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Nazijägerin Klarsfeld: Bankrott einer Mission

Beate Klarsfeld„Alter schützt vor Torheit nicht“ – ist noch das mildeste Urteil darüber, dass die als Nazijägerin bekannt gewordene Beate Klarsfeld (Foto) eingewilligt hat, der SED-Nachfolgepartei als Bundespräsidenten-Kandidatin zur Verfügung zu stehen.

(Von Thorsten M.)

Es ist unbestritten, dass Klarsfeld zusammen mit ihrem jüdischen Mann Serge Klarsfeld, sich um die Sühne der Nazi-Verbrechen verdient gemacht hat, indem beide mithalfen, untergetauchte oder vergessene Nazi-Schergen der Justiz auszuliefern. Namentlich sei hier insbesondere der SS-Mann Klaus Barbie erwähnt, der unter anderem für das Massaker in Saint-Genis-Laval, die Deportation der Kinder von Izieu sowie zahlreiche Erschießungen im Gefängnis Fort Montluc verantwortlich war und bis 1983 von der Justiz unbehelligt blieb.

Was treibt aber eine Frau, die sich doch intensiv mit dem Phänomen „Totalitarismus“ und mit menschenverachtenden Ideologien beschäftigt hat, dazu, für die Gulag-Partei anzutreten? Ist es gekränkte Eitelkeit, weil man ihr, nachdem sie einen deutschen Bundeskanzler wegen dessen NSDAP-Mitgliedschaft (Kurt Georg Kiesinger) geohrfeigt hatte, in Deutschland bisher sonstige staatliche Ehren verweigert hat?

Viel wahrscheinlicher als ein solch großes Ego erscheint allerdings, dass Klarsfeld – geborene Künzel – für ihre Mission vielleicht wie viele 68er nur eine aus der eigenen Familiengeschichte resultierende „Nazi-Macke“ hatte. Wer für eine Partei kandidiert, die in der Kontinuität millionenfachen Mordens von „Klassenfeinden“ steht, legt diesen Schluss nahe und entwertet in jedem Fall massiv seinen Einsatz gegen die Mörder des „Rassenfeindes“. Waren in den Augen von Klarsfeld etwa nur Motiv und Auftraggeber der abscheulichen Verbrechen des Herrn Barbie die falschen?! Hätte er als kommunistischer Häscher beim Kulaken-Mord – durch diese Kandidatur – also ihre Absolution gefunden?

Es ist sehr schade, dass Klarsfeld diesen Schatten nun wohl nicht mehr loswerden wird. Sie hofft mit dieser Kandidatur wieder Relevanz zu bekommen. Tatsächlich manövriert sie aber ein Lebenswerk in den zumindest vorläufigen Bankrott.