1

Los Angeles: Brechts Haus wird abgerissen, Thomas Manns Villa vermietet

Es sieht so aus, als ob Bertolt Brechts Haus in Los Angeles abgerissen wird. Wie man vielleicht weiß oder nicht weiß, mußten viele unserer bedeutendsten Köpfe – Schriftsteller, Komponisten, Filmregisseure und Philosophen – 1933 vor den Nazis aus Deutschland flüchten. Nicht wenige davon landeten in Los Angeles, darunter Thomas und Heinrich Mann, Bert Brecht, Lion Feuchtwanger, Erich Maria Remarque, Hans Habe, Curt Goetz, Alfred Döblin, Vicky Baum, Alfred Polgar, Walter Mehring, Arnold Schönberg, Ludwig Marcuse und viele mehr. Die Adressen der Häuser sind bekannt, sie stehen noch. Bert Brechts Haus in der 26th Street in Santa Monica (Foto) wird nun aber offenbar abgerissen.

Brecht, der „öfters als die Schuhe die Länder wechselnd“ von Prag, Wien, Zürich, Paris, Dänemark, Schweden, Finnland durch die ganze Stalinsche Sowjetunion über Wladiwostok und den Pazifik in Los Angeles gelandet war, wohnte zuerst in Hausnummer 817 in der 25. Straße und danach im abgebildeten Haus Nr. 1063 in der 26. Straße in Santa Monica.

Im ersten Foto sehen Sie unten rechts eine weiße Tafel, ein Baugesuch, das im Foto 2 vergrößert ist. Die Hausbesitzer beabsichtigen, demnächst eine Lizenz zu beantragen, um „Strukturen“ des Gebäudes zu zerstören. Da es noch das einzige Holzhaus der ganzen Umgebung ist, soll es wohl durch ein Massivhaus ersetzt werden. Das Haus machte auch, zumindest heute, einen verlassenen Eindruck.

Während Brechts Haus wohl verschwindet, steht Thomas Manns Villa am 1550 San Remo Drive in Pacific Palisades in alter Schönheit da, nur sieht man nichts. Die Hecke ist dicht, die Bäume am Gartenzaun sind teilweise 25 Meter hoch, und die Bewohner haben mit Mann und deutscher Literatur nichts am Hut und wollen auch nicht gestört werden. Deshalb ist die Villa nun zu vermieten, wie sie auf dem dritten Foto sehen. Von mir geschätzter Mietpreis 15.000 Dollar/Monat.

Nun haben wir aber eben den Griechen viele Milliarden Euro geschenkt. Warum kauft der deutsche Staat das Haus nicht für lächerliche 15 oder 20 Millionen Dollar? Das Geld wäre in dieser Top-Wohnlage sicher angelegt. Einige Leute haben Los Angeles als „das Weimar am Pazifik“ bezeichnet, ein Goetheinstitut ist anscheinend auch in der Stadt, warum kein Geld für Kultur. Allerdings ist aus Feuchtwangers Villa Aurora, 520 Paseo Miramar ebenfalls in Pacific Palisades, eine Kultureinrichtung geworden. Das könnte man ausbauen mit einer Gedenkstiftung. Im übrigen sollte man aus den zwei Villen von Thomas Mann und Lion Feuchtwanger – im Internet sind einige Fotos –  keine falschen Schlüsse ziehen. Den meisten Emigranten damals ging es ziemlich schlecht. Den Kommunisten Brecht zog es nach dem Krieg in die DDR, Thomas Mann übersiedelte ein paar Jahre später nach Zürich, Lion Feuchtwanger blieb bis zu seinem Tod in L.A.