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Katholische Akademie hofiert Nationalist Gülen

Die Anhänger des umstrittenen nationalistischen Predigers Fetullah Gülen galten bis jetzt als Schmuddelkinder und taten sich sehr schwer, sich öffentlich zu etablieren. Jetzt erhielten sie nach einjähriger Vorarbeit von der katholischen Kirche Unterstützung mit einer eigenen Tagung in der katholischen Akademie Hohenheim.

(Von Werner Sigel)

Tagungsgebäude Hohenheim

Der islamische Fundamentalist Fetullah Gülen ist den wenigsten bekannt. Er steht nicht unter Beobachtung vom Verfassungsschutz, die nach ihm benannte „Gülen-Bewegung“ ist aber eine nationalistische türkische Strömung innerhalb des Islam und in Wikipedia – dank deren einseitigen politischen Vorgabe – nur unzureichend beschrieben. Das kann hier in der Kürze auch nicht nachgeholt, sondern nur Stichwortweise angeführt werden. Immer wieder ist der umstrittene Gülen Thema in der Medien – wie z.B. hier bei Necla Kelek in der FAZ, auch Spiegel, Welt, StN und StZ. Zu der Struktur ist verkürzt zu sagen, dass Gülen in der Türkei verboten wurde, aber in den USA Asyl erhielt und dort sein Werk fortsetzt. Er macht es durch keine Organisation, sondern durch ein undurchsichtiges Netzwerk. Die eigentliche Indoktrination erfolgt nicht in den Schulen, sondern in den sogenannten Lichthäusern, wie dieses in Nürtingen, das nur für Frauen ist:

Durch diese gewollte Intransparenz ist es sehr schwer, dieses Netzwerk zu durchschauen. Es gibt aber Institutionen, die sich darauf spezialisiert haben. Schulen wie Prisma, Nachhilfeschulen wie BIL, Organisationen wie Süddialog oder Begegnungen e.V. gehören zum Gülen-Netzwerk. Ein Propagandist ist übrigens kein geringerer als der stellvertretende Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Nils Schmid (SPD), der vorzugsweise Gülen-Veranstaltungen besucht und Gülen-TV-Sendern Interviews gibt. Ob seine türkischstämmige Gattin oder sein Nachbar treibende Kraft dahinter ist, ist unklar.


Lange behauptete die BIL-Schule aus Stuttgart, keine Gülen-Schule zu sein – ebenso die anderen Gülen-Institutionen. Mit so mancher gerichtlichen Auseinandersetzung wurde versucht, Menschenrechtler, die kritisch hinterfragten, mundtot zu machen. Ab 2011 fand schließlich ein Strategiewechsel statt. „Wir lesen Gülen und sind seine Anhänger, aber wir sind nicht in seinem Netzwerk“, so ist aktuell deren abgesprochene Darstellung, die auch wörtlich so in Hohenheim geäußert wurde.

Die katholische Kirche unterstützt jetzt diese türkisch-stämmigen Nationalisten mit einer eigenen Tagung. Während der Tagung wurde zu dem vorhandenen muslimischen Gebetsraum extra ein zweiter Gebetsraum eingerichtet, allerdings versäumte man die Geschlechtertrennung, die aber trotzdem eingehalten wurde:

In der Eingangsrede sagte Dr. Hansjörg Schmid, verantwortlich für den christlich-islamischen Dialog (Fettdruck von mir):

Wir freuen uns auch, dass wir diese Tagung zusammen mit Kooperationspartnern vorbereitet haben und durchführen werden. Unser ganzes Leitungsteam sehen Sie ja hier vorne versammelt. Es ist so, dass wir zum ersten Mal in der Akademie mit den beiden Vereinen Süddialog und Begegnungen e.V. kooperieren und es ist für uns auch ein sehr positives und schönes Zeichen, dass diese Vereine immer stärker in die Öffentlichkeit treten und sich dem Dialog stellen. Es gab auch eine parlamentarische Anfrage zur Gülen-Bewegung, der diese Vereine zugehören, da sie verbunden sind, und die endete mit einer Empfehlung zum Dialog. Ich fand es eigentlich auch sehr schön und das ist auch etwas, was wir auf dieser Tagung praktizieren werden.

Ich sprach später Herrn Schmid auf diese Anfrage an und er verwies auf die Dialogempfehlung in der Anfrage siehe hier, – dritter Link „PDF Download“ – wo die Forderung lautete:

Hierfür kämen insbesondere ein vertiefter Dialog mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen und eine für die Öffentlichkeit nachvollziehbare Darstellung von Geschichte, Strukturen und Finanzbeziehungen in Betracht.

Auf meinen Einwand, das könnte man auch anders lesen (ich meinte die fehlende Transparenz von Strukturen und Finanzen), ließ er nicht gelten und sagte, es wäre doch eine eindeutige Dialogaufforderung. Im übrigen war er sehr erstaunt, wie schnell ich ihm die parlamentarische Antwort gedruckt aus dem Ärmel zauberte. Und zwar nicht die offizielle Version, die Sie vorher lesen konnten, sondern die interne Original-Version, fragen Sie mich aber nicht, woher ich die habe. Der Kern war also: Schmid redete von Dialog, ich aber von Transparenz. Die Transparenz sah in der Veranstaltung dann so aus, dass sie mit einem Halbsatz sagten, dass es Mitgliederspenden seien bzw. eine gemeinnützige Stiftung, also eine Wafg. Diese allgemeine dürftige Pauschalbehauptung ist aus meiner Sicht keine ausreichende Erklärung und absolut unbefriedigend. Sehr bedenklich empfinde ich auch, dass im Buch „Neuer Antisemitismus?“ von Dr. Hansjörg Schmid als Co-Beitrag ein Islamist Murad W. Hofmann schreibt, der das religiöse Schlagen der Frau mit einem Fächer oder Handtuch empfiehlt. Zutiefst empört war ich allerdings, dass er den türkischen Stuttgarter Generalkonsul Türker Ari extra in seiner Ansprache begrüßte, leugnete oder relativierte der doch – je nach Lesart – den Armeniergenozid in einem Leserbrief kurz nach seinem Arbeitsantritt:

Anschließend zog sich Dr. Schmid weitgehend zurück und übergab die Tagesleitung den drei Vertretern der Gülen-Bewegung, nur am allerletzten Referat am Samstag hatte Herr Mayer vom KICD die Leitung. Der absolute Hammer ist, dass hier indirekt die Muslimbruderschaft am Tisch sitzt, ist sie doch Mitglied im KICD (siehe hier). Ich meine die CIBZ Stuttgart, die zur Muslimbruderschaft zählt. Ich weiß, wovon ich rede, da ich praktischen Einblick in deren Struktur habe.

Das Auftaktreferat von Prof. Dr. Jürgen Körner über „Moralisches Handeln und die Entwicklung des altruistischen Verhaltens“ war für mich das beste Referat der Veranstaltung, obwohl ich kein Freund bin, der alles unter der Brille der Psychoanalyse analysiert. Die Analyse war gut, die Erkenntnis auf Abhilfe aber unbefriedigend. Eine Erklärung, warum er es in Berlin zu 70 % mit schwerkriminellen Jugendlichen mit arabisch-palästinensischem Hintergrund zu tun hat, hatte er nicht und er suche weiter nach einer Erklärung. Die Religion sei es jedenfalls nicht.

In einem anderen Vortrag schrieb Rebekka Klein in ihrem Thesenpapier zur Tagung:

Das interreligiöse Gespräch bedarf daher in erster Linie der Distanzierung von christlichen Überbietungsansprüchen.

Gemeint war die Nächstenliebe. Sie setzte im Referat noch eins drauf, zitierte Adorno „Christliche Nächstenliebe überfordet den Mensch“ und überbot es dann nochmal mit Søren Kierkegaards Zitat „Aufopfernde Nächstenliebe ist eigentlich Selbstliebe, indem man sich selbst moralisch erhöht.“ Das ist also, was die Katholische Kirche offenbar aktuell zur Nächstenliebe denkt.

Beim Vortrag von Dr. Winfried Verbung aus Osnabrück wurde seine Drei-Religionen-Schule vorgestellt. Es sind 17 Schulen und es erfolgt auf Wunsch islamischer Religionsunterricht. Mit zeitgemäßen Methoden, wo die Schüler selbst ihre Gebete wie Vaterunser und Sure Eins vorstellen. Auf meine Frage in der Fragerunde, ob die Kinder nicht überfordet sind und damit das Wissen nur rudimentär bleibt, da sie die Problematik vom siebten Vers der Sure eins nicht kennen, wo Juden und Christen als Irregehend und den Zorn Allahs auf sich gezogen diffamiert werden, erhielt ich die Antwort, sie machen keine Exegese im Religionsunterricht. Tja, kritisches selbstständiges Denken im Sinne der Kant’schen Aufklärung ist eben nicht mehr zeitgemäß bei dogmatischen Ideologen. Ein Moslem ging dann auf mich zu und empfahl mir die Exegese von Hartmut Bobzin. Mein Anliegen war aber die moslemische Auslegung und nicht die von Nichtmoslems wie Bobzin.

Dr. Fuchs von der Uni Tübingen sprach sich in seinem Vortrag dafür aus, das kirchlich Arbeitsrecht islamgerecht anzupassen.

Beim Vortrag der Professorin Dr. Havva Engin erfuhr ich, dass Deutschkenntnisse kein Indikator für Integration ist, sondern die Identität über eigene Sprache gefordert wird. Auch, dass Moscheen laut Umfragen sehr viel zur Integration beitragen und viel zu wenig finanziell gefördert werden. Weiterhin forderte sie anonyme Bewerbungen und empörte sich heftig, dass laut Studie 41 Prozent der Gastronomiebetriebe im Service keine Kopftuchträgerin einstellen werden. Integration wurde von ihr abgelehnt, stattdessen sollte man Partizipation (also Teilhabe) einfordern.

Prof. Dr. Urs BaumannProf. Dr. Urs Baumann (Foto l.), Uni Tübingen, erklärte uns den Unterschied zwischen Salafiten (zu Mohammeds Zeiten und den rechtgeleiteten Kalifen) und Salafisten (wo durch das „s“ wie bei Islamisten negatives assoziiert wird und die heutigen Anhänger darstellen). Ein kurzer Telefonanruf bei einem befreundeten Islam- und Religionswissenschaftler ergab aber, dass diese Differenzierung lediglich ideologisch begründet ist und nicht dem islamwissenschaftlichem Standard entspricht. Kein Wunder, erklärte mir doch derselbe Professor beim Abendessen am Tisch, es sei eine Legende, dass die Türkei die christliche Pfarrerausbildung verboten habe. Dies sei nur eine Folge des Konflikts mit Griechenland um Zypern, und da habe man eben alle Griechischstämmigen ohne türkischem Pass ausgewiesen und die griechisch-orthodoxe Pfarrerausbildung kam damit zum erliegen. Im übrigen stehe die Religionsfreiheit in der türkischen Verfassung.

Mein Fazit: Die türkischstämmigen Nationalisten werden inzwischen von der katholischen Kirche hofiert und fest etabliert. Wie ich auch erfahren habe, wird Hussein Hamdan in wenigen Monaten beim Referat christlich-islamischer Dialog fest angestellt in der katholischen Akademie Hohenheim. Seine Forderung bei einer Dialogveranstaltung in Reutlingen, wo ich auch als Zuhörer war, gipfelten in der Forderung, Christen und Moslems sollen gemeinsam das Vaterunser und die Sure eins beten. Dass der siebte Vers der Sure eins problematisch ist, wurde von ihm abgestritten. Allerdings bestätigte mir im Rahmen der Koranverteilaktion ein Salafist, dass tatsächlich Juden und Christen im siebten Vers gemeint sind, selbst der Übersetzer der gängigsten deutschen Koranübersetzung, Rassoul, interpretiert es genauso (siehe hier). Abschließend noch „by the way“: ca. 44 Teilnehmer der 125 Teilnehmer waren der Gülen-Bewegung zuzurechnen.

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