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Christen vs. Moslems

Christen und Moslems demonstrieren Anfang Februar 2011 in Kairo gemeinsam gegen die ägyptische RegierungIn der Islamkritik wird immer wieder hervorgehoben, dass es notwendig sei, das Erbe des jüdisch-christlichen Abendlandes zu erhalten und zu verteidigen. Jeder, der sich mit der islamischen Glaubensrichtung befasst, erkennt schnell, dass Parallelen zum Christentum allenfalls marginal vorhanden sind. Dennoch nennen sich beide gottgläubigen Richtungen Religion.

(Von HelpEurope)

In Leserkommentaren auf PI findet man immer wieder auch fundamentale christliche Meinungen. Einige Formulierungen aus diesem christlich fundamentalen Bereich lassen den Leser manchesmal feststellen, dass die Unterschiede zwischen einem radikalem Islam und einem radikalen Christentum nicht groß sind. Daher ein Versuch von mir, die Linie des Christentums nachzuzeichnen und zu fragen, „was bedeutet heute Christsein?“

Wenn man davon ausgeht, dass der fundamentale Islam klare Richtungen vorgibt, die mit Demokratie und Grundgesetz nicht vereinbar sind, sich dann aber die gesamte Umma ansieht, so wird man feststellen, dass vermutlich ein großer Teil der Moslems nicht wirklich interessiert sind an einem Leben in Unterwerfung. Sie sind in einem Dilemma. Sie erkennen die Freiheit, die ihnen möglich wäre, können sie aber nicht wirklich leben, weil sie in einer Art Überwachungssituation durch ihre Mit-Moslems leben müssen. Ausbrüche werden unbedingt geahndet und es ist für sie allemal leichter, sich wenigstens den Grundregeln des „öffenlichen Islams“ zu unterwerfen. Den Kindern das Kopftuch aufzusetzen bedeutet in diesem Zusammenhang auch, sich den Verdächtigungen durch andere „Gläubige“ zu entziehen. Also eine Mitläufer Mentalität als gefährlicher Baustein des gesamten Systems Islam. So etwas läuft unterschwellig ab. Freier Wille bleibt dabei auf der Strecke und nur die wenigsten haben den Mut, das zu durchbrechen bzw. den Islam zu verlassen.

Gibt es eine Parallele hierzu im Christentum? Gibt es unterschwellige Zwänge, denen wir Christen ausgeliefert sind? Die Bibel beginnt mit den Büchern Mose. In diesen Büchern findet man Anleitungen, nach denen zu Handeln vorgeschrieben ist. Diese Anleitungen betreffen die Nahrung, die Reinheit, die Sexualität, die sozialen Bindungen zwischen den Menschen ebenso, wie die Unterwerfung einem einzigen Gott gegenüber.

Unmengen von Ahnentafeln verdeutlichen die Stammeslinien der Gottgläubigen. Berichte über Unterjochung durch Nichtchristen, Befreiungskriege mit Hilfe Gottes aus diesen Knechtschaften beschreiben den Weg des Leidens der Christen. Die zehn Gebote, direkt von Gott an Mose übergeben, bringen eine sehr kurze prägnante Anleitung für das Zusammenleben der Menschen.

Die Menschen allerdings hielten sich nicht an diese Gesetze. Gott sah sich also gezwungen, Sodom und Gomorra in Feuersbrunst versinken zu lassen. Und derjenige, der noch einen Gedanken an diese Stadt verschwendet, erstarrte zur Salzsäule. Letztlich blieb Gott keine andere Wahl mehr, als die ganze Welt in Fluten zu versenken, um einen Neuanfang zu starten. Von jeder Art Lebewesen zwei, in der Hoffnung, dass dabei eine neue Generation hervorgebracht wird, die sich endlich an die göttlichen Gesetze halten wird.

Nun treten die Kirchen mit ihren s.g. Schriftgelehrten auf den Plan. Sie bestimmen, wer vor Gott würdig ist und wer ein Sünder ist. Diese Kirche bringt viel Leid über die Menschen, weil sie die Gesetze Gottes nach eigener Beliebigkeit auslegt und sich selbst auch die Strafung der Sünder vorbehält. Dieses System hatte die Qualität einer Kontrolle, wie sie heute die islamische Umma erfährt. Die virtuelle Macht eines Gottes wird ausgeführt und kontrolliert von weltlichen Machthabern, die sich als einzige richtige Instanz für das Leben der Menschen aufspielt und entsprechend den Lebenstil der Menschen bestimmt und notfalls mit Gewalt durchsetzt.

In den Büchern Mose wird ein Grundstein gelegt, der uns Menschen von vornherein Schuld zuweist. Dies ist der größte Schwachpunkt des Christentums noch heute. Denn unterschwellig haben alle Christen Schuld.

Die Wende, die ein Jesus brachte, hat daran nichts geändert. Jesus hat das System der Kirche nicht gemocht, sah darin aber gleichzeitig die einzige Chance, den Menschen einen Anlaufpunkt zu geben. Die Tempel wurden von den Schriftgelehrten betrieben. Es gab in diesen Tempeln verschiedene Zonen, in denen sich die Menschen nach ihrem Glauben und anderen Kriterien aufhalten durften. Ähnlich wie in den Moscheen wurde hier differenziert, wer wie weit in das innere der Tempel vordringen konnte.

Was aber brachte Jesus dem Christentum? Im Grunde verfolgte Jesus die Strategie des geringsten Widerstands innerhalb des gesellschaftlichen Systems. Er benannte die Schwachpunkte und die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft, gab den Mächtigen aber gleichzeitig ihre Berechtigung. Zur Kompensation wandte er sich ganz und gar Gott zu und versuchte über gute Taten ein neues System zu erschaffen. Dieses neue System hatte zur Grundlage, die Nächstenliebe bishin zur Liebe zu den Feinden. Wer seine Feinde liebt, der entmachtet sie. Wer die Ausgestoßenen liebt und für sie sorgt, der verzichtet völlig auf Macht und rückt den Gott in ein ganz anderes, in ein gütiges Licht. Kurzum: Jesus hat der Kirche etwas entgegengesetzt, was die Menschen damals sehnsüchtig suchten. Den liebenden Gott, der alles verzeiht.

Jesus wurde Geschichte. Die Apostel haben seine Geschichte in die Welt getragen, doch wie wir alle wissen, hat es noch bis ins 15 Jahrhundert gebraucht, als Martin Luther die Kirche angegriffen hat und somit eine Reformation hervorbrachte. Erst ein paar Jahrhunderte später hat sich die westliche Welt dann komplett aus den Zwängen der Kirche befreit. Doch in uns Christen lebt der gütige, alles verzeihende Gott weiter.

Nun müsste man schlussfolgern, dass Jesus derjenige gewesen ist, der schon vor 2000 Jahren den Grundstein dazu gelegt hat, dass wir Christen uns gegen den Islam nicht wehren können. Wir sind im Inneren verdammt, „gut“ zu sein, dem Feind die andere Wange auch noch hinzuhalten und notfalls sogar (am Kreuz) zu sterben, um die Liebe zu Gott zu bewahren.

Liebet Eure Feinde ist das, was wir heute Appeasement nennen. Liebet Eure Feinde führt dazu, dass wir uns von islamistischen Schmarotzern die Sozialsysteme plündern lassen. Liebet eure Feinde macht den Papst stumm. Die Politik, jenseits von Religion, nutzt diese Erstarrung selbstverständlich aus. Den Römern war es in Israel seinerzeit auch egal, wer in welcher Weise eine Religion auslegt. Wichtig war, dass diese Religion zum Handlanger der politischen Bestrebungen wurde.

Aus dieser Sicht ist ein christlicher Fundamentalismus auch heute noch verständlich. Eine starke christliche Gemeinschaft, die genauso sanktioniert, gestraft und kontrolliert wird, wie die islamische Gemeinschaft, hätte am ehesten das Potential, ein Fels in der Brandung zu sein. Es gibt aber kein Zurück. Die christliche Geschichte ist gelaufen. Man möchte sagen, dass es falsch war von Jesus, von Martin Luther, den 68ern etc., die Kirche zu entmachten. Aber als Christ kann ich das verzeihen, weil in deren Glauben damit das Böse und Ungerechte aus dem Christentum entfernt werden sollte. Das ist zutiefst nachvollziehbar. Allerdings wurde dabei scheinbar übersehen, dass das Böse und Ungerechte ja nicht nur in den eigenen Reihen lauert, sondern auch von außen kommen kann, wie wir heute schmerzlich erfahren müssen.


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