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Merkel und Deutschland keinerlei Selbstachtung

In einem kritischen Artikel zu Europa, EU und Euro von Professor Otfried Höffe in der FAZ gestern standen einige wichtige Beobachtungen. Unter anderem wirft er Deutschland und dem regierenden Personal vor, keinen Mut und keine Selbstachtung zu haben.

Ausschnitt:

Was ist von einer Regierung zu halten, die allenfalls vom Verfassungsgericht, dann aber nur zum verfassungsrechtlichen Minimum zur Räson gerufen wird? Was von einer Opposition, die keine veritablen Alternativen anbietet?

Die Griechen beschimpften Deutschland. Angela Merkel aber warnte vor den katastrophalen Folgen einer griechischen Insolvenz. Wer beide Meldungen am selben Tag in der Zeitung las, musste sich fragen: Warum fehlt in der Eurodebatte nach den finanztechnischen und politischen Kontroversen die dritte Dimension, die Selbstachtung?

Der italienische Ministerpräsident Monti verlangte von Berlin Respekt für Italien, obwohl er eher Hilfe erwartete als brachte. Und die Bundeskanzlerin? In Griechenland wurde das von ihr vertretene Land über viele Wochen zum Teil maßlos verunglimpft, nicht selten mit Nazi-Vergleichen, die gegenüber einer seit mehr als sechs Jahrzehnten funktionierenden Demokratie schlicht unanständig sind. Warum verlangte Frau Merkel nicht vom griechischen Ministerpräsidenten, dass er sich gegen die Verunglimpfungen verwahrt?

Unseren Regierenden fällt gar nicht mehr auf, wenn sie vom Ausland beleidigt werden. Das schlucken sie einfach. Auf der anderen Seite geben sie dem Ausland aber permanent „gute Ratschläge“! Das kommt zu Recht nicht gut an. Warum sagen wir nicht klar verständlich, wir zahlen, wie es in den Verträgen steht, eure Schulden nicht, und wie ihr eure Probleme löst, ist eure Sache, aber beleidigen lassen wir uns nicht?