Von einer Leitkultur wird auch nirgends mehr gesprochen. Ängstlich zieht die konservative Politik ihre Flügel ein, die Linken leben sowieso lieber nach der Leitkultur Kubas oder der von Ougadougou, die der deutschen selbstverständlich in allen Bereich überlegen ist. So funktioniert das aber nicht. Für uns gilt der Westen und nicht der Islam. Hier eine weitere Fortsetzung des Simson-Essays.

Uwe Simson
Ohne Leitkultur geht es nicht.

Das Ideal einer multikulturellen Gesellschaft wird heute zwar nur noch von nostalgisch gestimmten Minderheiten hochgehalten, es wird aber nicht immer klar gesehen, dass sich aus der Aufgabe dieser Idee zwingend die Notwendigkeit ergibt, für jede Gesellschaft bestimmte kulturelle Normen als verbindlich anzuerkennen.

Natürlich können fremde Kulturen die eigene bereichern, und alle Kulturen der Welt haben davon profitiert. Nur eignen sich nicht alle Kulturelemente gleichermaßen für den Transfer. Bratwurst und Döner werden ohne Schwierigkeiten koexistieren, ebenso wie Walzer und Bauchtanz oder Mozart und afrikanische Rhythmen, aber wenn es um die zentralen Funktionsmechanismen der Gesellschaft geht, muss man sich entscheiden.

So ist der Cantus firmus in unserem gesellschaftlichen Konzert der Gleichheitsgedanke, während zum Beispiel das zentrale Interesse des islamischen Gesellschaftsentwurfs die Begründung von Ungleichheit ist (zwischen Mann und Frau, Gläubigen und Ungläubigen und zwischen verschiedenen Arten von Ungläubigen).

Es ist wie im Straßenverkehr, wo man im Prinzip genauso links wie rechts fahren kann (auch der englische Verkehr funktioniert), während etwa die Vorstellung, Lastwagen könnten links, Personenwagen aber rechts fahren, ersichtlich absurd ist. Demokratische Gesellschaften sind darauf angewiesen, dass für alle Mitglieder die gleichen zentralen Regeln gelten.

Man kann diesen Set von Regeln, solange kein hübscherer Ausdruck zur Verfügung steht, »Leitkultur« nennen. Allerdings nicht unbedingt »deutsche Leitkultur«, denn Franzosen, Finnen oder Norditaliener werden bei Übersiedlung nach Deutschland an ihrer kulturellen Grundausstattung nichts ändern müssen, und sogar die Niederländer, die sich gegen alles Deutsche immer so gewissenhaft abgrenzen, haben hier nicht die geringsten Probleme. Zu fordern ist also keine deutsche Leitkultur, sondern eine moderne westliche.

(Der vorangegangene Teil 3 mit weiteren Links hier!)

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10 KOMMENTARE

  1. Die Lektüre aller vier Teile dieser Abhandlung von Simson ist schlicht und ergreifend ein intellektueller Genuss.

    Und sie steht PI gut zu Gesicht.

  2. Interessanter Artikel, dem man voll zustimmen kann, bis auf eine Kleinigkeit:

    […]und sogar die Niederländer, die sich gegen alles Deutsche immer so gewissenhaft abgrenzen,[…]

    Die Niderländische Nationalhymne (Het Wilhelmus – Der Wilhelm) fängt bekanntlich folgendermaßen an:

    Wilhelm von Nassau
    bin ich, von deutschem Blut,
    dem Vaterland getreu
    bleib’ ich bis in den Tod.
    Ein Prinz von Oranien
    bin ich, frei, unerschrocken,
    den König von Spanien
    hab’ ich allzeit geehrt.

    Ganz so deutschophob sind sie ja nicht.

  3. Mit einer Einschränkung stimme ich zu. Nationale Leitkulturen haben ihre Berechtigung nicht dadurch eingebüßt, dass unsere europäischen Völker sich in Vielem sehr nahe stehen.

    Wir teilen fundamentale Werte, aber nicht alle, wie uns gerade am Beispiel Griechenlands vorgeführt wird. Was bei uns gern als Sekundärtugenden bezeichnet und als Nazi verdächtig verunglimpft wird, ist Ausruck historisch gewachsenen Nationalcharakters und sollte so wenig eingeebnet werden wie das erratischere Temperament der Griechen, die britische Fairness und Debattierkunst oder die weit verbreitete Begabung der Franzosen, feuilletonistischen Räsonierens.

    Der europäische Geist, der uns verbindet ist ja lustiger Weise gerade die Vielfalt, die sich auf gleichen oder auch verwandten geistesgeschichtlichen Fundamenten entwickelt hat und die Schönheit unseres Kontinents ausmacht.

    Aber, das erscheint beim Lesen des Artikels eigentlich nebensächlich, denn das Wichtigste ist, dass fundamentale Gegensatz von unserem Menschenbild der Gleichheit vor dem Gesetz (und Gott), das unsere Freiheit begründet und dem islamischen Gesetz der gottgewollten Ungleichheit (das eine Demokratie im westlichen Sinn verhindert) herausgearbeitet.

    Das ist die Kernaussage, die die Scharia Debatte bestimmen muss!Denn sie ist das Fundament aller islamischen Rechtsschulen.

    Das Händeabhacken lässt sich durch das gradualistische Prinzip, dass al Qaradawi als Weg zu Islamisierung der Welt theologisch begründet aufschieben, die Ungleichheit aber nicht!

    Das Beispiel aus dem Straßenverkehr ist ein sehr eindrucksvolles Bild, das gleichzeitig wunderbar
    unangreifbar ist, da es nicht wertet.

    Ein super Artikel!

  4. #3 Toytone (15. Feb 2012 15:40)
    Wilhelm von Nassau
    bin ich, von deutschem Blut,
    dem Vaterland getreu
    bleib’ ich bis in den Tod.
    Ein Prinz von Oranien
    bin ich, frei, unerschrocken,
    den König von Spanien
    hab’ ich allzeit geehrt.

    Ganz so deutschophob sind sie ja nicht.
    ——————-
    Was nicht ist, das kann (muss)!ja noch werden,weil nur eine „innereuropäische Einigkeit“,im Bezug auf die Islamisierung unseres Kontinents,diesen, evtl. noch abwenden kann.

  5. Lastwagen könnten links, Personenwagen aber rechts fahren

    Bei näherem Nachdenken passiert genau DAS auf englischen Autobahnen.

  6. Ich bin semantisch gesehen gegen den Begriff Leitkultur, da dieser Begriff impliziert, dass es neben der Leitkultur noch eine andere Kultur (vielleicht Folgekultur) gibt. Diese hat es m.E. aber nicht auf unserem Staatsgebiet zu geben, wenn man das Wort Integration ernst nimmt. Es gibt keine Leitkultur, es gibt im Verhältnis von Zuwandereren zu uns nur eine zu akzeptierende Kultur: die von uns!

    Das bedeutet nicht, dass Zugewanderte ihre Kultur nicht privat pflegen können (das sollen sie!). Das bedeutet aber, dass sie keinen Anspruch auf etwas anderes, als unsere Kultur haben. Ansonsten, dahin zurück, wo man sich richtig wohlfühlt. Das ist übrigens auch das Motto klassischer Einwandererstaaten, wie Kanada, USA, Australien pp.

  7. #5 haldol (15. Feb 2012 16:04)

    Mein Gott, was bist du doch für ein armes Schwein, dass Du auf die Hautfarbe abzielen musst. Bist Du etwas zu kurz gekommen im Leben.

    Du bist etwas zu früh hier. Die EUdSR sucht Leute, wie Dich, erst dann, wenn es an die Selektion und an den Transport geht. Ich fand das nicht witzig, ich finde Dich Scheiße und ich finde es Scheiße, dass so ein Línk hier stehen bleibt. Das hat nichts mit Zensur zu tun!

    Ist Dir eigentlich bewusst, dass Du alle, die in Hartz IV fallen damit ihrer Würde beraubst.
    Ist Dir, Hänschen, eigentlich bewusst, dass in Hartz IV Leute sind, die dreißig Jahre und länger eingezahlt haben?

    Troll Dich!

  8. UM FORTBESTAND EINES STAATES ZU GARANTIEREN IST ES NICHT GENUG, DASS SICH DESSEN BÜRGER NUR AUF GRUNDNORMEN EINIGEN, im Sinne „Du darfst nicht töten“ oder „Du darfst deine Frau nicht schlagen“.

    In guten Zeiten vielleicht reicht es aus, in schlechten (wenn man z.B. das Land im Krieg verteidigen muss) nicht. Denn jemand, der sich mit dem Land nicht identifiziert, wird für dieses Land sein Leben nicht riskieren.

    Die persönliche Identifikation mit dem Land entsteht nicht durch elementare Verhaltensregeln, sondern durch kulturelle und emotionale Identität, also durch Sprache, Geschichte, Bräuche, Feste, persönliche Beziehungen usw.

    Durch Integration geschieht es noch nicht. Alle Bürger Jugoslawiens waren nach heutigen Kriterien integriert (Sprache, Arbeit, Grundgesetz usw.), es endete trotzdem mit Blutbad.

    ASSIMILATION MUSS DAS ZIEL SEIN.
    UND ZWAR AUFGRUND DER DEUTSCHEN KULTUR.

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