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Erdogan: „Eine religiöse Generation erziehen“

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan scheint sein Land Zug um Zug islamisieren zu wollen. Berichten zufolge füllen sich die Gefängnisse mit Kritikern, werden die Schaltstellen in Militär und Justiz durch linientreue Rechtgläubige besetzt und die Jugend soll jetzt auch noch planmäßig religiös indoktriniert werden. Wer allen Ernstes der Überzeugung ist, dass sich die Türkei auch nur ansatzweise für die EU eignen könnte, glaubt auch noch an den arabischen „Frühling“, den Weihnachtsmann oder den friedlichen Islam.

(Von Michael Stürzenberger)

derStandard.at berichtet in seinem Artikel „Türkei: Die Frommen kommen„:

Wir wollen eine religiöse Generation erziehen, kündigte der türkische Regierungschef Erdogan einer verstörten Bevölkerung an. Die wundert sich schon genug über die Machenschaften von Polizei und Justiz.

Da schrillen alle Alarmglocken. Wenn eine ganze Generation in der Türkei religiös im Sinne des Islam erzogen werden soll, dann kann man sich auf einiges gefasst machen. Der alleinige Machtanspruch des Islams, die Intoleranz, die Diskriminierung Andersenkender und die Frauenunterdrückung dürften dann bald staatlich legitimiert werden. Wir wollen gar nicht an die expansiven Aspekte dieser Entwicklung denken. Die Rahmenbedingungen scheinen sich in der Türkei schon entsprechend anzupassen:

Die Massenverhaftungen ohne Ende und erkennbares Ziel (107 waren es allein am heutigen Montag, denen eine Mitgliedschaft in der KCK vorgeworfen wird, einem zumindest für die Öffentlichkeit nicht sichtbaren politischen Arm der kurdischen Untergrundarmee PKK. Mehr als 4000 dürften nun in türkischen Gefängnissen in Untersuchungshaft sitzen, zum Teil seit bald drei Jahren).

Die Anklage gegen einen General, der vor zwei Jahren noch die türkische Armee anführte, neben Staatspräsident und Regierungschef saß, aber in Wirklichkeit einer geheimen Terrororganisation vorgestanden haben soll, die den Staat umstürzen wollte.

Die türkische Polizei, die dem Netzwerk des in die USA geflüchteten Predigers Fethullah Gülen zugerechnet wird, nun eifrig Mitarbeiter des nationalen Geheimdienstes verhaftet und am vergangenen Wochenende auch versucht hat, in den Sitz des MIT in Istanbul einzudringen.

Der Geheimdienst schließlich, der – so erfährt das Publikum aus Berichten von Journalisten, die der Justiz genehm sind – eben jene nebulöse Kurden-Organisation KCK initiiert haben soll, deretwegen 4000 Personen in Haft sitzen.

Massenverhaftungen / Polizei im Netzwerk des berüchtigten Fethullah Gülen / Besorgniserregende Geheimdienst-Aktionen – da scheint sich enorm was zu tun in der Türkei des Recep Tayyip Erdogan:

Erdogan schließlich, der vor zwei Wochen einen Satz sagte, der vor wenigen Jahren noch vermutlich zu einem von der Armee erzwungenen Rücktritt und einer Anklage geführt hätte: „Eine religiöse Generation wird erzogen.“ Oder wie es Erdogans Stellvertreter Bülent Arinc später wiederholte, damit es auch wirklich klar ist: „Wir wollen eine religiöse Generation erziehen.“

Erdogans Satz, gesprochen am 1. Februar in einer der wöchentlichen Reden des Premiers in Ankara an die Provinzchefs seiner Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP), hat eine Debatte ausgelöst, die sich immer noch nicht erschöpft hat. Ein Tabu in der verfassungsrechtlich garantierten laizistischen Republik Türkei ist umgestoßen, so viel ist sicher.

Aber ein hysterischer Aufschrei bei Parteien und in der Öffentlichkeit ist ausgeblieben, erst recht Drohungen der Armee, die sich ungeachtet ihrer eigenen Schwächung noch als Garant der säkularen Verfassung sieht. Viele fühlen sich unwohl angesichts der Ankündigung einer „religiösen Generation“, manche AKP-Gegner nahmen Erdogans Äußerung mit einer grimmigen Zufriedenheit entgegen („die Maske ist gefallen“), die Tragweite des Satzes scheint allen etwas unsicher.

Das wird noch ein böses Erwachen geben mit AKP, Erdogan & Co. Genauso wie mit den „Revolutionen“ des arabischen „Frühlings“. Wie auch mit den „Demokratisierungs“-Prozessen im Irak und Afghanistan. Sowie dem Iran, der immer entschlossener nach der Bombe für den ultimativen Djihad gegen Israel greift. Oder Saudi Arabien, das hinter den Kulissen den islamischen Terror fördern soll. Man könnte zu jedem islamischen Land etwas ähnlich Beunruhigendes schreiben. Hinter allem steckt die Urkraft dieser schier unbezwingbaren Ideologie, die ihren Anhängern mit göttlichem Segen den Schlüssel zur Macht über andere Menschen in die Hände gibt. Und Männern die Macht über Frauen. Gleichzeitig eine gemeinsame starke Identität und ein überhöhtes Selbstverständnis verschafft.

Ein süßes Gift, das seit 1400 Jahren erfolgreich Menschen verführt. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn im Umgang mit dem Islam wird selbstverleugnendes Appeasement immer beliebter. Wenn sich hierbei nicht bald etwas ändert, stehen die Zeichen langfristig auf Untergang der westlichen Zivilisation. Nicht mehr und nicht weniger.