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Die Krankheit des Propheten

Geus Krankheit des Propheten UmschlagAus dem Inhalt: Das Elend des Monotheismus – Halluzination und Prophetie – Der religiöse Wahn – Auf dem Weg in die Psychose – Schizophrenien – Narzissmus und Ressentiment – ­Spekulative Diagnosen – Gesund, gerecht und gottesfürchtig – Der Mensch in Gottes Hand – Engel, Satan und die Dschinnen – Epilog. Gläubige Moslems verehren in Mohammed, dessen Name im zweiten Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses genannt wird, den vollkommensten Menschen, der je auf Erden gelebt hat.

(Ein pathographischer Essay von Armin Geus, Marburg an der Lahn 2011)

Seine schweren charakterlichen Mängel, der ausufernde Größenwahn, die sexuelle Verwahrlosung im ­Alter und die gnadenlose Verfolgung von Feinden wurden so erfolgreich verdrängt, dass kaum jemand wagte, sich damit zu beschäftigen. Schmähungen des Propheten werden zudem schwer bestraft.

Immerhin äußerten Zeitgenossen, Mohammed sei wahnsinnig oder besessen und müsse ärztlich behandelt werden. Der oströmische Historiker Theophanes Confessor (765–814) meinte, der Prophet leide an epileptischen Anfällen, die seit den ältesten Zeiten mit Dämonen und bösen Geistern in Verbindung gebracht wurden. Indessen hatten griechische Ärzte den somatischen Charakter der Heiligen Krankheit längst identifiziert und cerebrale Störungen als die eigentliche Ursache erkannt.

Die Autorität des russischen Romanciers Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821–1881), der die eigene Epilepsie überzeugend beschrieben und seine Erfahrungen mit der Krankheit des Propheten verglichen hat, stützte die Diagnose, an der viele Islamwissenschaftler bis heute unkritisch festhalten. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchten allerdings erste Zweifel auf. Während der Arzt und Orientalist Aloys Sprenger (1813–1893) betonte, dass Mohammed während der wiederkehrenden Erregungszustände nicht bewusstlos gewesen ist und den Wortlaut der Offenbarungen vollständig rekapitulieren konnte, also an einer Hysteria muscularis mit den typischen Konversionssymptomen litt, ließen sich andere Mediziner zu völlig abwegigen Diagnosen, wie Akromegalie oder Korsakov-Syndrom, verleiten. In der neueren Literatur werden psychomotorische Attacken, auch als Temporallappenepilepsie bezeichnet, und Dysfunktionen des retikulären Systems im Zwischenhirn mit spontanen Schlafanfällen, diskutiert.

Die vorliegende Pathographie des emeritierten Marburger Medizinhistorikers Armin Geus kommt nach Sichtung der literarischen Quellen zu dem Ergebnis, dass der Prophet an einer chronischen, paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie erkrankt war.

Die Auslieferung des Bandes „Die Krankheit des Propheten“ (220 S., 6 Abb., Ebr., 17 x 27 cm. ISBN 978-3-941365-15-5, Preis: 36 Euro) erfolgt voraussichtlich am 31. März 2011. Bestellungen ab sofort direkt an den Verlag Basilisken-Presse, Postfach 561, 35017 Marburg an der Lahn. Telefon: 06421-15188.