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Von Tunesien über Lampedusa nach Paris

Vor circa zwei Wochen sendete die BBC einen Dokumentarfilm über Lampedusa. Gezeigt wurde unter anderem die Rettung eines Flüchtlingsbootes auf hoher See durch die Marine. Die Leute waren natürlich glücklich, und voller Hoffnung sahen sie ihrer Landung auf Lampedusa entgegen. Man konnte ihre leuchtenden Augen sehen. Noch aus größerer Entfernung hielten sie das Winken am Ufer für eine herzliche Begrüßung. Als sie aber in den Hafen kamen, bemerkte auch der letzte, daß es sich um wütende Proteste der Einheimischen gegen sie, die Flüchtlinge, handelte.

Es war ein trauriger Moment, ihre Blicke waren nun verstört und verschreckt. Sie realisierten innerhalb eines kurzen Augenblicks, daß sie in Italien, in Europa, alles andere als willkommen waren.

Wie kann das sein? Wie können Menschen in Afrika denken, Europa freue sich auf Arbeitslose zum Durchfüttern? Immerhin müßte ihnen doch auffallen, daß sie nicht am hellen Tag von Einwanderungsbeamten mit Blumensträußen auf großen, weißgetünchten Fähren in Tunesien oder Libyen abgeholt werden, sondern daß es sich um kaum seetüchtige Boote von Menschenschmugglern handelt, in die sie nachts eingestiegen sind.

Es ist alles das Resultat einer großen, tausendfach wiederholten und weiter verbreiteten Lüge. Und das sind ihre Landsleute, die es bis Barcelona, Hamburg oder Paris geschafft haben. Die können noch so böse Erfahrungen gemacht haben, denen kann es noch so dreckig gehen, sie werden vom ersten Moment an per Handy oder aus den zahllosen Call Shops von Las Palmas de Gran Canaria bis Athen ihre rosarot gefärbten und total erlogenen Erfolgsgeschichten nach Hause funken, in den Senegal, in den Maghreb und wo auch immer sie herkommen. Alles andere wäre für sie ein Gesichtsverlust und für ihre daheimgebliebenen Familien eine bittere Enttäuschung. Lesen Sie diese Reportage von Karen Krüger in der FAZ [1] über Tunesier in Paris:

Eine französische Frau heiraten: Darauf, das haben sich die vier ganz genau überlegt, wollen sie sich jetzt konzentrieren. „Bei einer Frau, die mir Papiere beschafft, würde ich mein Leben lang bleiben, wäre immer gut zu ihr. Wir zögen hinaus aufs Land: Kinder, Haus mit Garten, Tiere.“ Doch wie lernt man am Besten eine kennen?, fragt Issam. Er wisse leider gar nicht so genau, wie das in Europa geht.

Der Artikel scheint realistisch und bestätigt das Geschriebene.

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