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taz in Debatte um Wilders-Freispruch unter Druck

Die taz hatte in einem Kommentar den Freispruch von Wilders kritisiert und eine Strafe gefordert. Ein Leser beschwerte sich darüber, dass die taz sich jetzt für Zensur und gegen Meinungsfreiheit engagiert. Die Redaktion sah sich genötigt, dazu in einer recht wirren Stellungnahme zu antworten. Wir wollen unsere Aufmerksamkeit aber mehr auf einen lesenswerten Kommentar einer taz.de-Leserin unter diesem Beitrag legen, den wir nachfolgend im Wortlaut wiedergeben.

„Feministin“ schreibt am 24.06.2011 um 9:56 UHR in der taz:

Ich finde es schade, daß ihr meistens das Weltbild der achtziger Jahre bedient ohne zu reflektieren, daß der Islam und dadurch viele meist jüngere, korangeschulte, männliche Muslime, die populäre Meinung mitgebildet haben.

Fragt ihr euch nie, wieso Wilders gewählt wird? Kommt alles nur davon, daß die Leute zuhause sitzen, im Alltag niemals Muslimen begegnen und dann sagen „die finde ich einfach doof, weiß auch nicht warum?“ In Amsterdam z.B? Alles dumme Nazis oder was? Könnten sie nicht, wie das menschliche Lernverhalten nun mal so ist, auf reelle Alltagserfahrungen reagieren?

Ich habe es so satt, daß das frauenverachtende Weltbild im Islam offensichtlich kein Thema ist, aber dass die Muslime jetzt voll gekränkt sind schon, ich bin auch oft beleidigt und gekränkt worden, in Bussen und U-Bahn, aber das ist ja egal, das muß ich aushalten.

Vielleicht ist es aber auch anders und durch ständige berechtigte Kritik fassen sich manche auch mal an die eigene Nase. Sind die aus Zucker? Entweder, sie überlegen auch mal, warum sie so unbeliebt sind, oder sie sind für eine multikulturelle Gesellschaft nicht tragbar, weil sie allen anderen ihr Weltbild aufzwingen wollen.

Kommt bitte nicht mit: „Aber man darf doch nicht alle pauschalieren“, das ist mir auch klar, ich meine die, die Demagogen wie Wilders Wahlhelfer sind, weil sie die „Autochtonen“ und alle anderen schikanieren. Fragt mal die armenische Gemeinde in Holland, ganz große Wilders-Fans.

Ein Kopftuch bedeutet: „Ich bin keine Schlampe“. Der Umkehrschluß für Nichtträgerinnen ist also…? Ich bekomme in Berlin mittlerweile bei achtzig Prozent der Begegnungen von männlichen Muslimen zu hören „Ey Frau, Lust auf mich?“

Ich hatte als junges Mädchen noch genau so eine Meinung wie im obigen Kommentar, inzwischen bin ich nur noch angewidert, daß Kritik am Islam das Problem ist, aber nicht die von ihm untrennbare Verachtung von jeder Form der freien Lebensgestaltung, der Rasse, der Religionzugehörigkeit und vor allem des „unterlegenen“ Geschlechtes.

Populist kommt von populus, und das, was die einfachen Leute inzwischen fast täglich an Diskriminierung ertragen müssen, kommen Zustimmungwerte wie bei Wilders.

Und ihr überlaßt solchen Leuten die Kritik und tut so, als wären sie das Problem. Ich bin von diesem unerträglichen „rechts/links“-Gewäsch in Deutschland inzwischen so genervt, könnten wir nicht einfach sagen: „Hier sind die Menschenrechte auf Würde, Unversehrtheit und Selbstbestimmung, und jeder, der diese Linie überschreitet, egal wer, geht zu weit“?

Ich erinnere mich an einen furchtbar verheuchelten Artikel in der Taz, wo eine Autorin beklagte, daß ihre männlichen muslimischen Bekannten nicht „rangelassen“ werden, um eine deutsche Frau benutzen zu können wie ein billiges Taschentuch, es war nur vom Triebablass die Rede, nicht von Respekt oder gar Liebe.

Wenn deutsche Männer so drauf wären, würden sie bei euch sowas von fertiggemacht, aber hier soll ich mich aus lauter Angst als ausländerfeindlich zu gelten noch zur Verfügung stellen, so kam dieser Beitrag rüber.

Ich bin von „links“ inzwischen total enttäuscht, keine Werte sondern sture Ideologie, lasst euch von der Realität nicht aufhalten. Der imaginären Ohrfeige hat meine dominikanische Freundin eine echte entgegenzusetzen, in Berlin/Neukölln mit den Worten „Du Hure“, weil sie grade NICHT mit dem netten arabischen Jungen in die Kiste wollte.
Wie man in den Wald reinruft….

Bestimmt wird dieser Kommentar nicht freigeschaltet, wenn doch, Respekt, daß ihr doch noch andere Meinungen zulasst, was ich bei Linken immer mehr vermisse, je mehr die Wirklichkeit ihrem Weltbild zuwiderläuft.

Ich jedenfalls habe meine politische Heimat verloren, weil ich bei allen nur auf Dogmen stoße, die quasi religiösen Status besitzen. Bis auf die, die eine schlimme Lektion gelernt haben. Vor allem wehrlose Frauen und Schwule, die zunehmend in Holland den Populisten Wilders wählen, weil sie schon mal auf der Intensivstation gelandet sind. Wahrscheinlich durch Ohrfeigen.

Sieht so aus, als ob die Linken allmählich in Sachen Islam ordentlich Gegenwind aus den eigenen Reihen bekommen.