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„Ich habe mich zu früh über Ihre Wahl gefreut!“

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, wie ich mich gefreut habe, als Sie zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurden. Leider habe ich mich zu früh gefreut. Heute muss ich mich nur wundern, wie ich mich damals geirrt habe.

(Offener Brief von Stanislav Jan Straka an Bundespräsident Gauck)

Als ich den Satz aus Ihrer Weihnachtsansprache

“Sorge bereitet uns auch die Gewalt in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben.”

in SPIEGEL ONLINE gelesen habe, musste ich ihn mehrmals lesen, weil ich überzeugt war, dass ich etwas falsch verstanden habe. Nein – ich habe alles richtig verstanden. Den Gedanken, dass es sich um ein Scherz handelt, den habe ich gleich verworfen, denn ein Präsident macht keine Scherze, und zu Weihnachten schon gar nicht.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, ich habe den Eindruck, dass Sie nur Artikel aus der linken Presse lesen. Aus der Presse, die Bürger belügt und die wahren Ursachen von zunehmender Gewalt und Kriminalität in Deutschland verschweigt. Es ist aber auch möglich, dass Sie von Ihrem Mitarbeiterstab nicht über alles, was in Deutschland geschieht, informiert werden.

Dank Überwachungskameras habe ich schon einige Beispiele von Gewalttaten gesehen und das nicht nur auf deutschen Bahnhöfen. Gewalttaten, die eben von diesen Menschen „mit schwarzen Haaren und einer dunklen Haut“ verübt wurden und deren Folge der Tot oder eine lebenslange Behinderung von Menschen, die eine helle Hautfarbe aufweisen ist.

Warum werden wir von Politikern, die wir gewählt haben, belogen und betrogen? Soll sich das Sprichwort „Nur dumme Rinder wählen ihre Schlachter selbst“ bewahrheiten?

Es ist unglaublich, was unsere „Volksvertreter“ von sich geben: Sorgen bereitet uns die Verrohung der Gesellschaft. Dieser Satz stammt von Frau Hannelore Kraft.

Von wo kommt diese Verrohung her? Sie brauchen nur der Sprache der Jugendlichen lauschen und dann wissen Sie es. „Was guckst du – Ich mach dich Messer – Ey Mann“ und vieles andere mehr. Es ist aber nicht nur die Ausdrucksweise. Viele Jugendliche haben auch schon den Akzent der (wie Sie sie es nennen) dunkelhäutigen Menschen angenommen.

Deutsche Politiker waren es, die diese Menschen in unser Land brachten und die ihnen die Deutsche Staatsbürgerschaft de facto aufgezwungen haben und weiter aufzwingen, um sich deren Wählerstimmen für sich zu sichern.

„Wir müssen diesen Menschen Helfen, sich zu integrieren“

Das ist auch so ein Satz, den ich nicht mehr hören kann. An dieser Stelle wäre eine Entschuldigung meinerseits fällig: „Ich bin kein Rassist und ich habe nichts gegen Ausländer.“

So eine Entschuldigung halte ich für überflüssig. Mein Ursprung und der Umstand, dass ich selbst vor 35 Jahren ein Ausländer in diesem Land war, sprechen dagegen. Mir brauchte niemand helfen, um mich zu integrieren, ich habe mich vom ersten Tag meines Aufenthalts in Deutschland integriert. Ich habe mich integriert, weil ich es so wollte. Für meine deutsche Staatsangehörigkeit musste ich zehn Jahre lang kämpfen und teuer bezahlen. Heute kann ich sagen: „Ich habe nicht die deutsche Staatsangehörigkeit, sondern, ich bin ein Deutscher.“ Ich bin ein Deutscher, weil ich es wollte und das unterscheidet mich von den meisten „Deutschen“ aus einem anderen Kulturkreis, oder von Menschen mit Migrationshintergrund, wie man Ausländer (bzw. Türken oder Araber) zu bezeichnen pflegt.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, ich würde mir wünschen, dass Sie und alle deutschen Politiker den Mut aufbringen, so wie Sie Deutsche – Deutsche und Amerikaner – Amerikaner nennen, auch Türken – Türken und Araber – Araber nennen. Ich würde mir wünschen, dass Sie sagen: „Wir zwingen niemanden, sich in Deutschland zu integrieren, aber wer sich hier nicht integrieren will, der ist in Deutschland nicht willkommen.“

Bei Zitaten wie am Anfang meines Schreibens angeführt, entsteht der Eindruck, dass viele deutsche Bürger Rassisten und ausländerfeindlich sind. Nein, Herr Bundespräsident, die meisten Deutschen sind keine Rassisten und sie haben nichts gegen Italiener, Engländer oder Amerikaner. Sie haben auch nichts gegen Schwarzafrikaner, Chinesen oder Japaner. Sie haben nur etwas gegen Menschen, die über deutsche soziale Errungenschaften bestens informiert sind und die diese auch schamlos ausnutzen. Sie haben etwas gegen die, die uns als Ungläubige betrachten, die den Blick zu senken haben, wenn wir ihnen auf der Straße begegnen und sie haben auch etwas gegen Menschen, die sich ständig beleidigt fühlen, wenn wir so weiter leben wollen, wie wir seit hunderten von Jahren gelebt haben. Und auch etwas gegen die wahren Rassisten, die offen auf den Straßen „Tod den Juden“ brüllen, haben sie etwas.

Wir haben bereits aus Rücksicht auf diese Menschen auf vieles verzichtet. Auf Kreuze in den Schulen und in Krankenhäusern, auf Schweinefleisch in Kitas und in Schulkantinen, auf Tierschutz, in dem es erlaubt ist, ohne vorherigen Betäubung, Tieren die Kehle durchzuschneiden, Weihnachtslieder im Rundfunk und im Fernsehen haben wir auf das Minimum reduziert und das schlimmste ist, wir haben aus Rücksicht auf das Recht der freien Meinungsäußerung verzichtet. Wir dürfen zwar das Christentum kritisieren, wir dürfen auch die USA und Israel kritisieren, aber den Islam zu kritisieren gleicht einem Verbrechen. Wir dürfen uns über den Papst, Jesus Christus und über die Bibel lustig machen, und wenn uns nichts daran liegt, weiter zu leben, so können wir es auch versuchen, uns über Prophet Mohammed lustig machen oder den Koran kritisieren.

Das alles dürfen wir, empfehlenswert ist es aber nicht.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich in Deutschland alles noch ändert, ich hoffe aber auch, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, wenn die Grenze des Volkszorns erreicht ist.


Siehe auch:

» Email an Gauck: bundespraesidialamt@bpra.bund.de
» Offener Brief von Gudrun Eussner an Gauck