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taz deckt Flüchtlingsdrama in Bayern auf

Höhenkirchen-Siegertsbrunn in BayernDie taz berichtet heute über eine 29-jährige Frau aus Nigeria, die vor acht Jahren als Asylantin nach Deutschland kam und in dem beschaulichen bayerischen Örtchen Höhenkirchen-Siegertsbrunn (siehe Bild) lebt. Sie hat drei Kinder im Alter von 5 Jahren, 3 Jahren und 9 Monaten. Der Älteste besucht einen Kindergarten. Als Grund für ihr Hiersein gibt die Frau an, sie sei „geflüchtet vor Zwangsheirat und Beschneidung“. Ob Frauen in ganz Nigeria oder nur im islamisch dominierten Norden von Zwangsheirat und Beschneidung bedroht sind, führt die taz nicht aus. Genausowenig, ob eine erwachsene, alleinstehende nigerianische Frau mit drei Kindern überhaupt noch unter diesem Risiko steht – und wenn ja, in welcher Region Nigerias. Der Grund, warum sich die taz mit ihr beschäftigt ist, dass sie unter ihrem Bett Konserven sammelt:

Zweimal pro Woche muss die 29-jährige Nigerianerin ankreuzen, welche Nahrungsmittel sie für sich und ihre drei Kinder benötigt. Eine Sorte Fleisch pro Kind, drei Portionen Gemüse, 4 Rationen Obst und so fort.

Dienstags und donnerstags dann, wenn die Essensrationen kommen, stellt sie die Konserven mit dem eingelegten Fisch, den geschälten Tomaten und den Kidneybohnen zu den anderen unters Bett.

„Ich kann das alles nicht mehr sehen“, sagt Yakubu verzweifelt. „Es ist immer das gleiche, Woche für Woche, seit mittlerweile acht Jahren.“

„Aber ich würde einfach gerne selbst einkaufen. Schließlich weiß ich am besten, was gut für meine Kinder ist.“

Neben der Unterkunft bezieht die Nigerianerin folgende Leistungen:

Gemäß dem offiziellen Bescheid erhält Dayo Yakubu zusätzlich zu den Essensrationen monatlich 40,90 Euro vom Staat. Der älteste Sohn – er ist fünf Jahre alt und geht bereits in den Kindergarten – bekommt monatlich 45,45 Euro. Die beiden kleineren Kinder – drei Jahre und neun Monate alt – bekommen jeweils 20,45 monatlich. Macht zusammen 127,25 Euro. Hinzu kommen ein Zuschuss für Babywindeln von 45 Euro für das jüngste Kind sowie 80 Euro, die Yakubu zusätzlich verdient, weil sie im Wohnheim die Treppen putzt. Ergibt alles in allem: 252,25 Euro pro Monat für eine alleinerziehende Mutter und ihre drei Kinder.

Zweimal im Jahr bekommt die Familie Gutscheine für ein Kaufhaus: 150 Euro für die Mutter, 120 Euro für jedes Kind.

Die Frau beschwert sich bei der taz auch darüber, dass sie so selten nach München käme:

An eine Fahrt in die Stadt ist für die Familie nicht zu denken. Ihre Sammelunterkunftliegt liegt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, einem Vorort von München, den man gerade noch mit der S-Bahn erreicht. Eine Monatskarte kostet 87 Euro. „Ich kann nur dann in die Stadt fahren, wenn einer von uns einen Arzttermin hat“, erklärt Yakubu. „Nur dann können wir zum Rathaus gehen und bekommen eine Tageskarte ausgestellt.“

Da wird die von der taz nicht erwähnte Caritas in Höhenkirchen-Siegertsbrunn aber ganz traurig sein, dass sie extra Spendengelder gesammelt hat, um übertragbare „Isar9-Fahrkarten zu kaufen, welche die Bewohner tageweise ausleihen können“ und die nun gar nicht von der Asylantin gewürdigt werden.

Bezüglich Asylanten aus Nigeria schreibt die taz unter ihrem Artikel:

2011 beantragten 759 Nigerianer in Deutschland Asyl. Die Anerkennungsquote lag bei 9,5 Prozent.

So weit zu dem Artikel mit den haarsträubenden Details aus dem Asylantenleben in Bayern. Hintergründe zu Nigeria werden – wie gesagt – nicht gegeben. Der deutsche Leser soll mitnehmen, dass es Frauen in Nigeria schlecht geht und es ihnen weiterhin schlecht geht, wenn sie nach Deutschland flüchten. Hier stellen sich gleich mehrere Fragen:

Wieso fliehen so wenig Leute aus einem der bevölkerungs- und erdölreichsten Länder Afrikas? (Wikipedia über Nigeria)

Wäre es für die Asylantin eventuell zumutbar, im christlichen nigerianischen Landesteil zu leben, in dem Frauen möglicherweise weniger von Zwangsheirat und Beschneidung bedroht werden?

Was könnte die Asylantin alles im christlichen Teil von Nigeria für 2553 Euro pro Jahr einkaufen? Das ist nämlich die Summe, die ihr neben kostenloser Unterkunft und Verpflegung in Deutschland gewährt wird.

Könnte die Asylantin mit dem deutschen Geld eventuell in Nigeria viel glücklicher einkaufen als in Deutschland?

Wäre es dann für alle Beteiligten nicht viel besser, wenn man die Nigerianerin in einen sicheren Landesteil Nigerias verfrachtet und ihr monatlich die Summe überweist, für die sie für ihre Kinder das einkaufen kann, was sie für richtig hält? Dann müsste sie nämlich hier nicht so lange auf Hartz IV warten.

Abschließende Frage: Was ist denn eigentlich mit dem unterhaltspflichtigen Vater / den unterhaltspflichtigen Vätern der drei unehelichen Kinder? Oder ist in Deutschland, wer eine Asylantin schwängert, automatisch von der Unterhaltspflicht befreit?

Wir sind sehr gespannt auf die Fortsetzung dieser taz-Serie, die gleich morgen weiter geht und die parallel zur Forderung nach Hartz IV für Asylanten gestartet wurde (PI berichtete):

Auf taz.de erzählen drei Flüchtlinge von ihrem Leben, das sich weit unterhalb des offiziellen Existenzminimums abspielt. Dies ist Teil I. Teil II am Dienstag: ein Palästinenser aus Pirna, der als Muslim an der Tafel kaum Gerichte ohne Fleisch findet; Teil III am Mittwoch: eine aus dem Kaukasus stammende Familie, die ihren Kindern gern Lego-Bausteine kaufen würde.