- PI-NEWS - https://www.pi-news.net -

Umstrittener Großmufti Ceric auf Kirchentag

Großmufti Mustafa Ceric [1]Diesen Donnerstag tritt der geistliche Führer der bosnischen Muslime, Großmufti Mustafa Ceric (Foto), auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden auf. Weiß der EKD-Präses Nikolaus Schneider, mit wem er dort reden wird? Ceric ist Mitglied im europäischen Fatwa-Rat, dessen Vorsitzender Yussuf al-Qaradawi palästinensische Selbstmordattentate befürwortet und große Sympathien für die Muslimbruderschaft hat.

(Von Aufklärer)

Zudem gilt Ceric als einer der Vordenker einer Einführung der Scharia in Europa. Wäre es nicht eher angebracht, dass der EKD-Präses mit dem Großmufti über Selbstmordattentate und die Scharia als über „soziale Gerechtigkeit“ (so das offizielle Thema) diskutierte?

Ceric ist beileibe kein Unbekannter in Deutschland und stand schon mehrfach in der Kritik. In einem Interview bekundete er offen einen islamischen Gestaltungsanspruch: Er habe das Recht, ein neues Gesicht Europas zu formen! Als er 2008 den Eugen-Biser-Preis für sein „Dialog“-Engagement erhielt, bezeichnete sogar der als islam-freundlich bekannte „Kölner Stadtanzeiger“ den Großmufti als „janusköpfig“ [2]. Auf der einen Seite gibt sich Ceric aufgeschlossen und konziliant, auf der anderen Seite ist er aber mit herausragenden Vertretern radikal-islamischer Gruppen befreundet und betreibt die Ausbreitung der Scharia.

„Europäisches Kalifat“

Anlässlich des Biser-Preises kochte abermals eine Debatte hoch um einen Aufsatz von Ceric in der Zeitschrift „European View“ [3]. Dort hatte er 2008 „eine einzige Muslim-Autorität in Europa“ auf dem Fundament von islamischem Glauben, der Scharia und dem Imamat gefordert. Die „islamische Verpflichtung auf die Scharia“ sei „immerwährend, nicht verhandelbar und unbefristet“. Die Muslime seien berechtigt und verpflichtet, „im Kontext von Zeit und Raum“ auf Basis der Scharia „über gut und böse, richtig und falsch zu urteilen“. Damit sind allerdings Konflikte mit dem freiheitlich-demokratischen Rechtstaat programmiert. Es gab Proteste gegen Cerics Aufsatz von der CDU-Extremismusexpertin Kristina Köhler (die heutige Familienministerin Schröder) und dem Herausgeber von „European View“, dem damaligen EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gerd Pöttering. Nach Einschätzung von Köhler führten Cerics Forderungen in der Konsequenz „zu einem europäischen Kalifat“.

Als Mentor und Förderer des Penzberger Imams Idriz hat Ceric in dessen Buch „Islam mit europäischem Gesicht“ seine „Deklaration europäischer Muslime“ veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung stammt vom Idriz-Freund Stefan Jakob Wimmer. Die „Deklaration“ liest sich wie eine Anleitung zum politischen und kulturellen Djihad. Ceric verlangt dort die „Institutionalisierung des Islam in Europa“, die „politische Freiheit“ für Muslime, „ihre legitimen Vertreter in die europäischen Volksvertretungen zu entsenden“ und eine „Erleichterung der europäischen Einwanderungspolitik“ für Muslime. Auch dringt Ceric darauf, muslimisches Recht im Familienrecht anzuerkennen. Das schafft ein Einfallstor für die Scharia. Zudem fordert Ceric den „Aufbau islamischer Schulen“.

Politische Ambitionen über Bosnien hinaus

Wie begann Cerics geistlich-politische Karriere? Sein enger Freund, der damalige Staatspräsident Aliya Izetbegovic, verhalf ihm 1994 putschartig ins Amt des Großmuftis. Dazu muss man die trüben ideologischen Hintergründe des Panislamisten Izetbegovic bedenken, der in seiner „Islamischen Deklaration“ von 1970 die Auffassung vertrat, es gebe keine friedliche Koexistenz von islamischen und nicht-islamischen Institutionen. Ceric wird vorgeworfen, sich nicht weit genug von dem seit dem Balkankrieg wachsenden Einfluss des Wahabismus in Bosnien abzugrenzen und sich zu stark in politische Fragen einzumischen. Moderate Muslime und bosnische Serben kritisieren, dass der Großmufti verlangt hat, die Scharia in die bosnische Verfassung aufzunehmen.

Unübersehbar ist, dass Cerics politische Ambitionen weit über Bosniens Grenzen hinaus reichen. In einem Interview mit Radio Free Europe erklärte Ceric 2006 seine Haltung zu Europa mit unmissverständlicher Offenheit: Europa gehöre nicht zu einer besonderen Kultur oder Religion – etwa der christlichen. Es gehöre allen. Zugleich hat Ceric einen muslimischen Herrschaftsanspruch angemeldet: „I have the right to shape a new face of Europe“.

Nach Berichten pakistanischer Medien hat Ceric 2010 in Karachi die muslimische Umma dazu aufgerufen, die Weltwirtschaft durch eine Halal-Bewegung zu „erobern“. Produktion und Export von Halal-Food seien geeignet, den Muslimen eine globale wirtschaftliche Position zu verschaffen und immense Gewinne zu erzielen.

Mit der weltweit agierenden radikalen Muslimbruderschaft ist der Großmufti verbunden durch seine Mitgliedschaft im European Council for Fatwa and Research (ECFR), der von Yussuf al-Qaradawi geleitet wird. Der einflussreiche Prediger Qaradawi fordert eine strikte Scharia-Gesetzgebung und hat palästinensische Selbstmordattentate öffentlich gutgeheißen. Ziel der Muslimbruderschaft ist die Islamisierung der Gesellschaft und die Errichtung eines Staates nach islamischen Grundsätzen. Freundschaftlichen Kontakt unterhält Ceric zudem mit der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), deren Vorsitzenden Karahan er unlängst in Bosnien „mit großer Herzlichkeit“ empfangen hat.

Islam-Zentrum ZIE-M als Brückenkopf für Ceric?

2012 endet die Amtszeit Cerics als bosnischer Großmufti. Sein politischer Ehrgeiz wird ihn dann zu neuen Zielen drängen. Als europäische Herausforderung könnte ihn eine Position als Führer („Obermufti“) der Muslime in Europa reizen. Hierbei spielen seine engen Kontakte zum Penzberger Imam Idriz eine wichtige Rolle. Dessen geplantes „Zentrum für Islam in Europa – München“ soll mit Hilfe arabischer Spendenmillionen gebaut werden. Sollte Idriz dies gelingen, wäre das ZIE-M eine geeignete Plattform für seinen geistlichen Förderer Ceric, um seine Vision der Einführung der Scharia in Europa voranzutreiben. Der Evangelische Kirchentag in Dresden dürfte dabei nur eine Etappe sein und dem Ziel dienen, durch öffentlichen Show- Dialog seine Bekanntheit und seinen Einfluss zu steigern.

Zumindest sollte die Evangelische Kirche in Deutschland sich nach Cerics Kontakten zu Qaradawi erkundigen und dessen Position zu Selbstmordattentaten in Israel und dem Verhältnis der Scharia zu westlichen Freiheits- und Menschenrechten kritisieren.

» Kontakt EKD-Präses Nikolaus Schneider: rv@ekd.de [4]

Beitrag teilen:
[5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12]
[13] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12]