Die USA mit ihren 100% Staatsschulden (bezogen auf das BIP) haben Glück, dass sich im Moment alles auf die europäischen Schulden konzentriert. Das meint zumindest der US-Banker Charles Dallara, Chef einer der größten Bankenverbände und Unterhändler des Griechenland-Schuldenschnitts.

Er gibt dem nächsten US-Präsidenten maximal sechs Monate Zeit, den Haushalt in Ordnung zu bringen, sonst würden „die Märkte das tun“. „Die Märkte“ (in diesem Fall die Ratingagentur Moodys) haben derweil dafür gesorgt, dass die Spanier in den Morgennachrichten davon hören, dass 28 Banken des Landes zum Teil bis auf Ramschniveau herabgestuft wurden.  Die Santander-Bank rutschte auf A3, was aber vermutlich noch nicht das Ende der Fahnenstange sein wird. Die Investorenszene ist nicht überzeugt, dass die in solchen Banken gelagerten Staatsanleihen und toxischen Immobilien-Kredite noch etwas wert sind.

Schuld an der Misere ist also der spanische Staat, der auch direkt nach Beantragung von EU-Hilfsgeldern von der Kommission gerüffelt wurde, er habe zu wenig getan. Vereinbart waren Mehrwertsteuerhöhung, Erhöhung des Renteneintrittsalters und Schrumpfung der Beamtengehälter. Davon ist in dem Land mit 8,9% Neuverschuldung des BIP noch nichts umgesetzt.

Für all diejenigen, die erst jetzt, kurz vor der unvermeidlichen Finanzkatastrophe anfangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen: Die Menschen wählten Regierungen, die ihnen Wohltaten versprachen (bekennende und getarnte Sozialisten). Die höheren Staatsausgaben wurden mit Schulden finanziert. Sobald ein Staat sich über 60% seines Bruttoinlandsproduktes verschuldet, beginnt die Zone der Unzuverlässigkeit, was in Europa fast jeden Staat betrifft, ab 100% Staatsschulden ist man überschuldet. Wenn dann noch die Wachstumsprognosen schlecht sind, steigen die Zinsen, die der Staat zahlen muss, um sich Geld zu leihen. Dadurch steigt wiederum die Staatsverschuldung.

Diese Spirale kann nur durch Senkung der Staatsausgaben durchbrochen werden, was die Politiker nicht wollen, weil sie dann nicht mehr gewählt werden. Stattdessen sollen die Wähler aus anderen Ländern, die sparsamere Regierungen wählten, dafür garantieren, dass die verschwenderischen Regierungen nicht auf dem Trockenen sitzen. Sie zahlen entweder direkte Hilfen oder bürgen oder zahlen in große Hilfstöpfe ein. Weil das auf Dauer eine Zumutung ist, möchte man nun aus diesen verschiedenen Ländern ein großes Land EUdSSR machen. Dann muss sich niemand mehr über den Tisch gezogen fühlen und kann sein persönliches Engagement reduzieren, weil er ja sonst ständig für alle anderen mitbezahlen muss. Da sich kein Privater mehr engagiert, muss der Groß-Staat für Produktionsstätten sorgen. Das System nennt sich Planwirtschaft und wird den Wohlstand so lange senken, bis die Bürger eingesehen haben, dass sie die falschen Leute gewählt haben.

Niemand hat gesagt, dass die freie Marktwirtschaft das einfachere System ist, aber sie ist mit Sicherheit das bessere für alle Beteiligten. Ein  Staat, der sich verschuldet, muss wissen, dass er pleite geht und mit leeren Händen dasteht. In der Eurozone wird sich diese Sichtweise erst durchsetzen, wenn 17 Staaten pleite sind.

»Immer noch aktuell: FAZ-Interview 2011 mit Richard Sulik „Der Euro funktioniert nur, wenn Staaten pleite gehen“

» Spanien beantragt auf Druck von EU Milliardenhilfen für Pleite-Banken

(Auf der 2005 geprägten Euro-Münze sieht man Don Quijote, den Kämpfer gegen die Windmühlen)

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21 KOMMENTARE

  1. Am Ende wird ALLES privatisiert. Autobahnen, saemtliche Liegenschaften, alles weg dann. Schaeuble hat das ja schon einmal mit der DDR gemacht, Industriebetriebe zum Preis von 1DM usw. Was er macht, macht er richtig schlecht, was er in die Haende bekommt wird zu Asche. Der wohlklingende Begriff Privatisierung ist eine orwellsche Umschreibung ist. Ich wuerde als Privatier auch gerne was bekommen, nur es wird wohl kaum reichen. Es wird dann endgueltig die Politik von den Banken uebernommen.

  2. #1
    Wenn es privatisiert werden soll, heißt es nur, dass es vom Staat über Jahre oder Jahrzehnte so betrieben wurde, dass es rote Zahlen geschrieben hat und die Kosten dafür auf folgende Generationen zur Wertvernichtung weiter gegeben wurde.
    Wenn sich dann tatsächlich jemand findet, der diese in den Dreck gefahrenen Karren doch noch wirtschaftlich führen kann, dann muss man froh sein – anstatt den Hass, den man auf die Verstaatlichung zuvor haben sollte auf die zu projizieren, die jetzt die letzte Rettung sind.

  3. Man merkt, wie Europa immer mehr verblödet. immer mehr Menschen beherrschen anscheinend die Grundrechenarten nicht mehr u. wissen mit dem Begriff Zinsen u. Zinseszins nichts mehr anzufangen. Mit jedem Euro mehr Schulden steuern wir schneller auf die baldige Katastrophe zu.

  4. Ich stimme dem Artikel zu 100% zu.
    Wenn allerdings die Banken aus Luft Geld machen können, das sie gegen zu diesem Zeitpunkt nicht existierende Zinsen verleihen können, und dieses System als „alternativlos“ wegen 1929 usw. gilt, und auch die Staaten sich solches Luftgeld leihen müssen, dann stimmt etwas an den Grundlagen nicht!
    Die Steuern werden den Banken in Form von Zinsen in den Rachen geworfen, die Sparmaßnahmen treffen aber die Steuerzahler, weder die beteiligten Politiker noch die Banken.
    Von Euch hat doch auch keiner Lust, höhere Steuern und Beiträge bei gleichzeitig sinkenden Leistungen zu bezahlen, weil der Zinsanteil systembedingt immer höher wird. Oder ?

  5. #3 Ralf W. (26. Jun 2012 10:55)

    bezüglich Privatisierung

    Informiere dich bitte, bevor du den neo-liberalen Quatsch verbreitest.

    Es gibt sehr gute Bücher zu dem, was bei der sogenannten Privatisierung in den neuen Bundesländern abgelaufen ist.

  6. Spanien gibt wenigstens zu, dass man mit der EUdSSR am Ruder Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren kann.

    Private Betreiber vor Insolvenz-Spaniens Maut-Autobahnen müssen gerettet werden

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/private-betreiber-vor-insolvenz-spaniens-maut-autobahnen-muessen-gerettet-werden-11798834.html

    Tja, am besten, wir Privatmänner und -Frauen melden alle Insolvenz an und beauftragen unsere Regierung, die EU damit zu beauftragen, uns mit Geld aus Brüssel zu retten. 😀

  7. @#9Johann
    Der Knaller dabei ist folgender:
    Die Projekte stammen zum größten Teil aus der Regierungszeit des konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar. Sie wurden überwiegend auf Kredit und mit Hilfe europäischer Entwicklungsfonds gebaut. Die Kosten explodierten unter anderem, weil für Enteignungen Entschädigungen von mehr als 3000 Euro je Quadratmeter bezahlt wurden. Hinzu kam, dass oft parallel zu den gebührenpflichtigen Verbindungen Gratisautobahnen gebaut wurden, auf denen die Fahrer außerhalb der Stoßzeiten genauso schnell vorankommen.

    Diese Verbrecher haben sich mit EUR 3.000/m² durch EU-Geld entschädigen lassen!!! Unser Grundstück hat 850 m². Das wären dann also 2,55 Mio Euro!!! Das sind übelste Verbrecher!!!

  8. „Spanien hat sich an keine Vereinbarung gehalten“

    Warum sollten sie?

    Sie haben doch den Michel.
    Und Michel zahlt ALLES!

  9. Von 17 Euroländern stehen mittlerweile 5 unter dem Rettungsschirm. Im Umkehrschluß bedeutet dies, daß immer weniger diesen Schirm stemmen. Am Ende werden wir ihn alleine halten müssen.

  10. Schuld an der Misere ist also der spanische Staat, der auch direkt nach Beantragung von EU-Hilfsgeldern von der Kommission gerüffelt wurde, er habe zu wenig getan. Vereinbart waren Mehrwertsteuerhöhung, Erhöhung des Renteneintrittsalters und Schrumpfung der Beamtengehälter. Davon ist in dem Land mit 8,9% Neuverschuldung des BIP noch nichts umgesetzt.

    Wenn in unserem schönen Land die Politiker auf die Idee kämen, die Steuern zu erhöhen, dann würde hier jeder Zweite rumpöbeln und meckern. Insbesondere wenn jemand auf die pöhse Sozialistenidee käme, Reiche stärker zu besteuern.

    Aber in den anderen Ländern hat man das gefälligst zu tun, wenn nicht ist der Staat böse, und wenn die Bürger revoltieren, sind die Bürger auch böse.

    Jetzt wird der eine oder andere damit argumentieren, dass es in den Südländern ja alles viel zu gut ist und diese es sich nicht leisten können.
    Ach und wir können uns das leisten? Hahaha.
    Es wird bei uns auch schnell soweit sein, dass der Bürger wieder sehr viel tiefer in die Taschen greifen muss.

    Am Ende müssen alle mehr arbeiten, kriegen weniger Geld und haben weniger Freiheit.
    Aber Schuld sind immer die anderen.

    Dass unser Finanzsystem an sich so wie es ist gar nicht dauerhaft funktionieren kann, dass will keiner wahrhaben. Bzw. diejenigen, die es in der Hand haben, die wollen das doch gar nicht ändern.

  11. @Hokkaido

    Du fandest die Privatisierung von Ex-DDR-Betrieben falsch?

    Naja, dann hätte also der Staat weiter z.B. den Trabbi weiterbauen sollen?

    Ja, damit wären ganz sicher blühende Landschaften entstanden. Die Leute hätten sich um diese Vorkriegstechnologie gerissen 🙂

    Denn schließlich wissen doch alle, dass der Staat nicht nur alles besser kann, sondern auch die weit besseren Autos baut. Da kommen Porsche, Daimler, BMW, Ford, etc. nun mal nicht mit.

    Oder man denke an die verrottete Telekommunikationsinfrastruktur. Ja, auch die hätte staatlich bleiben sollen, damit es dann so weiter geht wie es war. Ich finde übrigens die Bakelit-Telefone mit Drehscheibe auch viel attraktiver 🙂

    Egal: die DDR hat eine eklatante Mangelwirtschaft betrieben. Nur auf dem Schwarzmarkt hatte man noch Chancen, Waren und Dienstleistungen zu ergattern. Ergebnisse sozialistischer Planwirtschaft eben.

    Und das hätte man tatsächlich fortführen sollen? Anstatt zu privatisieren?

  12. @fraktur

    De facto stehen bereits alle Länder unter diesem „Rettungsschirm“. Die einen geben es wenigstens zu, die anderen verdrängen es.

    Es wird sich gegenseitig Geld zugeschoben, hin und her und kräftig – in allen Ländern – die Geldschein-Druckerpresse betrieben, auf dass sie glüht.

    Die Zeche zu zahlen werden wir alle hier noch erleben. Z.B. durch massive Inflation, was ja nichts Anderes ist als kollektive Enteignung.

  13. #15 Framewire:

    „Die Zeche zu zahlen werden wir alle hier noch erleben. Z.B. durch massive Inflation, was ja nichts Anderes ist als kollektive Enteignung.“

    Das ist das 3. Mal in 100 Jahren.
    Nach dem 1. WK druckte man, bis man die Nullen nicht mehr auf die Geldscheine bekam.
    Nach dem 2. WK wurde das Komma einfach nach links gerückt.

    Mal sehen, welche Methode neben der galoppierenden Inflation und Steuerplünderung noch in Anwendung kommt.

  14. Zu dieser endlosen Krise gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir fangen von vorne an und es gibt eine Währungsreform. Ich sage bewusst wir, weil auch Deutschland täglich 150 Mio € Schulden macht. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Geld (also erspartes) weg ist und Immobilienbesitzer als Ausgleich stärker besteuert werden. So war das 1948 und es ging bis zum Euro gut.
    Oder wir schauen nach Kanada, das einzige Land, das in den letzten Jahrzehnten ein solches Schuldendesaster bewältigt hat: Kanada hat rigeros Ausgaben gestoppt, kein Kindergeld, kein Elterngeld, keine Subventionen, keine Wohltaten jeglicher Art. Dafür wurden aber die Steuern deutlich gesenkt und damit die Kaufkraft und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Fazit: Kanada steht heute von allen Industrieländern mit am besten da.

    Wir müssen uns wohl entscheiden…..

  15. @mabank
    „Dass unser Finanzsystem an sich so wie es ist gar nicht dauerhaft funktionieren kann, dass will keiner wahrhaben.“
    —-
    „Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution vor morgen früh.“ – Henry Ford (1863 – 1947)

  16. Auf das Risiko hin, eine blöde Frage zu stellen: Muss es eigentlich irgendwen interessieren, was irgendwelche Rating-Agenturen von sich geben? Ich weiß nicht mal, wer diese Leute sind, die angeblich zuständig dafür sind, solche Urteile zu fällen wie im Fall der spanischen Banken.

  17. Guter Artikel, er entspricht meiner langjährigen Meinung zur Staatsschuldenkrise: Es ist und bleibt eine sozialistische Verteilungskrise! Lange von den Nutzniessern nicht wahrgenommen oder bewusst ausgeblendet, jetzt offen zu Tage getreten und nicht mehr zu bewältigen.

    Gute Hintergrundsinfos kann man sich hier anschauen: Das Märchen vom gerechten Staat – Teil 1 und Teil 2

    Unter anderem ist an diesem System 1989 schon die ganze sozialistische Ideologie zusammengebrochen, Schlussfolgerungen sind aber weder vom Wähler noch von den Politikern gezogen worden. Bis heute nicht… also „gute“ Aussichten für die Zukunft! Meine Frage ist deshalb schon seit Jahren: Wie dumm, ignorant und dekadent muss eigentlich ein Volk sein, um sich solche dummen Politiker zu leisten? Gute Nacht Deutschland, gute Nacht Europa – es folgt unweigerlich die Auferstehung der sozialistische Diktatur mit all ihren Folgen…

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