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TV-Tipp: Das Schwert des Propheten im ZDF

Um 20:15 startet das ZDF seine 5-teilige Reihe „Der heilige Krieg„. Die erste Folge nennt sich „Das Schwert des Propheten“. Wollen wir mal sehen, wie stumpf das ZDF dieses Schwert schleifen wird. Die SZ meldet schon, dass „kein Krieg heilig“ sei. Nun, was den Islam anbelangt, eine äußerst gewagte These..
Update – Jetzt mit Video!
(Von Michael Stürzenberger)

Der Journalist Moritz Baumstieger, der zuletzt auch für den PI-Verriss im Stern mitverantwortlich war, beschreibt in der Süddeutschen Zeitung das Sendekonzept des ZDF-Historien-Onkels:

Wenn Guido Knopp die große Anstrengung unternimmt, die Geschichte der Glaubenskriege zu erklären, ist die Stoßrichtung schnell klar: „Kein Krieg ist heilig“, so das Credo. „Am Ende“, verrät schon der Trailer, ringen die Kriegsherren „nur um irdische Herrschaft“. Die Religion als vorgeschobener Kriegsgrund, daran habe sich im Prinzip von den Kreuzzügen des Mittelalters bis zu den Anschlägen vom 11. September nichts geändert.

Das kann ja heiter werden, wenn Knopp den Beginn der „heiligen Kriege“ mit den Kreuzzügen verortet. Haben wir da in Geschichte ein bisschen gepennt, Guido? Was ist mit 400 Jahren blutigem islamischen Dschihad vom 7. bis zum 11. Jahrhundert, bevor der erste Kreuzzug als längst überfällige Reaktion begann?

Im weiteren spricht Baumstieger doch tatsächlich von Knoppscher „Volkserziehung“:

Die jähren sich bald zum zehnten Mal, weshalb Knopp und die ZDF-Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft den Bogen von der Frühgeschichte des Islam bis in die Zeitgeschichte spannen. So mutet die fünfteilige Dokureihe Der Heilige Krieg an wie öffentlich-rechtliche Volkserziehung mit Actionszenen. Männer mit Krummsäbeln rufen „Allahu Akbar“ (Gott ist größer), bevor sie 732 zum Sturm auf das Abendland ansetzen. Männer in Kettenhemden rufen „Deus lo vult“ (Gott will es), als sie 400 Jahre später mit dem Schwert die Herrschaft des Kreuzes über Jerusalem errichten wollen. Und zwischendrin erklären Experten, wie fruchtbar doch die Zeiten der friedlichen Koexistenz beider Religionen waren.

Fruchtbar oder furchtbar? Das eine behauptet der Geschichtsverklärer, das andere der Geschichtskenner. Im Übrigen wollten die Kreuzzügler Jerusalem von der Herrschaft der islamischen Aggressoren befreien, da christliche Pilger nicht mehr zur heiligsten Stätte des Christentums reisen durften. Das hatten die bekannt „friedlichen und toleranten“ Moslems einfach mal so unterbunden. Weiter im SZ-Text:

Klar, das Terrain ist vermint: Seit den Anschlägen von New York und Washington sehen sich Islamkritiker darin bestätigt, dass der Koran ein Buch sei, das zur Gewalt aufrufe. Nicht wenige Muslime hingegen erkennen in der Reaktion des Westens einen neuen Kreuzzug, den der damalige oberste Kriegsherr George W. Bush auch noch als einen solchen bezeichnete.

Und wie das Terrain vermint ist. Allerdings nicht erst seit 9/11, sondern bereits seit den ersten islamischen Eroberungskriegen im 7. Jahrhundert unter „Allahu-Akbar“-Rufen, die durch die vernichtende Niederlage vor Wien 1683 nur vorübergehend abebbten. Da könnte selbst Guido „Islamversteher“ Knopp ins Schleudern kommen:

Also beginnen Guido Knopp und seine Mitstreiter erst mal mit einem Grundkurs Islamwissenschaft: Erzählen von der Entstehung der künftigen Weltreligion in der arabischen Wüste und geben sich dabei alle Mühe, dem Propheten Mohammed ja kein Gesicht zu geben, um Muslime nicht zu brüskieren. Zeigen dann in umso drastischeren Bildern, wie sich der Islam durch das „Schwert des Propheten“ (so der Titel von Folge eins) erst im Nahen Osten ausbreitet und Karl Martell 732 schließlich in Tours und Poitiers zur Entscheidungsschlacht über die Zukunft Europas zwingt. Nur: Ging es den Muslimen darum, die in ihren Augen einzig wahre Religion durchzusetzen – oder schlicht um Beute?

Nun, laut Koran ging und geht es zeitlos um Beides: Dem Islam zur Weltherrschaft verhelfen und nebenbei Beute machen. Alles vom obersten Chef im Himmel gefordert. Das heilige Buch der Muslime haben aber offensichtlich weder Knopp noch Baumstieger noch der Rest der islamverklärenden Journaille gelesen:

Knopp entscheidet sich für die zweite Möglichkeit, erklärt aber nicht so recht, wann den muslimischen Kriegern die Beute wichtiger wurde als der Glaube. Und auch Karl Martell und seine Leute werden auf weltliche Motive reduziert, auch wenn sie die Reliquie des „Heiligen Schwammes“ als Talisman mit in die Schlacht nahmen. Für alle Anhänger der „Clash of Cultures“-Theorie da draußen also noch einmal zum Mitschreiben: Kein Krieg ist heilig.

Wenn man keine faktische Ahnung von den geheiligten islamischen Kriegen hat, sollte man nicht vorschnell solche Weisheiten via SZ verkünden. Einige Nachhilfestunden im muslimischen Gewalt-, Tötungs- und Kriegsverständnis wären durchaus angebracht. Aber auch im Fall Baumstieger-Knopp gilt: Ideologische Volkspädagogik geht wohl vor Faktentreue.

UPDATE: Wer die historische Märchenstunde über die islamischen Eroberungskriege verpasst hat, kann sie in der ZDF-Mediathek ansehen. Achtung: Jeder geneigte Leser mit Geschichtskenntnissen sollte vorher besser Baldrian-Tropfen zur Beruhigung einnehmen. Eine dreiviertel-Dosis genügt diesmal, denn es gab schon wesentlich schlimmere Verfälschungen im GEZ-Zwangsfernsehen. Hier das Video auf Livingscoop:

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