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Kassel: Nach Halit-Platz auch Halit-Haltestelle?

Am 1. Oktober 2012 wurde in Kassel durch SPD-Oberbürgermeister Bertram Hilgen (Foto r.) im Beisein des türkischen Botschafters Hüseyin Avni Karslioglu und des hessischen Justizministers Jörg-Uwe Hahn der Halitplatz eingeweiht und eine Stele mit einer Gedenktafel aufgestellt (PI berichtete). Für Hilgen offensichtlich noch nicht genug: Der Kasseler OB will nun zur Erinnerung an Halit Yozgat auch die Straßenbahnhaltestelle Mombachstraße/Philipp-Scheidemann-Haus umbenennen – und stößt damit nicht nur in der örtlichen CDU, sondern auch innerhalb seiner eigenen Partei auf großes Unbehagen.

Die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine berichtet:

Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) werde dies am Montag dem Magistrat vorschlagen und die Dezernenten um Zustimmung bitten, sagt Hans-Jürgen Schweinsberg, Sprecher der Stadt Kassel. Sollte der Beschluss gefasst werden, werde der Magistrat die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) um die Umbenennung bitten. Derzeit trägt die Haltestelle am Hauptfriedhof noch die Bezeichnung Mombachstraße/Philipp-Scheidemann-Haus.

Bereits am 1. Oktober war der Platz vor dem Hauptfriedhof, der in direkter Nachbarschaft zur Haltestelle und nahe des Tatorts liegt – nach dem Mordopfer benannt worden. Die geplante Umbenennung der Haltestelle in Halitplatz/Philipp-Scheidemann-Haus sei Ergebnis der Gespräche, die Hilgen mit der Familie Yozgat in der Frage geführt hat, wie man eine angemessene Würdigung des ermordeten Halit erreichen könne.

Oberbürgermeister Hilgen hat Monika Sprafke (SPD), Ortsvorsteherin der Nordstadt, in einem Brief über das Vorhaben unterrichtet. Sprafke las diesen am Donnerstagabend bei der Ortsbeiratssitzung vor. Die Mitglieder seien über die Umbenennung nicht sehr erfreut, sagt Sprafke. Die Ortsvorsteherin erinnert daran, dass auch die Entscheidung, den Platz nach Halit Yozgat zu benennen, im Stadtteilgremium nur ganz knapp ausgefallen sei.

„Wir empfinden die Personifizierung des Platzes und der Haltestelle als nicht geglückt“, sagt die Sozialdemokratin. Bei der Haltestelle komme hinzu, dass die Menschen den Namen Mombachstraße, der nun weichen soll, „total verinnerlicht“ hätten. Widerstand kündigt auch die Kasseler CDU an: „Wir werden dieser Umbenennung nicht zustimmen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Dr. Norbert Wett. Für die CDU stelle der Alleingang des Oberbürgermeisters einen übertriebenen Aktionismus dar, der bei der Mehrzahl der Kasseler Bevölkerung auf völliges Unverständnis stoße.

„Dieser überflüssige Vorstoß von Hilgen trägt weder dem Bedürfnis nach einem angemessenen Gedenken an das Mordopfer Halit Yozgat noch dem Wunsch nach Aufklärung der Vorgänge um die Zwickauer Terrorzelle Rechnung.“ Wenn der Magistrat die Umbenennung am Montag beschließe, „dann setzen wir das natürlich um“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad.

Durch die Umbenennung entstünden natürlich auch Kosten. Die Schilder an der Haltestelle, die Zielanzeigen in den Fahrzeugen, die Fahrpläne und die Liniennetzpläne müssten entsprechend geändert werden.

Was wohl der sozialdemokratische Politiker Philipp Heinrich Scheidemann (Foto l.), der im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts einer der Protagonisten und Repräsentanten seiner Partei und bis 1925 Oberbürgermeister seiner Geburtsstadt Kassel war und später vor den Nazis flüchtete, zu der Umbennung der Straßenbahnhaltestelle, die bisher seinen Namen trägt, in Halit Yozgat sagen würde?

» bertram.hilgen@stadt-kassel.de