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Logik – Land unter!

© 2012 by Daniel Haw

» WELT: Noch kein einziges Sarrazin-Buch zur Vernichtung abgegeben!

Daniel Haw - Vater der jüdischen Comicfigur Moishe HundesohnDaniel Haw ist Dramatiker, Maler, Komponist, Autor, Regisseur und Leiter des jüdischen Theaters Schachar in Hamburg. Der Vater der jüdischen Comicfigur Moishe Hundesohn veröffentlicht seine Cartoons jeden Freitag exklusiv auf PI. Zuletzt erschien sein Bildband „Ein Hundejahr: Moishe Hundesohn“.

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Für alle Moishe-Fans: Band 2 von „Deutschland. Ein Trauermärchen“ ist fertig und bei BoD, Norderstedt, erschienen. Mit Moishe ironisch und politisch inkorrekt – durchs Jahr! Es ist wieder ein Buch in der Stärke von 92 Seiten – zum selben Preis von 18,90 Euro. Erhältlich im Buchhandel und im Internet. ISBN: 9783844802092.




(Nicht nur) die CDU altert und stirbt

In einem Geheimpapier aus dem Konrad-Adenauer-Haus, das sich gerade BILD zur Brust genommen hat, wird der CDU der Verlust von 100.000 Mitgliedern bis zum Jahr 2019 vorhergesagt. Die Partei, deren Durchschnittsmitglied inzwischen nahezu 60 Jahre alt sein dürfte, hat mit Hilfe von Statistik und Sterbetafeln, den zu erwartenden „demographischen Schwund“ der nächsten Jahre hochgerechnet. Das im Saldo eher negative Bei- und Austrittsverhalten der vergangenen Jahre ist dabei noch gar nicht eingepreist.

(Von Thorsten M.)

Sollten die Hochrechnungen, die bei dieser Art von Statistik meist sehr zuverlässig sind, einigermaßen zutreffend sein, hat die CDU in sieben Jahren allein aufgrund von Todesfällen noch 400.000 Mitglieder, von denen knapp Zweidrittel 60 Jahre und älter sein werden. Die Erkenntnis innerhalb des „Kanzlerwahlvereins“, dass „das Zeitfenster, die CDU als Mitgliederpartei zu erhalten, kleiner wird“ scheint dabei zu wachsen.

Berufsschönredner wie der CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, haben natürlich zu diesem Thema gleich die Relativierungskeule parat: Selbstverständlich geht es – was nicht falsch ist – allen Volksparteien so, und vor allem lasse die Bereitschaft zu längerfristigem Engagement nicht nur in den Parteien nach, seien doch auch Kirchen, Vereine und Gewerkschaften betroffen. Ein bisschen wie 1945 Phantomarmeen verschiebend und vom Endsieg träumend, hofft Gröhe „mit neuen Beteiligungsformen“ und über das Internet neue Mitglieder zu gewinnen, um den „Parteientot“ nochmals zu drehen. Wer aber den Zustand der meisten Ortsverbände an der Basis, wo sich bei Parteiveranstaltungen meist nur noch eine Hand voll Pensionäre aus Nostalgie und Langeweile zusammenfinden, betrachtet, kann ob dieser „Wunderwaffen“ nur schmunzeln. Wahrscheinlich kommt als nächstes dann noch der Online-Shop, in dem man sich die politischen Inhalte der Partei bestellen kann?!

Nein, die harte Wahrheit ist: Wer die Parteien und damit unsere Demokratie wirklich am Leben erhalten möchte, muss dafür ein mühsames gesellschaftliches Langfristprojekt anstoßen: Es geht dabei nämlich um nichts kleineres, als die längst überfällige Pflichtendiskussion, mit der unser einseitiges Anspruchsdenken in Zeiten klammer Kassen dringend überwunden werden muss! Wer Politik nur als Anspruchsbefriedigungsbetrieb für Lobbygruppen versteht und meint, aus der Summe der Egoismen könne dauerhaft so etwas wie das Gemeinwohl entstehen, steht zwangsläufig ohne funktionierende Parteien da, wenn diese „nicht mehr liefern“ können. Zum Beispiel ein bisschen mehr Demut gegenüber früheren und nachfolgenden Generationen, eine Vision Deutschland als Land der Deutschen erhalten zu wollen und dafür auch – durch jeden einzelnen – die demographischen Vorkehrungen zu treffen, täten dringend Not. Die einseitige Fixierung auf die „bereitgestellte Gütermenge“ für jeden einzelnen könnte mit etwas mehr Patriotismus überwunden werden.

Auch sollte schon in der Schule jedem Kind beigebracht werden, dass der Erhalt einer Demokratie mehr erfordert, als nur gelegentlich zum Wählen zu gehen. Und vor allem darf das Kreuzchen nicht nur von der Frage abhängen, von welcher Partei man sich am meisten „Netto“ oder Transferleistungen verspricht. Politik entscheidet vor allem über die Zukunftsfähigkeit eines Landes, daran muss man sie auch zu messen lernen! Wenn wir es nicht schaffen, die politischen Parteien in diesem Sinne zu erneuern, wird unsere Demokratie zur Beute der Lobbyisten. Deren Interesse, Bürgerrechte, wie Meinungs- und Pressefreiheit zu erhalten ist aber gering, so lange man nur ihr Recht auf Eigentum unangetastet lässt.

Gerade für eine Partei wie die CDU, die immer noch von vielen als konservativ wahrgenommen wird, sollten die Chancen am besten stehen, aus dieser Herausforderung und diesem Sachverhalt eine politische Dividende zu generieren. Tatsächlich sind es nämlich vor allem konservative Tugenden, die – wo man sie in einem jungen Menschen geweckt hat – für Bereitschaft zur Parteiarbeit sorgen könnten. Dafür müsste die CDU sich gleichwohl unabhängig von den heutigen Koalitionsoptionen wieder anders positionieren. Über Bürgerpflichten zu reden ist ein anderes bildungspolitisches Profil als Gender-Mainstreaming oder sozialistische (Zwangs-)Kleinstkinderbetreuung.

Davon ist freilich die heutige Merkel-CDU, die sich inhaltlich fit machen möchte für die erste schwarz-grüne Bundesregierung, Meilen entfernt. Will sich die CDU wirklich zukunftsfähig machen, muss sie daher den Merkelismus überwinden und sich endlich an ihr vor 30 Jahren gegebenes und bisher uneingelöstes Verprechen von der „geistig-moralischen Wende“ erinnern.