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Kindermörder Gäfgen fordert Schmerzensgeld

Der Fall der Entführung des damals 11jährigen Jakob von Metzler war vor neun Jahren in aller Munde. Nicht nur, weil der Bankierssohn einer prominenten Familie angehörte, sondern vor allem, weil der damalige Vize-Polizeipräsident Wolfgang Daschner, dem Entführer mit Folter drohte, was ein klarer Rechtsbruch war. Trotzdem ist es schamlos, wenn der Entführer und Kindermörder Gäfgen für diese Drohung nun ein beträchtliches Schmerzensgeld fordert.

(von Thorsten M.)

N24 berichtet:

Der Fall Magnus Gäfgen geht in die nächste Runde. Ein Gericht soll entscheiden, ob dem verurteilten Mörder Schmerzensgeld zusteht. Polizeibeamte hatten dem Entführer vor neun Jahren Folter angedroht. Wie ein Bumerang kehrt der Fall Magnus Gäfgen immer wieder zur Frankfurter Justiz zurück. Nun steht die Entscheidung an, ob der inzwischen 36 Jahre alte Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler vom Land Hessen Schmerzensgeld für psychische Spätfolgen erhält, die auf ein Polizeiverhör vom 1. Oktober 2002 zurückzuführen sein sollen. Ein Befangenheitsantrag Gäfgens gegen die zuständige Zivilkammer des Landgerichts steht noch aus.

Viele Menschen, darunter Politiker und Jura-Professoren, unterstützten Daschners Vorgehen, der seine Drohungen in einer Akten-Notiz selbst öffentlich gemacht hatte. Das Urteil des Rechtsstaats fiel anders aus. Daschner und der von ihm beauftragte Vernehmungsbeamte wurden wegen Nötigung verurteilt, Strafen wurden ihnen aber nur angedroht, ihre Polizeikarrieren gingen weiter.

Wer eine solch ungeheuerliches Verbrechen begangen hat, sollte „psychische Spätfolgen“ besser als Teil einer sowieso nie angemessenen Strafe akzeptieren und nicht versuchen sich selbst zum Opfer umzudefinieren. Zumal nachdem Magnus Gäfgen auch schon damit aufgefallen war, dass er allen Ernstes eine Stiftung gründen wollte, die sich um Kinder kümmert, die Opfer einer Straftat geworden sind. Unsere Zeit ist so aus dem Gleichgewicht geraten, dass die Böcke sich frech zum Gärtner ausrufen.

Man kann nur hoffen, dass die Richter bei diesem Spiel nicht mitspielen.

Update: Was zu befürchten war, ist eingetreten. Das Landgericht Frankfurt sprach dem Kindermörder Gäfgen heute eine Geldentschädigung von 3.000,00 € plus Zinsen zu. Lediglich ein „Schmerzensgeld“ wurde ihm von den Richtern verweigert. Diese Unterscheidung kann man als juristischer Laie getrost als Spitzfindigkeit interpretieren.