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Wie der Herr, so’s Gescherr

Nur weiß man bei diesen beiden nicht genau, wer wohl der Herr ist, oder besser gesagt war. Wie das Handelsblatt jetzt berichtet, soll der überraschend gefeuerte Olaf Glaeseker (Foto l.), vormaliger Pressesprecher, rechte Hand und Karriereschmied des Bundespräsidenten Wulff, über Gratisreisen gestolpert sein.

(Von Felixhenn)

Stern Online schreibt dazu:

[…] Das Präsidialamt reagierte mit dem Rauswurf des Sprechers offensichtlich auf einen detaillierten Fragenkatalog des stern vom Donnerstagmorgen. Die insgesamt 16 Fragen bezogen sich unter anderem auf wiederholte kostenlose Urlaubsaufenthalte, die Glaeseker in Anwesen des als Partykönig und Promi-Netzwerker geltenden Schmidt verbracht haben soll.

Die Vorwürfe sind für den Bundespräsidenten hoch brisant, weil er selbst persönlich ebenfalls enge Beziehungen zu dem Geschäftsmann unterhält. Zeugen hatten zuvor dem stern gesagt, dass Glaeseker zum Beispiel Ende Oktober 2008 zusammen mit seiner Frau – einer früheren niedersächsischen CDU-Sprecherin – sowie Wulffs damals bereits von ihm geschiedener Gattin Christiane mehrere Tage Gratisurlaub in Schmidts luxuriöser Finca Can Pere Crous in Arbúcies gut 80 Kilometer nördlich von Barcelona in Nordspanien genossen hatte. Die Finca liegt idyllisch in einem Naturpark – ihre Website preist die „paradiesische Landschaft“ – und ist mit Sauna und Pool ausgestattet. Laut Preisliste kostet ein Wochenende in dem Anwesen 900 Euro, eine Woche zwischen 1600 und 2400 Euro, jeweils plus Mehrwertsteuer. […]

Jetzt fragen wir uns, geht denn in diesem Land gar nichts mehr ohne Betrug, Bestechung und Vorteilnahme? Der Herr Wulff hat wohl keinerlei Ahnung von der Verpflichtung, die das Amt des Bundespräsidenten oder Ministerpräsidenten eines Bundeslandes mit sich bringt. Und wenn wir den Herrn Olaf Glaeseker mal ein wenig im Bezug auf Herrn Wullf durchleuchten, den man zuletzt sogar den „Präsidentenflüsterer“ nannte, kommt da schon Erstaunliches zutage. Die Financial Times am 18.12:

[…] Auf dem Spiel steht dabei auch der Erfolg von Glaesekers halbem Berufsleben. Seit 1999 ist er Sprecher, Einflüsterer und Medienberater von Christian Wulff. In Hannover gilt es als sein Erfolg, dass aus dem medienscheuen Oppositionspolitiker der Umfragestar der CDU wurde, der als Ministerpräsident alle Amtskollegen auf hintere Ränge in Beliebtheitsumfragen weglächelte.

Glaeseker wird zugeschrieben, die Verwandlung Wulffs vom biederen Rechtsanwalt zum Liebling aller Schwiegermütter orchestriert zu haben. Als Wulff noch Ministerpräsident war, bezeichnete er Glaeseker einmal als „siamesischen Zwilling“ – weil er ähnlich denke wie er selbst. Beide sind machtbewusst, geben sich dabei nach außen aber betont gutmütig. Beide sind im ländlichen Niedersachsen verwurzelt, Wulff in Osnabrück, Glaeseker in Oldenburg, wo er nach dem Sportstudium auch seine erste Karriere als Journalist startete – in der Politikredaktion der „Nordwest-Zeitung“. Danach arbeitete er fünf Jahre als Hauptstadtkorrespondent im nicht minder beschaulichen Bonn. Mit der Rückkehr nach Niedersachsen wechselte der 50-Jährige die Seiten und wurde Sprecher der Landes-CDU, deren Vorsitzender der zwei Jahre ältere Christian Wulff war. […]

Und wenn wir jetzt noch berücksichtigen, wie sich Wulff während der Affäre Rau und anderen Affären aufgeführt hat, geht es noch verlogener? Die Amis sagen dazu: „Do as I say but don’t do as I do“.

Und selbst um den Geerkens-Ehefrau-Sonderkredit abzulösen, war es ihm nicht genug, Zinsen wie normale Bürger, die er vertreten soll, zu zahlen. Auch da bekam er einen „Schnäppchenkredit“ bei der BW-Bank mit Zinsen, die halb so hoch sind wie beim normalen Kunden. Da fällt einem nur ein: Widerlich.

Und seine Presseerklärung, dass ihm seine „Freunde“ wichtig sind. Was sind das denn für Freunde? Etwa so was wie der Party-Veranstalter Manfred Schmidt, der eine Veranstaltungsreihe namens „Nord-Süd-Dialog“ unter der Schirmherrschaft von Wulff und Öttinger organisiert und damit mehrere hunderttausend Euro verdient hat?

[…] Allein mit dem letzten „Nord-Süd-Dialog“ im Dezember 2009 soll Schmidt mehrere hunderttausend Euro verdient haben, die von Unternehmen für die Veranstaltung gesponsort worden waren. Am Einwerben dieser Sponsorengelder soll die Staatskanzlei beteiligt gewesen sein, was Wulff allerdings bestreitet. […]

Kein Wunder, dass der Herr Schmidt dann nach der Wahl Wulffs zum Präsidenten auf eigene Kosten eine Party für Wulffs Freunde schmeißt, wohl in Erwartung, dass diese Euronen auch vervielfacht werden. Auch Wulff kam am späten Abend dazu, um sich feiern zu lassen.

[…] Schmidt wiederum hatte am 30. Juni 2010 – dem Tag, an dem Wulff zum Bundespräsidenten gewählt worden war – in Berlin auf eigene Kosten eine Party für Wulffs Freunde organisiert. Zu diesem Fest war Wulff am späteren Abend erschienen, um sich feiern zu lassen. […]

Natürlich würde er wohl von allem nichts gewußt haben, sollte man ihn dazu befragen.

Ich denke, wir haben einen Präsidenten mit besserem Erinnerungsvermögen verdient, von Loyalität zum Volk wage ich gar nicht mehr zu träumen, dieser Zug ist wohl durch.