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PI wirkt

Kreiszeitung Böblinger BoteSie gehört zu den Geschichten, die man so schnell nicht vergisst. Vor drei Tagen wurde hier über eine seit 30 Jahren in Deutschland lebende Türkin berichtet, deren REHA-Behandlungsunfähigkeit aufgrund fehlender Deutschkenntnisse, den verantwortlichen Oberarzt zum Abbruch der Kur veranlasste. Dass dieser infolge einer Kampagne der „Kreiszeitung Böblinger Bote“ – so die mehr als unterschwellige Darstellung des Blatts – dann deshalb seinen Job verloren habe, regte nicht wenige PI-Leser völlig zu recht auf.

(Von Thorsten M.)

Nichts anderes sagt nämlich die nachfolgende Satzkombination in dem Zeitungsartikel aus:

So kam der [Presse-] Kontakt mit der Familie [Cengiz] zustande und darauf auch die Nachfrage [der Zeitung] in der Kurklinik. Dort hat sich seit dem Vorfall einiges verändert. Dem verantwortlichen Oberarzt wurde mittlerweile gekündigt, ist zu erfahren.

Die betroffene Provinzzeitung war von der erzeugten Reaktion ihrer Kampagnen-Berichterstattung – wie es scheint – mehr als überrascht. Offenbar quoll der e-Mail-Briefkasten der Redaktion über und man sah sich unter der Überschrift „Entrüstungssturm bläst vom rechten Rand“ zu einer halbseitigen „Klarstellung“ und Kritik an PI und seinen Lesern veranlasst:

Der wesentliche Kritikpunkt ist dabei, dass man PI „eine verzerrte Darstellung des Falls“ unterstellt. So habe die Leitung der fraglichen Kurklinik in ihrer letzten (?) Darstellung des Sachverhalts gegenüber der Zeitung Wert darauf gelegt, „dass die Kündigung des Oberarztes schon vor dem Vorfall mit Frau Cengiz erfolgte, weil der sich wegen des privaten Umfelds verändern wolle“. Dies riecht durchaus nach Schutzbehauptung, da durch den entstandenen Aufruhr offenbar alle Beteiligten das selbe Interesse haben, Ruhe in das Thema zu bekommen. Aber selbst wenn diese Aussage zuträfe, nimmt dies der Kritik an der „Kreiszeitung Böblinger Bote“ nichts von ihrer Brisanz. Denn dies ändert nichts an dem Vorwurf, dass die Zeitung sich gegenüber der Klinik zum Fürsprecher von Integrationsverweigerern gemacht hat – und ihrer Leserschaft mit der oben zitierten Wortwahl bewusst oder fahrlässig den Eindruck eines „gelungenen Abschusses“ des Oberarztes vermittelte. Für einen handwerklich sauberen Bericht fehlt nämlich eindeutig der Halbsatz „[er hat] aus anderen Gründen [die Klinik verlassen]“. Ohne das Wirken von PI wäre dies den Lesern der „Kreiszeitung Böblinger Bote“ gegenüber sicher nicht korrigiert worden – und sie wären ein Stück mehr verunsichert, wie weit man sich gegen Integrationsverweigerung im Land überhaupt noch zur Wehr setzen darf.

Für den offenbar volontierenden Schreiberling Jan-Philipp Schlecht wird dieser Vorfall – allen Kündigungsaufforderungen zum Trotz – natürlich keine negativen Folgen haben, darf er sich doch im Gegenteil jetzt ein Stück wichtiger fühlen. Schließlich trägt die Zeitung den Vorfall, wie sie schreibt, „ohne Probleme“. Sicher kann er sich mit diesem Vorgang um einen der zahllosen Zivilcourage-Preise im Lande bewerben und seine ansonsten branchenbedingt maue Berufsperspektive in der schreibenden Zunft damit etwas aufbessern.

Aber auch PI darf sich „ein bisschen wichtiger fühlen“. Denn dieser Schlagabtausch zeigt, dass sehr wohl viele Leser die Berichterstattung hier zum Anlass nehmen, Missstände gegenüber den Verantwortlichen anzuprangern. Und in der Masse kann dies offenbar eine sehr scharfe Waffe werden. Denn selbst wenn die PI-Leser in 99% der Fälle kein vergleichbares Feedback auf ihre Beschwerden bekommen, können sie sich doch darauf verlassen, dass sie die Adressaten zumindest mächtig zum Nachdenken bringen.

Eines muss an dieser Stelle allerdings auch einmal (selbst-)kritisch gesagt werden: Manche Kommentare im Thread – auf den sich die Zeitung auch bezieht – sind schon inhaltlich „grenzwertig“ und werden nur aus einem freiheitlich-amerikanischen Verständnis von Meinungsfreiheit bisher nicht gelöscht. Auch wenn man beobachten kann, dass sie sich von den unzensierten Kommentaren auf den Webseiten der etablierten Systempresse nicht unterscheiden, liefern sie Kritikern Munition, PI – wie in diesem Fall – eine „rechtsradikale“ Haltung zu unterstellen. Bitte daher immer daran denken: Wer mit rekonstruierbarem Bezug zur Berichterstattung bei PI unsachlich und beleidigend wird, muss sich bewusst sein, dass dies auch auf das Projekt PI zurück fallen kann.

(Spürnase: Wolfram)