ (ID), die nicht unbedingt von einem persönlichen „Schöpfergott“ spricht, aber von einer „intelligenten Ursache“ bzw. einem bewußten „Plan“ hinter der Weltentstehung ausgeht, findet immer mehr Anhänger, auch unter nichtchristlichen Naturforschern.

Dieses abstrakte Theoriegebäude wird von fanatischen Vordenkern der Evolutionstheorie allerdings ähnlich scharf bekämpft wie der sog. „Kreationismus“ aus dem christlich-evangelikalen Spektrum.

Dass die bischöfliche Amtsstube den „Kreationismus“ derart intolerant attackiert, ist schon verwunderlich genug. Doch wie bewertet man dort das „Intelligent Design“?

Selbst dieser dezente Ansatz wird nicht akzeptiert; er gerät paradoxerweise gar in den Verdacht des „Gotteslästerlichen“. Eine merkwürdige Logik, die uns Herr Ganter hier bietet:

Hier drängt sich allerdings die Frage auf, was blasphemischer ist: aus Beobachtungen der Natur ein neues Bild des Schöpfungsprozesses zu zeichnen oder die Behauptung, Gottes Vernunft mit dem Regelsystem des „Intelligent Design“ durchschauen zu können.

Zudem empfiehlt die Medienzentrale folgenden Film mit dem ironischen Titel:

DER TEUFEL HEISST DARWIN

Diese „Dokumentation“ wird sodann näher vorgestellt:

Die fundamentalistische Bewegung der Kreationisten verteufelt die Evolutionslehre von Charles Darwin und will durchsetzen, dass in den USA in den Schulen das „Intelligent Design“ gelehrt wird.

Hier werden „Kreationisten“ und Vertreter des „Intelligent Design“ undifferenziert in einem Topf verrührt, um das eigene Feindbild zu vereinfachen.

Doch die Kölner Medienstelle weiß Schlimmes zu vermelden:

In Deutschland gibt es zwei Schulen, in denen diese Lehre (Intelligent Design) bereits in Biologie unterrichtet wird. Eine aufrüttelnde Dokumentation.

„Zwei Schulen“ in Deutschland – wenn das kein Anlass für eine „aufrüttelnde“ Dokumentation ist…

Überdies bietet die Medienzentrale einen weiteren „Dokumentarfilm“ an, der ebenfalls vor „christlichen Fundamentalisten“ warnt, die dort mehrfach in Zusammenhang mit islamischen Terroristen gebracht werden:

MIT GOTT GEGEN ALLE

Dieser 2006 in Deutschland entstandene Film von Dirk Laabs passt mit seinen 45 Min. minutengenau in eine Schulstunde. Die Medienstelle fügt hinzu: „Eignung ab 14 Jahren.“

Wörtlich heißt es in Ganters Filmbeschreibung:

Weltweit sind religiöse Fundamentalisten auf dem Vormarsch, ob islamistisch oder christlich-fundamentalistisch. Die christlichen Fundamentalisten (…) sind besessen davon, ihre Ziele gesellschaftlich und politisch durchzusetzen. Plötzlich heißt es wieder, Gott habe die Welt erschaffen, und zwar genau dem biblischen Wortlaut entsprechend. Eine „Gegen-Aufklärung“ wird inszeniert.

Dirk Laabs trifft religiöse Fundamentalisten christlicher und islamischer Couleur in mehreren Ländern – sowie Menschen, die vor dem Einfluss der Fundamentalisten warnen.

Abgesehen davon, dass damit unfaire Stimmungsmache bei Schülern „ab 14 Jahren“ betrieben wird, ist derlei Hetze auch ökumenisch betrachtet reichlich daneben: Hier werden Evangelikale bzw. bibeltreue Protestanten als Zerrbild präsentiert. Entspricht dies dem Geist der vielgerühmten „Geschwisterlichkeit“? Oder gilt die ökumenische Feinfühligkeit etwa ausschließlich den linkslastigen Protestanten?

Man fragt sich überdies, warum im Angebot der Kölner Medienzentrale jener Film fehlt, der in den USA im Jahre 2009 ein Renner war und erfolgreich in den Kinos lief, nämlich die mittlerweile auch auf deutsch erhältliche Dokumentation

EXPELLED

des jüdischen Publizisten Ben Stein. Der genaue Titel des teilweise humorvoll inszenierten Films lautet: „Expelled: No Intelligence Allowed!“ (Ausgegrenzt: Intelligenz streng verboten!).

Der Doku-Streifen berichtet faktenstark darüber, dass weltweit immer mehr Naturwissenschaftler „expelled“ und beruflich ausgegrenzt werden, weil sie sich zur Denkrichtung des „Intelligent Design“ bekennen, wozu neben Christen auch Andersgläubige oder Agnostiker gehören. US-Regisseur Ben Stein lässt freilich die Gegenseite ebenfalls zu Wort kommen, darunter bekannte Vertreter des Atheismus, die er nach dem Ursprung des Lebens und des Universums befragt.

Die zunehmende Bewegung des „Intelligent Design“ bestätigt erneut das bekannte Wort von Werner Heisenberg (1901-1976), dem bekannten deutschen Physiker und Nobelpreisträger:

Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, doch auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

Diese Auffassung vertreten offenbar auch weit über 80 Prozent der US-Amerikaner. Das bekannte Meinungsforschungsinstitut Gallup führte Anfang Dezember 2010 eine Umfrage über die Ansichten der US-Bürger zum Thema „Schöpfung oder Darwinismus“ durch. Das Resultat: 40% der Befragten glauben, dass Gott die Welt genau so erschaffen hat, wie es der Wortlaut der Genesis berichtet – dies entspricht dem „kreationistischen“ Standpunkt.

Weitere 38 % sind überzeugt von einem „planvollen“ Ursprung des Universums durch eine höhere Intelligenz: dies entspricht dem „Intelligent Design“. – 2% der Befragten konnten sich nicht für einen Standpunkt entscheiden. Lediglich 16% der Amerikaner sind Anhänger einer Weltentstehung ohne Gott bzw. ohne „höheres Wesen“.

Dieses Meinungsbild „überm grünen Teich“ müsste in einer bischöflichen Medienstelle normalerweise große Freude auslösen; stattdessen wird diese Denkweise von mehr als 80% der US-Amerikaner in der Kölner Zentrale bissig bekämpft.

Joachim Kardinal Meisner, der Erzbischof von Köln, ist verantwortlich für die Vorgänge in seinem Ordinariat, auch für die „Stabstelle Medien“ und ihr Schreiben und Treiben. Er sollte unverzüglich dafür sorgen, dass seine Medienzentrale ihre unfairen Attacken gegen christliche Positionen oder sonstige zeitgeistkritische Standpunkte einstellt und stattdessen die Grundsätze und Ideale des Glaubens verbreitet.