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Münchner Kardinal Marx warnt vor Ausgrenzung

Münchner Kardinal Marx warnt vor AusgrenzungBundespräsident Christian Wulff hatte bestimmt nicht den Hauch einer Ahnung, was seine Äußerung, der Islam gehöre zu Deutschland, für Wellen schlagen würde. Noch immer ist dieses Diktum ein Referenzpunkt, wenn die Rede auf den Islam in Deutschland kommt. Zur Unruhe trägt auch Begriffsverwirrung bei, weil die Diskutanten nicht darlegen, was sie jeweils unter der „gehört zu“-Relation verstehen.

Sind es die einzelnen Menschen islamisch-orientalischer Herkunft oder ist es „der“ Islam? Wenn aber die einzelnen Menschen, besagt „gehört zu“ dann die räumliche Anwesenheit oder die Verflechtung muslimischer Milieus mit der Mehrheitsgesellschaft oder das Zugehörigkeitsgefühl der Zuwanderer? Ist aber „der“ Islam gemeint, soll das bedeuten, dass sich der Islam als Islam der mentalen Signatur Europas intern und grundlegend eingeschrieben hat oder gehört der Islam auch deswegen schon zu uns, weil sich in der Auseinander-Setzung mit ihm als externem Gegenüber die europäische Identität mitgeformt hat?

Mehrdeutigkeiten wie diese kommen einem Kirchenmann wie Kardinal Reinhard Marx (Foto oben) entgegen, der seine Aussagen stets geschickt auszutarieren weiß, sorgsam darauf bedacht, es sich weder mit den Medienmächtigen, namentlich der „Süddeutschen“, noch mit dem Vatikan zu verderben. Hierzu passt, was der Erzbischof von München und Freising laut Medienberichten in der bayerischen Landesvertretung in Berlin vortrug und sich, nicht ganz unerwartet, unter der Headline „Die Muslime gehören jetzt zu uns“ auf den Punkt bringen lässt – verbunden mit der obligatorischen Warnung vor „Ausgrenzung“ der muslimischen Zuwanderer.

Immerhin räumt der Kardinal ein, dass der Islam nicht in dem Maße zur Geschichte Europas gehöre wie das Christentum, aber, so wird Reinhard Marx zitiert, „die Menschen, die daran glauben, gehören jetzt zu uns“. Politisch unkorrekte Beobachter, hoch sensibilisiert und bisweilen überempfindlich, wenn es darum geht, gönnerhaft-paternalistisches Gutmenschentum aufzuspüren, fragen sich jetzt, ob es an uns, den Autochthonen liegt, dies festzustellen oder ob nicht eher die Zuwanderer selbst die Einschätzung und Entscheidung treffen müssen, ob sie dazugehören wollen oder nicht.

Bitte, Eminenzen und Exzellenzen, hören Sie doch auf, das ewige Gerede von der „Ausgrenzung“ kritiklos nachzuplappern! Zur gelebten „Ausgrenzung“ gehören mindestens zwei. Auch ist es nicht besonders einfühlsam gegenüber der eigenen Herde, dieser mit gebetsmühlenartig eingehämmerten Ermahnungen subkutan zu unterstellen, fremdenfeindlich zu sein. Oder ist die angemahnte Skrupulosität, in den hintersten Winkeln des Denkens, Sprechens und Wahrnehmens auch noch die letzten Überbleibsel des sündigen „Rassismus“ aufzuspüren und auszumerzen, das zeitgemäße Substitut für die verlorengegangene private Gewissenserforschung und Beichtpraxis?

Unvermeidbar fällt auch das Unwort des anhebenden Jahrtausends: „Dialog“. Gemeint ist der „Dialog“ mit dem Islam. Was diese von den innerkirchlichen Dialogrunden mit linken „Katholikinnen und Katholiken“ bis Assisi und Koranküssen – ad nauseam – wie ein neues Evangelium beschworenen Dialogexzesse bezwecken, was deren Ziel ist, erschließt sich dem einfältigen Christenmenschen schon lange nicht mehr. Kardinal Marx meint, der „Dialog“ könne „die Muslime kräftigen, die sich unserer Kultur und unseren Werten anpassen wollen“. Wieder vermag christliche Kindeseinfalt nicht zu erfassen, worauf das hinauslaufen soll.

Solche rhetorischen Eiertänze fügen sich nahtlos in das Gesamtbild eines Episkopats, der wohl weiß, über kurz oder lang nicht umhin zu kommen, Farbe zu bekennen, diesen Moment der Wahrheit aber so lange als möglich hinauszögern möchte, da dies hieße, mit dem „Mainstream“ – und den staatskirchlichen Privilegien – zu brechen.

Ob es unseren Bischöfen und den von ihnen hofierten Linkskatholiken schmeckt oder nicht: Gemäß den Voraussetzungen ihrer eigenen Religion hat die Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus ihren unüberbietbaren Höhe- und Endpunkt gefunden. Folglich können Propheten, welche in nachchristlicher Zeit diesen Anspruch erheben, nur falsche Propheten sein. Ferner besteht vom Evangelium her kein Moderations-, sondern ein Verkündigungsauftrag – und zwar „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Daran mögen antitrinitarische Zuwanderer aus islamischen Ländern Anstoß nehmen, aber das ist nun einmal der christliche Glaube, für den einzutreten die „Kernkompetenz“ eines Bischofs ist, respektive sein sollte. Basta!

Apropos „kräftigen“: Wie wäre es, unseren mitbürgerlichen Musliminnen und Muslimen im Rahmen des „Dialoges“ das christliche Gottes- und Menschenbild zu erläutern? Oder kann es ein Staats-Kirchenmann nicht mit dem von der Multikulti-Politik verordneten Gebot einer „Willkommenskultur“ vereinbaren, öffentlich und offensiv von der die Personalität kräftigenden Gottebenbildlichkeit des Menschen zu sprechen, weil dieses Konzept für bilderfeindliche Muslime skandalös ist?

Im „Sandwich“ zwischen grünrotem Gesinnungsdruck einerseits und einem forsch vordringenden, munter fordernden Islam andererseits wird es für Christen, für kirchliche Gemeinschaften und für die Katholische Kirche irgendwann zum Schwur kommen. Dann hat es sich auslaviert und ausdialogisiert! Niemand kann zwei Herren dienen! Dann muss Gesicht gezeigt und Farbe bekannt werden – worauf ja auch die Rottöne in der bischöflichen Amtstracht hinweisen. Selbst das diplomatische Geschick und die geschmeidige Rede eines Kirchenfürsten wie Reinhard Marx werden dann nicht mehr verfangen.

» Kontakt: generalvikar@ordinariat-muenchen.de

(Emails bitte wie immer höflich, aber bestimmt!)