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Zeit für die Aufklärung zu kämpfen!

Als ich heute den Beitrag der Autorin Sibylle Berg auf „Spiegel Online“ las, hatte ich nach den ersten Sätzen einen sehr positiven Eindruck von ihm – hatte es da etwa ein Freidenker durch die Mainstream-Zensur geschafft?

(Gastbeitrag von Solo-Album)

Der Artikel begann äußerst vielversprechend:

Religion ist, wenn Männer unterdrücken

Warum verklären wir schreckliches Leid als hübsche Tradition? Im Namen der Religionen werden weltweit Frauen, Intellektuelle und Homosexuelle terrorisiert – und die Gewaltbereitschaft wächst sogar. Höchste Zeit, wieder für die Aufklärung zu kämpfen.

Früher, als ich aufgrund meiner hervorragenden körperlichen Verfassung meine Vorstellungen von der Welt noch mit Besichtigungen am Objekt abglich, besuchte ich Länder, deren Tradition keine Trennung von Staat und Religion vorsah.

Neben dem Umstand, als ausländische Frau jemand zu sein, mit dem Männer nicht reden, den sie aber begrapschen können, setzte mir am meisten die völlige Abwesenheit von Frauen im öffentlichen Raum zu. Die Atmosphäre war dumpf, unausgeglichen, latent aggressiv.

Für mich lasen sich diese ersten Sätze wie eine ideale Einleitung für einen kritischen Artikel über die Ausbreitung des Islams in Europa. Allerdings ging es danach etwas unverhofft weiter:

Vermutlich könnte man in Europa Ähnliches beobachten, wäre in Deutschland die NPD Regierungspartei oder regierten andernorts die Katholiken. In deren Schatten Männer, die sich durch nichts auszeichnen, endlich mal wer sein könnten, endlich mal Frauen den Kurs durchgeben könnten, den Intellektuellen Vorschriften machen dürften. Die Diktatur der grauen Masse, die Macht des kleinen Dummkopfs.

Wie man an dieser Stelle die NPD oder Katholiken als Negativbeispiele ins Feld führen kann, ist mir schleierhaft. Um zu wissen, wo in diesem Land in Sachen Frauenunterdrückung wirklich der Schuh drückt, hätte die Autorin vielleicht öfters 3sat schauen sollen.

Äußerst schade, was die Autorin in dem vorherigen Absatz fabriziert hat. Denn auch die folgenden Fragmente hätten prima in einen islamkritischen Artikel gepasst:

Das, was wir beschwichtigend als Tradition bezeichnen, ist nichts weiter als Diskriminierung, Sexismus und Rassismus. Statt zu Hause zufrieden an irgendetwas zu glauben, das keinen angeht, herrscht auf der Welt wieder zunehmend die Macht der Muskeln über den Verstand. Die Brutalität über die Diplomatie. Die Religion, von Männern erdacht und gemacht, ist die Vorstellung, die sie von der Welt haben, und fast immer hat sie mit der Unterlegenheit der Frau, dem Ausschluss von Randgruppen zu tun, und ich verachte sie dafür aufrichtig. (…)

Die Anleitung zur Ausgrenzung eines anderen Geschlechts und zur Dominanz von Personen mit Samenleitern funktioniert wieder hervorragend.

Der Verunsicherung der Menschen mit Dummheit und Brutalität zu begegnen, ist ein neuer starker Trend. Ordnung muss her, in Europa verarmt man oder wird konservativ, in Israel beginnen Religiöse, unzüchtige Frauen mit Steinen zu bewerfen, in weiten Teilen der Welt werden sie nach wie vor beschnitten, dann ist da noch die Todesstrafe für Homosexuelle. Der Drang zur Abgrenzung wächst und macht das ohnehin schwer erträgliche Leben unerträglich. (…)

Stattdessen bewegen wir uns zurück ins Konservative, Traditionelle, ein anderes Wort für überholt und inhuman, um, wenn alles gutgeht, als Lurche wieder in Gewässern zu verschwinden.

Leider hat dieser Artikel nicht geleistet, was er mit nur einigen Ergänzungen leicht hätte leisten können, nämlich die schonungslose Anprangerung der Unterdrückung der Frau in der islamischen Kultur und somit auch in Deutschland.

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