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„Antifa“ in Polen – SpOn erklärt uns die Welt…

Wie PI berichtete kam es während der Feierlichkeiten aus Anlass des polnischen Nationalfeiertages am 11. November in Warschau zu schweren Ausschreitungen. 210 Personen wurden verhaftet, darunter 92 Bundesbürger, die eigens mit einem von der deutschen „Antifa“ organisierten „Ausflug“ angereist waren. 76 unserer reiselustigen Mitbürger stehen jetzt in Polen vor Gericht.

(Von A.Miller)

Spiegel Online nimmt dies zum Anlass, die Dinge aus politisch korrekter Sicht in einem gestern veröffentlichten Artikel ins rechte Licht zu rücken und dabei – im Dienste der gerechten Sache – einige leicht recherchierbare Fakten zu leugnen und zu verdrehen oder bei Bedarf einiges hinzuzudichten.

Aus Sicht der Autoren verlief „der Ausflug“ unserer engagierten Mitbürger von Anfang an „nicht wie geplant“, denn obwohl sie sich extra wie beim alljährlichen Kreuzberger 1. Mai-Karnevall in Trachten gekleidet hatten und ihren polnischen Gastgebern freundlich zuwinkten (Zitat: „Viele hatten sich vermummt. Auf einem Video ist zu sehen, wie einige ihren Mittelfinger in die Kamera strecken“), „setzte die Polizei in Polen nicht auf Deeskalation, sondern auf Attacke“. Aus nichtigem Anlass, wie uns suggeriert wird, einem „Streit zwischen einzelnen Deutschen und Teilnehmern einer historischen Parade“, sei dann sofort eine „Hundertschaft“ der polnischen Polizei aufgezogen.

Wie dieser „Streit“ aussah, lässt sich nach einer kurzen Internetrecherche recht glaubwürdig rekonstruieren. Auf dem Internetportal des großen, polnischen Nachrichtensenders TVN24 wird Slawomir Stepulak zitiert, der zusammen mit seiner Gruppe in historischen Uniformen aus napoleonischer Zeit an der Parade teilnahm: „Unsere Gruppe lief die Straße entlang. Jacek Nieszczerzewicz und ich sicherten als Unteroffiziere die Kolumne auf der linken Seite ab. (…) Als unsere Formation an der Gruppe von Antifaschisten vorbeilief, spuckte einer von ihnen in Richtung meines Freundes Jacek, der einige Meter vor mir lief. (…) Dann griff er (Anm. d. Red.: der Antifaschist) ihn an und schlug ihm den Hut vom Kopf.“ Die Handgreiflichkeit setzte sich fort bis die Polizei intervenierte. Weitere Augenzeugen bestätigten dies (die Zitate und eine Serie von Fotos, die den Hergang belegen, sind hier zu finden / siehe auch die vier Fotos oben).

Es ist unklar, ob dieses Ereignis allein zu einer entschiedenen Reaktion der polnischen Polizei führte. Anderen Quellen zufolge sei es zu einer Auseinanderstüzung zwischen „Skinheads“ und der „Antifa“-Gruppe gekommen bzw. haben Mitglieder der „Antifa“ direkt die polnische Polizei angegriffen.

Die „Attacke“ der „Hundertschaft“ der Polizei, durch die die „Antifaschisten“ in das „Kulturzentrum“ „zurückgedrängt“ wurde, ist in folgendem Video dokumentiert:

Bei dem sog. „Kulturzentrum“ handelte es sich um ein Café, das zur links außen stehenden Zeitschrift „Polityka krytyczna“ gehört. Mitarbeiter der Zeitschrift vermittelten zwischen der „Antifa“-Gruppe und der Polizei. Anschließend ließ sich die gesammte Gruppe von der Polizei abführen. Von den offenkundig freundlichen Absichten unserer vermummten Freunde kundete das anschließend bei der Durchsuchung des Cafés gefundene Waffenarsenal. Eine Tatsache die selbstverständlich auch verschwiegen wird (ein kurzes Video hierzu). Damit, so lassen uns die Autoren anscheinend ganz ohne satirische Absicht wissen, „endete der Ausflug nach Polen, bevor er richtig begonnen hatte“.

Über die Gründe der Autoren, die oben genannten Fakten zu leugnen, können wir nur mutmaßen. Natürlich könnte es sich hierbei nur um ein weiteres Beispiel journalistischer Inkompetenz handeln. In dubio pro reo? Vielleicht sind die Autoren nur bemüht, mühsam ihre Sicht der Welt vor allzu harten Erschütterungen zu bewahren. Vielleicht tun sie es dem Leser zuliebe um ihn zu schonen. Oder aber, sie versuchen bewusst von ihrer moralischen Überlegenheit überzeugt den Leser zu manipulieren. Was auch immer die Beweggründe sind, mit allen Mitteln der Kunst wird versucht, den Leser von einer Welt zu überzeugen, in der man entweder Nazi sein kann oder aus edelsten Motiven diese bekämpft – und dabei eben auch mal eine Schlagstock und Pfefferspray bei sich trägt.

So ist dann weiter die Rede von einer „braunen Seuche“ in Polen, deren „Aufmarsch“ doch nur verhindert werden sollte. Es wird suggeriert, die polnische Boulevardzeitung „Fakt“, im Übrigen ein Blatt des Springer-Verlags, habe die Provokation der „Antifaschisten“ erfunden oder aufgebauscht. Ganz Polen habe sich auf die armen deutschen „Antifas“ fixiert. Weil dreifach und vierfach besser hält, ist auch noch die Europameisterschaft in Polen in Gefahr und schlussendlich kriegt man nach dem „Good cop, bad cop“-Prinzip dann noch eine richtig ausgelutschte Kamelle serviert: Die polnische Regierung habe die „Antifaschisten“ verteidigt, nur der böse, nationalistische Kaczynski habe sie angegriffen. Na dann ist ja alles klar.

In Wahrheit wurde in breiten Teilen der polnischen Öffentlichkeit die Gewalt auf beiden Seiten der Auseinandersetzung deutlich kritisiert. Exemplarisch dazu die Aussage von Stefan Niesiolowski, einem prominenten Politiker der regierenden Partei PO: „Schuld liegt bei den Linken, die sich überhaupt das Ziel erklärt haben, diese Demonstration zu blockieren. Mit welchem Recht? Warum sollen sie diese Demonstration blockieren? Sollen sie doch ihre Route ablaufen und dann ist Ruhe. In dieser Situation haben dann andererseits die sogenannten Rechten sich die Hooligans zu Nutzen gemacht. Das ist natürlich ein absoluter Skandal. (…) Es haben also beide Seiten, wenn ich das so sagen darf, etwas auf dem Gewissen.“

In Polen, einem Land, das unter Sozialismus beider Couleur, sowohl dem braunen, als auch dem roten, zu leiden hatte, wird eben (noch) nicht mit zweierlei Maß gemessen, was offenkundig bei den antifaschistischen Missionaren und Eiferern für einen schweren Kulturschock gesorgt hat. In einem einige Tage nach den Auseinandersetzungen veröffentlichen Artikel zitierte die linksliberale Zeitung „Gazeta Wyborcza“ auf ihrem Internetportal einen empörten Vater, der berichtete, dass sein Zögling sich nun nach Rückkehr von seinem „Ausflug“ zusammen mit seinen Freunden in Therapie begeben müsse. Nach ihrer Verhaftung hätten sie – was für eine Unverschämtheit – gemeinsam in einer Zelle mit Skinheads sitzen müssen. Allerdings, so könnte man meinen, scheint jemand, der gemeinsam mit einer für ihre Gewaltbereitschaft bekannte Gruppe in ein fremdes Land reist, bewaffnet und vermummt durch die Straßen marschiert und sich anschließend wundert, dass er verhaftet wird, in professioneller Behandlung recht gut aufgehoben zu sein.

Und was bleibt uns in Anbetracht all dieser Absurditäten?

Entgegen der üblichen Darstellung herrschte zwischen Deutschland und Polen keinesfalls über Jahrhunderte nur Misstrauen, Feindschaften und Krieg. Viele Jahrhunderte waren von friedlicher Nachbarschaft und intensivem, gegenseitigem Austausch geprägt. Man hat vieles gemeinsam – Werte, Traditionen und Bräuche. Auch gibt es Worte, die beide Landesprachen teilen. Eines davon, findet man in gleicher Schreibweise sowohl in deutschen als auch in polnischen Wörterbüchern. Es heißt: Schadenfreude.