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Kein Kampf gegen Rechts

Türkische Mitbürger bei einer Feier zu Mohammeds Geburtstag am 10.4.2007 in der Köln-Arena.Der türkische Rechtsextremismus in Deutschland ist unseren Behörden völlig gleichgültig. Ihr „Kampf gegen Rechts“ richtet sich nicht gegen den Rechtsextremismus allgemein, sondern nur gegen deutschen Rechtsextremismus. Diese Ausrichtung auf nur ein Teilspektrum des Rechtsextremismus unterscheidet den Antifaschismus der sog. „Bunten Republik“ vom Antifaschismus der DDR. Ein Ideologievergleich.

(Von M. Sattler)

Der Antifaschismus der Bunten Republik differenziert in seinem Kampf nach nationalen Kriterien: deutscher Rechtsextremismus wird bekämpft, türkischer Rechtsextremismus toleriert. Demgegenüber war der Antifaschismus der DDR ein universeller Antifaschismus: Der Rechtsextremismus war ein genereller Feind, unabhängig von der jeweiligen Nation. Die Gründe für diese völlig unterschiedliche Haltung sind in den ideologischen Hintergründen dieser beiden linksdoktrinären Staaten zu suchen.

1. Der Antifaschismus der DDR

Der Antifaschismus der DDR ergab sich aus ihrer marxistisch-leninistischen Tradition und ihrem Selbstverständnis als Teil der kommunistischen Weltrevolution: Ziel des marxistisch-leninistischen Arbeiterkampfes ist ja die weltweite Überwindung nationaler Identitäten durch Aufbau einer klassenkämpferischen sozialen Identität. Der von Mussolini begründete Faschismus bildet hierzu die direkte Gegenthese: Als Antwort auf Lenins Oktoberrevolution entwickelt, fordert er die Überwindung der Klassengegensätze nicht durch Kampf, sondern durch nationale Solidarität innerhalb des großen Ganzen. Beide Ideologien, Marxismus-Leninismus und Faschismus, setzen sich also mit denselben Themen „Klasse“ und „Nation“ auseinander. Sie bilden ein typisches Gegensatzpaar, das unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage liefert. Marxistisch-leninistischer Kommunismus bedeutet zwangsläufig Ablehnung des seitenverkehrten Spiegelbilds, d.h. kompromissloser Antifaschismus, und umgekehrt.

Da der Marxist-Leninist eine Überwindung der Nation und den Internationalismus der Arbeiterschaft anstrebt, kann er auch den Faschismus nur konsequent antinational bekämpfen, d.h. er unterscheidet den Faschismus nicht je nach Nation in einen „guten“ und „schlechten“ Faschismus. Sein Feindbild, rechtsnationalistisches, faschistoides Denken, bekämpft er weltweit: in Italien unter Mussolini, in Polen nach dem Militärputsch von 1926, im Deutschland der späten 20er-Jahre, in den 30er-Jahren in Thailand und Japan und in Spanien unter Franco, in den 50er- und 60er-Jahren in der Türkei und in den 70ern in Chile. In dieser Tradition eines universellen, weltweit ausgerichteten Antifaschismus stand bis 1989 auch der Antifaschismus der marxistisch-leninistischen DDR.

2. Der Antifaschismus der Bunten Republik

Im Gegensatz zur DDR ist das ideologische Fundament unserer heutigen „Bunten Republik“ zwar eindeutig linksdoktrinär, aber nicht marxistisch-leninistisch. Die linksdoktrinäre Ideologie der Bunten Republik beruht auf der stark maoistisch geprägten Kulturrevolution der 68er – eine linke Revolution, die im marxistisch-leninistischen Machtbereich der Sowjetunion nie stattfand. Im Unterschied zum Marxismus-Leninismus ist der Maoismus aber nicht nur eine klassenkämpferische, sondern in erster Linie kulturkämpferische, zivilisationsfeindliche Bewegung: Der neue kommunistische Mensch kann nur entstehen, indem er die „alte“ Kultur insgesamt vernichtet. Die Kernfragen des Marxismus-Leninismus und dessen faschistischer Antithese spielen für den Maoismus daher nur am Rande eine Rolle. Der Maoist kämpft weder gegen andere Klassen noch andere Nationen, sein Kampf ist introvertiert und autoaggressiv, sein Feindbild ist die eigene Kultur als Teil der menschlichen Zivilisation.

Diese autoaggressiven, maoistischen Einflüsse, die nach Maos Kulturrevolution von 1966 auch in Westdeutschland Fuß fassten und dort die 1968er-Revolte ganz wesentlich mitbestimmten, erklären auch die unterschiedliche Sichtweise des Faschismus in der DDR und in der Bunten Republik. In der marxistisch-leninistischen DDR war ein Faschist ein Faschist, ganz gleich aus welchem Land. In der stärker maoistisch-kulturrevolutionären Bunten Republik hingegen gilt der Faschismus nur im autoaggressiven Kontext als Feindbild. Wenn sich 6000 türkische Rechtsextremisten in der Essener Grugahalle versammeln und dort ihre faschistoiden Parolen grölen, ist dies für die Bunte Republik kein Thema: In Deutschland türkische Faschisten zu bekämpfen wäre kulturrevolutionär kontraproduktiv. Sehr wohl ein Thema ist es allerdings, wenn sich fünf deutsche Rechtsextreme vor einer Essener Getränkebude versammeln.

Anders als die DDR kämpft die Bunte Republik daher keineswegs universell „gegen rechts“, sie kämpft selektiv. Aus ihrem Millionenbudget des „Kampfs gegen rechts“ wird sie niemals auch nur einen einzigen Cent zum Kampf gegen die türkischen Grauen Wölfe bereitstellen. Diese vermeintliche „Doppelmoral“ ist aber keine Folge einer naiven Fehleinschätzung der tatsächlichen rechtsextremen Gefährdungslage in Deutschland. Sie ist eine gewollte, politisch völlig konsequente Handlungsweise, die sich unmittelbar aus dem autoaggressiven Charakter der im Ursprung stark maoistisch beeinflussten, gegen die eigene Kultur und Zivilisation gerichteten bunten Ideologie ableiten lässt. Die Bunte Republik als „antifaschistisch“ zu bezeichnen oder gar in der Tradition des universellen DDR-Antifaschismus zu sehen, tut also nicht nur der DDR Unrecht. Eine solche Einschätzung verkennt auch die historisch gewachsenen Unterschiede innerhalb der linksdoktrinären Ideenwelt und somit das gesamte ideologische Fundament unserer heutigen Bunten Republik.

(Foto oben: Türkische Mitbürger bei einer Feier zu Mohammeds Geburtstag am 10.4.2007 in der Köln-Arena / Fotocredit: Quotenqueen)