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Nationale türkische Werte in Franken

Der Vorstand der Erlenbacher Ditib-Gemeinde, Feyyaz Kelpetin, eingerahmt von deutscher und türkischer Flagge [1]Eine Militärkappelle spielt auf, Reden über „nationale Werte“ und „Blutsverwandtschaft“ werden geschwungen, und das alles auch noch in einer städtischen Halle. Eine rechte Veranstaltung ohne Störung (pardon „Zivilcourage“) von Linken oder Linksextremisten, wie kann das sein? Ganz einfach: Die Patrioten hatten die richtige Volkszugehörigkeit und dann ist „rechts sein“ auch in Deutschland sehr willkommen.

Main-Netz [2]-Autor Heinz Linduschka, ein Gymnasiallehrer und Kommunalpolitiker der FDP, ist ganz außer sich vor Begeisterung:

Klänge, religiöse Gesänge und wirbelnde Derwische: Es war das Fest der türkischen Moslems aus den fünf Ditib-Gemeinden Aschaffenburg, Miltenberg, Laufach, Stadtprozelten und dem Gastgeber aus Erlenbach. Gut 1000 Frauen, Männer und Kinder feierten am Sonntag die Nacht der Geburt des Propheten Mohammed in der Frankenhalle in Erlenbach.

Der Veranstaltungsort konnte den Ansturm zu dem Nachmittag mit Filmsequenzen über die verbindende und weltumspannende Kraft des Islam, Festreden und Lesungen aus dem Koran kaum fassen. Für Verpflegung war reichlich gesorgt, schließlich hatten viele Gäste typisch türkische Speisen mitgebracht, die sie im Foyer anboten. Vier Flaggen schmückten die Bühne der Halle: die türkische, die deutsche, die Europas und die der Ditib aus Köln. Im Eingangsbericht verkündete ein Transparent »Einfach wohlfühlen – Erlenbach am Main«.

Die Nacht der Geburt des Propheten Mohammed ist eine der »fünf gesegneten Nächte« im Islam. Das Fest hatte fast familiären Charakter, trotz der großen Menschenmenge, die sich zum Feiern in der Frankenhall einfand. Zu Beginn erhoben sich alle Gäste, um die türkische Nationalhymne zu singen.

Einige Zuhörer übersetzen

Als Deutscher, der des Türkischen nicht mächtig ist, fühlte es sich etwas befremdlich an, dass Reden, alle Gebete, die Koransuren, alle Lieder und auch die Filmausschnitte ausschließlich auf türkischer Sprache erklangen. Das war etwas ungewohnt mitten in Deutschland, aber angesichts des Anlasses vielleicht nachvollziehbar. Jedoch übersetzten einige der türkisch sprechenden Zuhörer ein paar Passagen.

Die Begrüßung erfolgte durch den Vorsitzenden der Erlenbacher Ditib-Gemeinde, Feyyaz Kelpetin, der mit seinem Team die große Veranstaltung perfekt organisiert hatte. Ein Ausschnitt aus seiner Rede in autorisierter Übersetzung: »Es ist unsere Absicht, das Wohlgefallen von Allah zu verdienen und solidarisch unsere nationalen und ideellen Werte zu leben. Diese Veranstaltung soll ein Zeichen dafür sein, dass wir zwar sehr weit von unserem Heimatland und von unseren Verwandten entfernt, aber sehr nah an Allah, am Koran und an unserem Propheten Mohammed sind.«

Sechs Verpflichtungen

Festredner war der Religionsattaché des Türkischen Generalkonsulats in Nürnberg, Cafer Acar. Er stellte auf Nachfrage Teile seiner Rede in Übersetzung zur Verfügung. Darin wirbt er mit Bezug auf den Koran für die drei verschiedenen Formen von Brüderlichkeit: »Blutsverwandtschaft, gemeinsame Werte und geografische Brüderlichkeit.« Anschließend erläuterte der Religionsattaché die sechs Verpflichtungen, die laut Prophet Mohammed die Nachbarn füreinander haben: »Besuche, wenn der Nachbar erkrankt ist; Teilnahme an der Beerdigung, wenn der Nachbar stirbt; Geld leihen, wenn der Nachbar in finanzieller Not ist; dem Nachbarn gratulieren, wenn ihm etwas Positives zustößt, und ihn trösten, wenn er etwas Negatives erleidet; das eigene Haus nicht höher bauen als das Haus des Nachbarn, um die Belüftung seines Hauses nicht zu beeinflussen, und den Nachbarn den Duft der Mahlzeit nicht bemerken lassen, wenn man ihm nichts davon geben kann.«

Toleranz und Brüderlichkeit

Zwischen einem Film, der konkret Brüderlichkeit in Bild und Ton präsentierte, und einer Vorführung der wirbelnden Derwischen formulierte der Religionsbeauftragte der Erlenbacher Gemeinde, Mevlüt Simsek, detailliert den religiösen Anlass für das Fest: »Wir haben uns versammelt, um unseres Propheten, der zum Segen aller Menschen beauftragt wurde, zu gedenken und zu verstehen. Damit wir in unseren Personen, in unseren Häusern und in unserer Gesellschaft glücklich leben können, sollten wir uns ein Beispiel an unserem Propheten Mohammed nehmen. Indem ein Moslem fünf Mal am Tag betet, zitiert er den Namen Mohammed unbewusst 121 Mal. Das ist Anlass dazu, sich an seine vermittelten Werte zu erinnern und diese zu leben. Damit wir im vergänglichen Leben auf der Welt, im unendlichen Leben im Jenseits ein Wohlbefinden erlangen können, müssen wir gefällig, tolerant und brüderlich sein.«

Nach knapp drei Stunden ging es zu den Klängen der orientalischen Militärkapelle aus München von der Frankenhalle zur Erlenbacher Moschee.

Grundsatzinformationen über die türkische Kolonialverwaltung für Deutschland, DITIB, gibt es hier [3].

(Foto oben: Der Vorstand der Erlenbacher Ditib-Gemeinde, Feyyaz Kelpetin, eingerahmt von deutscher und türkischer Flagge)

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