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Der Euro und der Systemfehler

Der Euro und der SystemfehlerNach unzähligen Wirtschaftskrisen in der Geschichte befindet sich Europa in einem angenehmen Wohlstand. Die meisten von uns haben eine größere Wirtschaftskrise noch nie erlebt. Die letzten zwei großen Krisen begannen am so genannten „schwarzen Freitag“ 1929 und in Folge des zweiten Weltkriegs. Wie schön dagegen ist seither der Jahrzehnte lange Wohlstand, der, wie es scheint, unendlich anhalten könnte. Doch der Schein trügt.

(Eine Euroanalyse von Eduard Benda)

Es droht neues Unheil als Folge unserer schamlosen Verschuldungspolitik und „dank“ der Einführung des Euros. Der Samen für die nächste Weltwirtschaftskrise wird womöglich schon in absehbarer Zeit aufgehen und die Folgen könnten nicht nur wirtschaftlicher Art sein.

Der Euro wird früher oder später an seinem Systemfehler zerbrechen. Als Konsequenz werden alle in Euro gefassten Vermögenswerte wie Sparguthaben, Anleihen, Lebensversicherungen, Rentenansprüche, etc. von heute auf morgen nur noch einen Bruchteil des heutigen Wertes aufweisen oder nichts mehr wert sein.

Eine Gemeinschaftswährung kann auf Dauer nur unter gleichwertig starken Wirtschaftsnationen funktionieren. Für die wirtschaftlich schwächeren Länder im Euroraum ist der Euro zu stark bewertet, um mit ihren Produkten auf den Weltmärkten preislich konkurrieren zu können. Deren Exportprodukte sind schlichtweg zu teuer geworden.

Noch vor der Einführung des Euros waren die Währungen der wirtschaftlich schwächeren Länder adäquat schwach auf den Devisenmärkten bewertet und somit waren deren Waren auf den Weltmärkten auch preisgünstiger zu haben.

Des Weiteren besaßen die „schwachen Länder“ aber auch die Option, ihre Währungen künstlich noch weiter abzuwerten, um in Krisenzeiten den Export zu beflügeln. Eine künstliche Abwertung der Währung bedeutet nichts anderes als dem eigenen Bürger eine gewisse Menge Geld aus der Tasche zu ziehen. Es war zwar eine unschöne Art und Weise, aber auch eine Notlösung, um die Exportindustrie konkurrenzfähig zu halten und Arbeitsplätze zu sichern.

Mit dem Euro jedoch wird die Wirtschaftskraft dieser Länder zwangsweise immer schwächer und schwächer, während die „starken Länder“ dazu verdonnert sind, für deren unentwegt steigende Verluste und Schuldenberge zu haften, um nicht selbst mit unterzugehen. Schließlich sitzen alle auf Grund der Gemeinschaftswährung im selben Boot.

Die starken Euroländer jedoch werden nicht unbegrenzt für die Schulden anderer aufkommen können, weil sie meist auch selbst über beide Ohren verschuldet sind. Es liegt daher auf der Hand, dass sich der Euro in absehbarer Zeit in Luft auflösen wird.

Werden z.B. Griechenland, Spanien, Italien und Portugal den Staatsbankrott erklären müssen, wird der restliche Euroraum auch auf jenen Schulden sitzen bleiben, für die nicht gebürgt wurde. Quasi auf den größten Teil der Gesamtschulden. Und das hat zwei Gründe:

Zum einen ist es die gemeinsame Währung namens Euro. Denn alle Anleihen der bankrotten Staaten, die die Europäische Zentralbank (EZB) hält, werden nach einer Entschuldung nichts mehr wert. Zum anderen sind neben der EZB deutsche Banken, französische Banken und Banken in anderen Euroländern die Hauptgläubiger der Schuldenberge.

Die Konsequenz wird der Konkurs der meisten systemrelevanten Banken sein. Das europäische Finanzsystem wird zusammenbrechen und der Finanzmarkt völlig zum Erliegen kommen. Dies wiederum wird den Bankrott aller Eurostaaten zur Folge haben. Und letztendlich würden auch die USA und Japan, die sowieso schon fast pleite sind, mitgerissen werden. Eine allgemeine Währungsreform für eine Generalentschuldung wird dann unumgänglich. Alle Länder müssten „zurück auf START“, um bei Null wieder anzufangen.

Die Folge aus alldem wird eine lang anhaltende, sehr tiefe Weltwirtschaftskrise sein, die mindestens so heftig sein wird, wie nach dem schwarzen Freitag im Jahr 1929. Natürlich werden auch Aktienkurse tief fallen, weniger wegen der Währungsreformen, sondern vielmehr als Folge der immensen Wirtschaftsflaute. Wer dann Immobilien oder Rohstoffe wie Edelmetalle, etc. besitzt, wird deutlich im Vorteil sein.

Aber nehmen wir mal an, die wirtschaftlich schwachen Euroländer wären nicht von der Staatspleite bedroht. Dann wäre der Euro auch für die starken Länder nicht wirklich ein Segen. Der viel beschworene Satz „Deutschland profitiert vom Euro“ ist so nicht richtig. Die Frage ist, welcher Teil Deutschlands profitiert vom Euro?

So wie der Euro in wirtschaftlich schwachen Ländern relativ hoch bewertet ist, so ist er umgekehrt in einem wirtschaftlich starken Land wie Deutschland relativ schwach bewertet. Es ist eben ein Devisenwert gemessen an der Wirtschaftsleistung des gesamten Euroraums. Folglich hat der Euro einen gewissen Mittelwert und somit ist die Kaufkraft des deutschen Bürgers geringer, als es mit einer eigenen deutschen Währung der Fall wäre. Hätte Deutschland noch die D- Mark, wäre die allgemeine Kaufkraft des Bürgers folglich höher.

Welches Deutschland profitiert also von einer Währung, die schwächer ist, als sie eigentlich sein sollte? Es sind die Firmen, die mittelbar oder unmittelbar für die Exportwirtschaft tätig sind und Bürger, die deren Aktien besitzen. Warum? Ja richtig, der Grund ist wieder einmal, weil deutsche Exportwaren auf den Weltmärkten besser zu verkaufen sind, weil sie von anderen Ländern preisgünstiger erworben werden können – dank des zum Realwert für Deutschland relativ niedrig bewerteten Euros, versteht sich. Der Gewinner ist also die deutsche Exportindustrie, die vor dem Euro ohnehin schon die Stärkste der Welt war.

Und welches Deutschland ist nun der Verlierer der Eurogeschichte? Es ist neben der Binnenwirtschaft der Normalbürger, der wegen der geringeren Kaufkraft des Euros für den Einkauf seiner benötigten Waren und Dienstleistungen länger sparen muss. Es ist also der Normalverbraucher, dem „dank“ des Euros Kaufkraft entzogen wird. Er wird sozusagen zu Gunsten der Exportindustrie um seine reale Kaufkraft betrogen. Wäre Deutschland bei der guten alten D-Mark geblieben, wären alle Waren und Dienstleistungen für den Bürger leichter zu erwerben.

Der Euro aber ist nicht allein für die kommende Misere verantwortlich. Nein, genauso Schuld hat die allgemein beliebte und bequeme Verschuldungskultur in nahezu allen Staaten dieser Welt, die es den Menschen ermöglicht, über Jahrzehnte hinweg schmarotzend über die Verhältnisse hinaus zu leben. Meiner Meinung nach dürfte ein Staat grundsätzlich nicht mehr ausgeben als er einnimmt, mit Ausnahme von absoluten Notfällen wie bei Naturkatastrophen, jedoch mit schnellstmöglicher Rückzahlung. Alles andere ist eine Politik auf Kosten der eigenen Kinder und Enkelkinder, die von den Zinsen und Zinseszinsen langsam aber sicher erdrückt, schließlich im Staatsbankrott enden und vor dem Nichts stehen.

Was aber die Menschen am meisten umtreiben sollte, ist die Sorge, dass sich in wirtschaftlich schweren Zeiten die westeuropäischen Integrationsprobleme mit Muslimen um ein Vielfaches potenzieren könnten. Ethnische und kulturelle Unterschiede in Verbindung mit einer wirtschaftlich großen Krise haben in der Vergangenheit immer leicht zu gewaltsamen Konflikten geführt.

Wer die Nachrichten verfolgt, wird wissen, dass es in den Pariser Vorstädten und in Stadtvierteln anderer französischer Städte, seit mehreren Jahren bereits immer wieder zu gewaltsamen Konflikten kommt. Muslimische Migranten liefern sich tagelange Straßenschlachten mit der Polizei, während brennende Straßenzüge und bis zu 1000 abgebrannte Autos pro Nacht heute bereits die Realität sind.

Teilweise sind diese Stadtviertel zu rechtsfreien Räumen geworden, in denen bereits eine „regelrechte“ Anarchie herrscht. Der Staat hat die Kontrolle über diese Gebiete verloren. Die Polizei kann Recht und Ordnung nicht mehr durchsetzen, da sie den dort herrschenden Clans und Jugendbanden schlicht nicht mehr Herr wird.

Man braucht nicht allzu klug zu sein, um sich vorstellen zu können, wie es dann in Zeiten schwerer Krisen erst aussehen wird. Und dass diese Tatsache kein französisches Phänomen bleibt, dürfte unumstritten sein.

» Kontakt zum Autor: gegenwelle@gmail.com


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