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De Lisle: Deutschland braucht eine Tea-Party

Die US-amerikanische Journalistin Heather De Lisle (Foto) hat in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin „Focus“ analysiert, dass in Deutschland die konservativen Werte von der politischen Bühne verschwunden seien. „Das C in der CDU steht nur noch für Cervelatwurst, selbst die kleine Schwester im Süden, die CSU, scheint vergessen zu haben, wofür sie sich eigentlich einsetzen sollte“, so die Autorin.

Das christliche Medienmagazin „Pro“ schreibt:

In ihrem Beitrag analysiert De Lisle das konservative Potenzial in der deutschen Politik und stellt fest: „Das C in der CDU steht nur noch für Cervelatwurst, selbst die kleine Schwester im Süden, die CSU, scheint vergessen zu haben, wofür sie sich eigentlich einsetzen sollte.“ Die FDP habe eine Zeit lang als Alternative für Konservative gegolten, „aber die inzwischen nicht mehr wegzudenkende Assoziation mit Guido ‚Die Nato hat nix damit zu tun‘ Westerwelle hat auch die Wählbarkeit dieser Partei torpediert“. Die Journalistin bedauert, dass es keine wählbare Alternative gebe, da die Parteien, die sich rechts der CDU gebildet hätten, sich bei näherer Betrachtung „als eine erbärmliche Ansammlung verwirrter Xenophober“ entpuppten, die glaubten, mit einem Moschee-Baustopp oder einem Kopftuchverbot Deutschland retten zu können.

Nicht alle Tassen im Schrank

De Lisle verweist darauf, dass es vor ein paar Jahren in Amerika ein ähnliches Problem gegeben habe. Daraufhin sei die Tea-Party-Bewegung entstanden, die mittlerweile einen maßgebenden Einfluss darauf habe, wer, wo und wie gewählt werde. Die Autorin sieht die Bewegung allerdings differenziert: „Zugegeben, manche Tea-Party-Anhänger haben nicht alle Tassen im Schrank. Manche davon nicht mal einen Schrank.“ Aber die Mitglieder der Bewegung, die durchaus gesellschaftsfähig seien, ließen sich davon nicht verschrecken oder gar von ihren Zielen abhalten.

Das größte Hindernis für eine solche Bewegung in Deutschland sieht die Autorin jedoch darin, dass jede Gruppe, die sich als konservativ bezeichnet, auch „die Aufmerksamkeit und Zustimmung der braunen Kollegen anziehen, die dann lauthals Werbung für die NPD oder Reps machen und die gesamte Veranstaltung kippen“. In Amerika lasse sich die Tea Party von ähnlichen Auswüchsen nicht abschrecken, hier in Deutschland könne oder wolle man so etwas nicht ignorieren. „Etliche Diskussionsgruppen im Internet zum Thema ‚Wohin mit der CDU?‘ wurden prompt geschlossen, weil ein Neonazi sich eingeschlichen hatte.“ Hier gelte aber genauso wie im Internet oder auf dem Schulhof die Regel: „Don’t feed the Trolls.“

„Konservative beschweren sich bei Kaffee und Kuchen“

Ein zweites Hindernis für eine solche Bewegung in Deutschland sieht De Lisle in der Demonstrationstätigkeit selber. In einer etwas hitzigen Rede bei einer Tagung habe sie versucht, verzweifelte Konservative davon zu überzeugen, dass eine 150.000 Menschen starke Demonstration vor dem Bundestag sehr wohl dazu führen könnte, dass die CDU wieder nach rechts rückt. Die meisten Teilnehmer hätten sie angeguckt, als hätte sie ihnen geraten, nackt über die Friedrichstraße zu flanieren. „Offensichtlich gehen Konservative in Deutschland nicht demonstrieren. Sie schreiben Leserbriefe an Redaktionen und beschweren sich bei Kaffee und Kuchen darüber, dass die CDU nicht mehr das ist, was sie mal war.“

Das dritte Hindernis erkennt die US-amerikanische Journalistin, die seit 1995 für die „Deutsche Welle“ arbeitet, darin, dass in Deutschland alles „offiziell“ sein müsse: „Angemeldet, abgestempelt, geleitet und am besten noch mit Agenda und handgeschriebener Einladung.“ Die Deutschen hätten viele Tugenden, Spontaneität gehöre allerdings nicht dazu. Sie ist der Überzeugung, dass man die CDU nur davon überzeugen könnte, wieder nach rechts zu rücken, wenn man en masse der Partei mit einem Stimmentzug drohe. Das erreiche man aber nicht mit Leserbriefen, sondern mit Demonstrationen. Die Grünen machten dies seit Jahren so. „Und da Mutti (gemeint ist Angela Merkel, Anm. d. Red.) von ihren eigenen Kindern kein Feedback bekommt, macht sie eben das, was die Leute auf der Straße in Massendemos von ihr verlangen.“ Allerdings befänden sich dort keine Konservativen, sondern nur Grüne, Linke und SPDler.

Ein Vorbild für einen friedlichen Aufstand der Konservativen, so De Lisle, liefere die Tea Party. Die Ziele einer solchen Bewegung in Deutschland würden anders sein, „aber die Methodik und die Wirkung können auch hier Erfolg haben“.

Interview des Pro-Medienmagazin mit Heather de Lisle: