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Broder & Friends in Aachen

Broder, Lengsfeld & Giordano in AachenSelbst im provinziellen Aachen, dessen größte Zeit wohl mit dem Tod von Karl dem Großen erloschen ist und das heute allenfalls mit der Verleihung von dubiosen Friedenspreisen an gewisse Antisemiten von sich reden macht (u.a. Klagemauer-Hermann), gibt es doch noch manchmal einige wenige Lichtblicke, von denen man am 18. Dezember einen erleben durfte: die Verleihung des diesjährigen Ehrenpreises der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen e.V. (DIG) an Henryk M. Broder.

(Von Tiberius1966, PI-Aachen)

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Vorsitzenden A. Holst, der die Preisverleihung mit dem steten unmissverständlichen Eintreten Broders für das Existenzrecht Israels begründete – gegen eine „sich ausbreitende israelfeindliche Sumpfbotanik“, deren „scheinheiliger Antisemitismus sich hinter sogenannter Israelkritik versteckt“, wie er sich ausdrückte. Grußworte folgten von Städteregionsrat und Gastgeber H. Etschenberg (wenn das Ziel stimme, dürfe man ruhig auch anecken) und von Tal Gad, dem Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Israelischen Botschaft (der sich freue, wie treffsicher Broder Salz in die Wunden streue). Dann hielt der leicht verspätet erschienene Oberbürgermeister der Stadt Aachen, Marcel Philipp, eine kurze Rede. Es ist ihm anzurechnen, dass er kam. Natürlich durfte die gemeinsame Teilnahme von Vertretern der Kirchen und der jüdischen Gemeinde an der neuesten Moschee-Grundsteinlegung als Beispiel für den „gemeinsamen Humanismus der Aachener“ nicht fehlen. Islam und Humanismus, Feuer und Wasser, Kaschemme und Fünf-Sterne-Hotel.

Absolut gelungen war der DIG Aachen e.V. der Auftritt eines Überraschungsgastes: Dr. Ralph Giordano, 88-jähriger unermüdlicher Streiter für unsere abendländischen Grundwerte, der eine Kurzlaudatio auf das „Gesamtkunstwerk“ Broder hielt. Bezogen auf die vielen Anfeindungen aus bestimmten Lagern gegen Broder, sagte Giordano einen Satz, den man sich merken sollte: Hitler sei zwar militärisch besiegt, aber nicht geistig bzw. UNgeistig. Berücksichtigt man, wie im Kampf gegen Rechts™ häufig alles mit eherner Faust zerschmettert werden soll, was nicht linksextremen Meinungen entspricht, weiß man, wie recht Giordano hat!

Auf diese Attacken gegen Broder kam auch die eigentliche Laudatorin, Vera Lengsfeld, Bürgerrechtlerin der DDR und Opfer der Stasi-Bespitzelung ihres eigenen Manns, zu sprechen: „Wenn man diese Anfeindungen liest, möchte man heiß duschen, um den Schmutz wieder abzuwaschen“, sagte sie zu Beginn. Anders als viele Intellektuelle, die sich aus purer „Feigheit in einer zerstörerischen Toleranz“ übten (die Bahners dieser Republik), „schallt Broder eben nicht pseudointellektuell daher, sondern hat, was heute selten ist: Bildung“, betonte sie. „Ohne Broder wäre der Diskurs in diesem Land noch öder, die geistige Armut noch größer.“ Doch was seine Gegner am meisten ärgere, das sei die gute Laune, die Broder in seinen Artikeln verbreite. Broder vereine eben beides: „Humor und Hirn“.

Nach einem kurzen Abriss über die Palästinenser, der am besten gepäppelten Ethnie der Welt, die „sich in ihrer Rolle als Opfer vom Dienst“ bequem eingerichtet hätte, statt wie die Israelis die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken, stellte Lengsfeld die interessante These auf, dass der Ursprung der Demokratie eigentlich nicht in Athen zu suchen sei (eher eine Demokratie der Oberen Zehntausend), sondern im alten Israel. Denn: „Im Zentrum der Ethik nach der Tora stehe das Individuum“. Dieser Gedanke, den Freiheitsrechten des Individuums am besten Rechnung zu tragen, führte letztlich zur Aufklärung und zur Demokratie. Freiheit und nicht Gleichheit sei auch das Ziel im Grundgesetz. Gehe es einem Hartz IV-Empfänger heute doch ohnehin besser als den meisten hart arbeitenden DDR-Bürgern, denn die säßen doch in einer gut geheizten Wohnung – ein Satz, der die Gutmenschen-Riege sicher vor Wut laut aufheulen ließe, die Gleichheit als Hauptthema erkoren hätte.

Nach so viel Lob rückte Broder ein paar Dinge gerade: er suche die Auseinandersetzung, die Provokation, nicht, weil er ein Idealist sei – oder je nachdem, ein Masochist -, sondern einfach, „weil es mir Spaß macht“. So solle auch eines Tages auf seinem Grabstein am besten der Spruch stehen: „Er hat nie gelangweilt!“ Idealisten seien ihm ohnehin suspekt, denn: „In jedem Idealisten wartet ein Fanatiker von der Leine gelassen zu werden.“

Dennoch käme er sich seltsam vor, einen Preis für das Existenzrecht Israels zu erhalten – für etwas, das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsse wie das Anhalten an einer roten Ampel. Schließlich gebe es auch keinen Preis für den Einsatz für das Existenzrecht Belgiens… obwohl es niemand groß stören würde, wenn es eines Tages von der Landkarte verschwände.

Broders Ärger richtet sich daher vor allem auf die Antisemiten aus der linken Szene, den Toleranzpredigern („Toleranz ist meine Sache nicht!“), den Relativierern, die die Hamas offenbar für eine Hilfsorganisation hielten, gegen diejenigen, die sich hinter wohlfeilen Lippenbekenntnissen zu Israel versteckten (er erwähnte dabei speziell die Haltung des deutschen Kanzlers Willy Brandt, der 1973 während des Jom-Kippur-Kriegs, als Israels Überleben an einem dünnen Faden hing, zwar heuchelte – eine Neutralität der Herzen könne es nicht geben – dennoch den USA Lieferungen an Israel über deutsche Häfen verbot) und gegen diejenigen, die es sowieso weit von sich weisen würden, Antisemiten zu sein und die für sich reklamieren, nur ‚berechtigte Kritik’ an Israel zu betreiben. Doch mit Kritik an Israel habe das so viel zu tun wie Kannibalismus mit Feinschmeckerei, stellte Broder richtig. Was nämlich sämtliche dieser sogenannten Israelkritiker auszeichne, egal ob von rechts oder links, das sei insgeheim „die gemeinsame Haltung, dass Israel verschwinden möge“ – etwas also, das wir in der Tat als Antisemitismus bezeichnen dürfen. Antisemitismus aber „steht immer am Ende einer Gesellschaft“.

In diesem Sinne stellt Broder daher auch die Frage, was denn die „Freunde Israels“ – und dieser Ball ging auch an die DIG Aachen e.V. – bisher für eine Erfolgsbilanz im Kampf für das Existenzrecht des jüdischen Staates aufzuweisen hätten? Was hätten sie gegen das „alternative, friedensbewegte, rote Pack“ z.B. vom Aachener Friedenspreis getan, das einen Walter Hermann auszeichnete, dessen Klagemauer wie eine „Sonderausgabe des Stürmers“ erschiene? Aachen sei ja schließlich nicht weit von Köln entfernt! Und was gegen die selbsternannte „Jüdin“ Edith Lutz, Friedenskämpferin aus der Eifel, die medienwirksam (im Monitor-Magazin) Decken, Bücher und Schulranzen sammele, um sie angeblich den Hilfsbedürftigen nach Gaza zu bringen, doch deren Spenden mittlerweile in einer Kammer ihres Hauses vor sich hin verrotten? Wozu auch noch aktiv werden, das Ziel, Israel zu verunglimpfen, ist ja erreicht! Was wurde auch gegen einen Reuven Moskovitz mit dem unechten, selbstverliehenen Doktortitel unternommen (Guttenberg schrieb seine Doktorarbeit wenigstens nur ab, Moskovitz schrieb sie erst gar nicht und behauptet, sie sei ihm aus dem Zimmer gestohlen worden) – ein Mann, der nicht müde wird, Israel zu beschuldigen, es begehe ständig Verbrechen gegen den Frieden und der sich als ein „Kronzeuge gegen Israel“ und „nützlicher Idiot“ einspannen lasse?

Viel sei es tatsächlich nicht, was wir Israelfreunde aufzuweisen hätten, wir verhielten uns lieber still, rein nach dem Motto: „Nur nicht provozieren, der Antisemit könnte ja böse werden…“, wie Broder zu Recht spottete.

Nun, diese Frage müssen wir uns als PI’ler auch stellen (auch wenn er uns nicht erwähnte). Was haben wir bekennenden Israel-Freunde denn bisher getan? In der Tat, vielleicht sollten wir, statt unsere Israel-Solidarität bloß in die Tasten zu hauen, tatsächlich mehr zur Tat schreiten. Vorschläge werden gern gesehen! Wie schloß Broder daher so treffend mit der Aufforderung? „Auf in den Kampf! Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Fotogalerie:


Nachtrag: Wie PI bereits berichtete befand sich unter den Anwesenden auch der selbsternannte „Journalist“ Michael Klarmann, auf den das Wort des DIG-Vorsitzenden vom „schleimigen Moralapostel“ auch bestens passt. Sein Hetzartikel erschien pünktlich am nächsten Morgen auf Telepolis (es hat schon seinen Vorteil, bewußt arbeitslos zu sein, um seinem Hobby, nebst Punk dem unermüdlichen Kampf gegen Räächtz, zu frönen). Seine Claqueure auf Telepolis proleteten auch gleich munter drauf los, Israel sei sowieso „ein Schurkenstaat“ und sie würden „Broder gern mal in die Drecksvisage spucken“, diesem „Kriegshetzer im Interesse des weltweit radikalsten Apartheitsregimes“ … man könnte meinen, in einem Blog von Rechtsradikalen zu lesen, was mal wieder die geistige Nähe von Blut-, Rot- und Exkrementen-Braun beweist. Warum hetzt „Journalist“ Klarmann überhaupt gegen PI, wenn seine Gesinnungsgenossen sich einer Sprache bedienen, die sonst nur in (echten) Nazi-Blogs zu finden ist?